Klassentreffen der ehemaligen OIb des
 Quirinusgymnasiums Neuss von 1963
  zum 40jährigen Abitur am 21.2.2003

(Erinnerungen - zusammengestellt von Paul Tresselt)
 

Es ist schon nicht so einfach, alle ehemaligen Mitschüler zu finden, wenn man sich 40 Jahre lang nicht gesehen hat. Den einen oder anderen entdeckt man im Telefonbuch, plötzlich begegnet man jedoch einem -  und dann kommt natürlich der Wunsch auf, dass man sich doch mal wieder treffen müsste, um über alte Zeiten zu plaudern.

Das war auch im November 2002 der Fall, als ich bei Wolfgang Kreutzer auf dem Marterstuhl saß und er in meinen Zähnen herumstocherte. Das finde ich immer so lustig, wenn Zahnärzte mit den Patienten reden und sie was fragen, obwohl sie eigentlich wissen müssten, dass diese in ihrer unangenehmen Lage kaum den Mund bewegen können... "Ja, ja", sagte er, während er mir eine Spritze in den Kiefer drückte, " ein Klassentreffen - das wär´ mal was. So schwer dürfte das doch gar nicht sein. Wo ich den Habbig doch ab und zu auch hier sitzen hab´ und den Spanke auch. Und vom Am Zehnhoff hab´ ich die Telefonnummer. Dazu fällt mir noch ein, dass Heribert Meurer irgendwo im Kölner Norden Pastor ist. Außerdem wohnst du am Etienne-Krankenhaus, wo der Heyers Chefarzt ist. Kümmere dich doch mal drum - schließlich bist du Pensionär und hast Zeit genug!"

So fing es an; und dann ging eigentlich alles ganz schnell. Innerhalb von vier Wochen waren die meisten gefunden: Von Hermann Josef Heyers erfuhr ich, dass Axel Jens immer noch auf der Karlsforster Str. in Kaarst wohnte. Er kannte auch die Telefonnummer von Heribert Meurer, Bei meinem Anruf meldete sich das Pfarrbüro Christi Verklärung in Köln und bestätigte, dass Pfarrer Meurer zwar gerade unterwegs sei, sich aber baldmöglichst melden würde. Axel wiederum wusste, dass Michael Peter in Grevenbroich aufzutreiben sein müsste. Aber nicht unter seinem Namen, sondern unter der Adresse einer Getränkefirma. Immerhin bekam ich eine Telefonnummer und eine Adresse. Plötzlich entdeckte ich sogar Frank de Reus im Telefonbuch der Stadt Neuss, aber außer einem Anrufbeantworter war kein Gesprächspartner auszumachen. Rolf Peter Habbig (zuverlässiger und gewissenhafter Lehrer!) schickte mir das alte Heft der Schulzeitung vom Quirinusgymnasium 1963 mit den Fotos von unserem Abitur und verhalf mir dadurch zu einer neuen Erinnerung und einer gewissen Anschauung, wie sie wohl heute alle aussehen müssten.
In der Zwischenzeit hatte ich natürlich fleißig im Internet recherchiert und Martin Walter Ruf und Viktor Pilarczyk ausfindig gemacht. Martin Walter war nämlich Bestandteil des Jahresberichtes der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einem Aufsatz über die "resonante Elektronenstreuung an freien Atomen und Molekülen mit meV-Energieauflösung", der mich sehr beeindruckte. Er erinnerte mich an alte Physikstunden - Zeiten bei Terhorst und Papa Meyn, in denen Martin-Walter durch scharfsinnige Beiträge brillierte. Das musste er sein! Und da Kaiserlautern nicht so groß ist, wurde das schnell bestätigt.
Wie überrascht war ich, als ich von ihm erfuhr, dass er immer noch Kontakt mit Walter Meskat hatte, der noch in Dormagen bei seiner alten Adresse aufzufinden sei. Er gab mir seine Telefonnummer, und ich war total happy, ihn beim ersten Anruf an der Strippe zu haben. Er wusste sogar etwas von Frank de Reus, der nach seiner Meinung nach verschiedenen Studien schließlich Bibliothekar geworden sein musste. Und tatsächlich: Wenige Tage später meldete sich Frank und erklärte, dass er nur noch sporadisch in Neuss weile; die meiste Zeit verbringe er in der Eifel. Es würde ihm aber großen Spaß machen, am Klassentreffen teilzunehmen.
Viktor Pilarczyk wurde im Internet öfter in Zusammenfassungen über Fussballereignisse genannt. Da ich ihn aus Quirinuszeiten als großen Sportler in Erinnerung hatte (die besten Kugelstoßer der Schule waren immer Funke und Pilarczyk aus unserer Klasse!), hegte ich kaum Zweifel, dass es sich um ihn handeln musste, zumal es sich jeweils um Berichte aus Oberkirchen (Herren 50 (Senioren I) Meister in der Landesliga und Aufstieg in die Verbandsliga - Saar, die höchste saarländische Amateurklasse...) handelte. Ganz sicher fühlte ich mich, als ich den Spielbericht vom Dezember 2001 las: "Das Spiel Wallerfangen/Oberkirchen wurde zum Schlüsselspiel, und gerade hier musste Oberkirchen ersatzgeschwächt, ohne die Spieler Klaus Lang und K.- Josef Martin, in Wallerfangen antreten. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Nr. 2 Viktor Pilarczyk verletzt in sein Match gehen musste." Das musste er sein! Kannte ich ihn doch aus unseren Skatrunden als zähen Kämpfer, der nie aufgab. Die Telefonnummer war nicht schwer herauszufinden, sodass ich ihn tatsächlich in Freisen ausfindig machen konnte. Als ich ihn anrief, freute ich mich natürlich besonders darüber, dass ihm Johannes Schmitz schon einmal in der Uni Saarbrücken über den Weg gelaufen sei. Aber das war kein leichtes Unterfangen, diesen Typ zu finden. Die Telefonbücher und Suchmaschinen brachen natürlich alle zusammen, wenn ich die Suchwörter "Johannes Schmitz" oder "Hans Schmitz" eingab. Die Trefferquote überstieg alle meine Befürchtungen. Schließlich ist der Name in Deutschland nicht gerade selten.
Ich wusste, dass sein Vater Hausmeister an der Grundschule Kaarster Str. in Neuss gewesen war; aber alle Recherchen bei der Stadt Neuss führten zu keinem Ergebnis, da die Eltern bereits gestorben waren. Da kam Wolfgang Kreutzer als Retter ins Spiel: Wie viele andere, hatte er gelegentlich natürlich auch Polizisten auf seinem Zahnarztstuhl. Ich weiß nicht, unter welchen Qualen er einen veranlasste, die Polizei-Fahndungsmaschine in Gang zu setzen, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Innerhalb von zwei Tagen wurde nämlich Johannes Schmitz als Hans-Dieter Schmitz identifiziert. Dessen Telefonnummer stand zwar nicht im Telefonbuch, aber  die mir zugespielte Nummer gehörte zu Philipp Schmitz in Saarbrücken, der mich dann aber schnell an seinen Vater weiterleitete: Treffer!
Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach Hans-Heiner Grube. Im Telefonbuch gab es jede Menge davon: Hans Grube, Heiner Grube, Heinrich Grube... In Berlin sollte er sein, hatte mir Martin-Walter Ruf gesagt - genau wusste er es auch nicht. Die Suche blieb erfolglos, also versuchte ich es mit dem Adressverzeichnis von unserem Untersekunda - Kommers. Dort war Lingen, am Mühlenberg 10, angegeben. Aber keiner der Leute aus der Nachbarschaft dieser Hausnummer, die ich anrief, wusste etwas. Glücklicherweise kam Axel Jens mit der Nachricht, dass das Einwohnermeldeamt einen Heiner Grube mit Nebenwohnsitz in Lingen, Seidelbastweg 1, im Verzeichnis habe. Dort gab es zwar keinen Heiner Grube mehr, aber Nachbarn, die seine Telefonnummer in Erfahrung brachten, weil seine Mutter dort in einem Pflegeheim wohnt. Stolz erzählte ich das Wolfgang Kreutzer, konnte ihm aber nur ein müdes Lächeln abbringen. "Dasselbe Ergebnis habe ich mit einem einzigen Anruf bei 01188 erreicht. Da war eine nette junge Dame am Ende der Leitung, und nach 5 Minuten hatte ich die Nummer von Heiner auch!"
Da gestaltete sich die Suche nach Theo Schwakenberg doch wesentlich einfacher: Nur 3x brauchte ich im Münsterland mein Sprüchlein aufzusagen, dass ich einen Theodor Schwakenberg suchte, der 1963 in Neuss Abitur gemacht hatte. Beim vierten Mal sagte mein telefonisches Gegenüber: "Dat is mein Vadder", und schon hatte ich ihn.

Das war Mitte Januar 2003. Beflügelt von dem Fortschritt unserer Suchaktion bat ich Wolfgang, die Polizeisuchmaschine doch noch einmal zu aktivieren, um mir noch einmal bei der Suche nach Fritz Peter Wunderlich zu helfen, den ich trotz aller Bemühungen nicht auftreiben konnte. Wolfgang und ich hatten uns schon die Telefonanrufe geteilt, weil es 120 Adressen in Deutschland mit diesem Namen gab. Aber keine Chance: alle Wunderlichs hatten ihren Ursprung im Osten, aber keiner kam aus Pullach bei München, der irgendwie verwandt mit ihm gewesen sein könnte. Sogar alle Anfragen in der Flensburger Verkehrssünderkartei und bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin blieben ergebnislos. "Wer weiß, vielleicht spielt der schon Harfe", sagte der Polizist. Auch Axels Anfragen über die Einwohnermeldeämter blieben ohne Erfolg.
Das war frustrierend. Alle hatten wir gefunden; Alfred Merges, Winfried Garthoff und Gert Trube waren gestorben, warum konnten wir Peter Wunderlich nicht finden?

Aber was soll´s? Auch so musste es ein schönes Wiedersehen werden. Wir hatten unseren alten Klassenlehrer Alexander Spanke angeschrieben, und der hatte sein Kommen zugesagt.
 

Restaurant An de Poz Neuss Ausgesucht für das Treffen hatten wir uns das Restaurant "An de Poz" am Neusser Obertor. Der alte Gewölbekeller von 1670 sollte das passende Ambiente für die 40 Jahre bilden, die wir uns nicht gesehen hatten.
Die Speisekarte schien uns angemessen und mit dem Restaurantchef hatten wir abgesprochen, dass er das Lokal erst schließen würde, wenn wir gehen wollten.

20. Februar 2003
Eine Email von Frank de Reus erreichte mich, dass er wegen einer Grippe nicht kommen könne. Ich solle aber allen seine Grüße ausrichten und er wünsche dem Abend einen schönen Verlauf. Ähnlich hatte sich schon 14 Tage vorher Heribert Meurer in einem Fax geäußert, der zu dieser Zeit eine Ägyptenreise unternahm und den Termin nicht ändern konnte.
Hinweis: Die folgenden Bilder können durch Anklicken auf eine Größe von 13x18 cm vergrößert werden.
21. Februar 2003
Wolfgang Kreutzer und Hermann-Josef Heyers kamen als erste, denn schließlich wollten sie Viktor Pilarcyk frühzeitig empfangen, der sich für 18:00 Uhr angemeldet hatte.
Aber wie das so ist - der Freitagsnachmittagsverkehr erwischte auch ihn. Schon in der Eifel saß er fest und musste auf die schmalen Nebenstraßen ausweichen. Als er um halb sieben in der Tür erschien, hätten wir ihn fast gar nicht erkannt, so sehr hatte er sich verändert.
Auf dem Bild links schildert er gerade Walter Meskat, Wolfgang Kreutzer und Martin Ruf seine Erlebnisse.
Danach traf Michael Peter ein. Wir standen an der Theke und blickten erstaunt und fragend auf den elegant gekleideten Herrn mit dem kräftigen Schnauzbart, unter dessen Mütze volles schwarzes Haar hervorquoll. Aber als seine sonore Stimme ertönte und wir das volle Ausmaß seiner kräftigen Gestalt wahrnahmen, wussten wir doch, wen wir vor uns hatten.
Im Keller stellten wir schnell fest, dass sein Auftreten immer noch von der vornehmen Zurückhaltung und knappen, aber treffsicheren Lageeinschätzung bestimmt war.
Fünf dicke Zigarren hatte er für den Abend mitgebracht.
Großes Hallo gab es bei der Ankunft unseres alten Klassenlehrers, Herrn Spanke. Der hatte sich in unseren Augen gar nicht verändert, selbst aber doch einige Schwierigkeiten, uns wiederzuerkennen. Wir mussten alle unseren Namen sagen, dann war die Erinnerung wieder da. Auf dem Bild links ist er gerade in seiner typischen Haltung im Gespräch mit Hermann - Josef - Heyers zu sehen. In der Zwischenzeit war auch Theo Schwakenberg eingetroffen, den vom Aussehen her zwar kaum jemand wiedererkannte, aber als er seine typische münsterländische Stimme erklingen ließ, wusste  jeder sofort wieder, wer er war.
Durch die Ankunft von Herrn Spanke wurden gleich die alten Schülererinnerungen wach. Wir erzählten viel von den Studienfahrten und Dummheiten, die wir gemacht hatten. Sehr oft fielen Namen von Mitschülern, die wir damit in Zusammenhang brachten, dann aber nie mehr gesehen hatten.
Schließlich kam auch Hanstheo Am Zehnhoff  die Treppe herunter. Auf dem Bild links ist er gerade in der Mitte des Gewölbedurchgangs zu sehen. Mit großem Beifall wurde er empfangen. Er hatte schon in der Zwischenzeit Walter Meskat getroffen, der im Westerwald Bürgermeister gewesen war.
Natürlich wollte jeder erstmal wissen, was die Einzelnen in der Zwischenzeit alles gemacht hatten. Aber 40 Jahre Erlebnisse kann man nicht so einfach in 5 Minuten erzählen. So kam es, dass sich gar keiner hinsetzen wollte, sondern wird standen in Gruppen zusammen und lauschten den Erzählungen.
Auf dem linken Bild berichtet Viktor Pilarczyk gerade Wolfgang Kreutzer und Herrn Spanke von seinen Fußballerlebnissen und dass er sein ganzes Leben dem Sport und dem Fußball gewidmet hat. Wir fanden es alle toll, dass er gekommen war, obwohl er an diesem Tag zu einem 60. Geburtstag eines engen Freundes eingeladen war. Er hatte uns versprochen, unser Klassentreffen zumindest bis 23:00 Uhr zu besuchen und danach die Heimreise anzutreten, um zu Hause anschließend noch an der Geburtstagsfeier teilnehmen zu können.
Auch Dieter Schmitz, der gerade auf dem Bild links die Speisekarte studiert, hatte sich in einen richtigen Saarländer verwandelt. Von ihm waren sämtliche Hemmungen und Unsicherheiten, die er früher als "Johannes" noch ab und zu an den Tag gelegt hatte, abgefallen. Mit großer Begeisterung erzählte er von der Schule, in der er arbeitete.
Wir saßen schon alle am Tisch und studierten die Menüvorschläge in der tollen Speisekarte, als endlich Heiner Grube eintraf.
In seiner typisch herzlichen und engagierten Art begrüßte er Herrn Spanke. Er versprühte immer noch viel Geistesblitze und war ein typischer Berliner geworden. Als einziger von uns hatte er die langen Jahre der Berliner Isolation in der Ostzone mitgemacht. Seine Berichte machten deutlich, dass ihn die politischen Bedingungen dieser Jahre geprägt hatten; sie  spiegelten ein waches Auge und ein empfindsames Ohr für die Zeitgeschichte wider.
Höchst interessant fand ich übrigens, dass alle mit ihrem Leben zufrieden waren. Man hätte doch denken können, dass durch die vielen Enttäuschungen und Ereignisse, die jeder erlebt hatte, nun im zweiten Anlauf jeder etwas hätte besser machen wollen. Aber das war gar nicht der Fall.

Rechts auf dem Bild sitzt Martin Walter Ruf zwischen Walter Meskat und Heiner Grube. Er zeigte sich immer noch als der ruhige, überlegene Denker, der er schon damals war.

So saßen wir nun alle zusammen. Wir fragten uns gegenseitig aus, wie viele Kinder wir hätten, welche Autos wir führen und welchen Hobbys wir frönten.
Natürlich drehten sich auch viele Gespräche um Alfred Merges, der schon in der Studienzeit einen tödlichen Unfall erlitten hatte, und um Winfried Garthoff und Gert Trube, die beide in den letzten Jahren an Krebs gestorben waren. Da bereuten wir es doch ein wenig, uns nicht schon früher getroffen zu haben und schworen uns, dass die Abstände jetzt deutlich kürzer sein müssten.
Wir kamen gar nicht dazu, aus den Menükarten etwas auszuwählen, weil so viel Gesprächsstoff da war. Die Kellnerin musste uns ermahnen, endlich zu bestellen. Gebannt hörten wir zu, wenn Walter Meskat uns seinen Werdegang erzählte. In der von ihm gewohnten bildreichen Sprache schilderte er uns Erlebnisse und Begegnungen mit Politikern und Unternehmern. Nur sein damals so prägnanter Kurkölscher Akzent war einer beredten Dormagener Normalsprache gewichen.
Jedenfalls haben wir alle herzhaft gelacht, zumal einige Episoden aus der Schulzeit die Szenerie lautmalerisch ergänzten.
Nach dem Essen bildeten sich immer wieder andere Gruppen, weil jeder von den anderen wissen wollte, wie es ihnen ergangen war. Wir lauschten den Geschichten und sahen die letzten vierzig Jahre immer unter neuen Perspektiven. Je länger wir miteinander redeten, um so deutlicher stellte sich heraus, dass wir uns eigentlich gar nicht so sehr verändert hatten.
Älter waren wir alle geworden, aber das Timbre in der Stimme, die Ausdrucksweise und das Temperament waren jedem geblieben. Man spürte förmlich die alte Vertrautheit wieder. Wir waren uns nicht fremd geworden. Es blieb allerdings auch nicht aus, dass man manchmal nachdenklich oder auch ein wenig wehmütig wurde, wenn man daran erinnert wurde, wie schnell die Jahre vergangen waren und man sich fragte, wo sie geblieben waren.
Links auf dem Bild sind Rolf-Peter Habbig und Axel Jens beim Gespräch zu später Stunde zu sehen. Axel hatte den Beginn des Abends mit wohlgesetzten Worten in alter Klassensprechermanier eingeleitet.
Beeindruckend auch die Rede von Herrn Spanke, der uns zum ersten Mal damit deutlich machte, wie jung er doch zu jener Zeit noch gewesen war. Wir hatten das damals nicht so gesehen; jetzt wurde uns das aber plötzlich bewusst durch den heutigen relativ geringen Altersunterschied zwischen ihm und uns.
Wir nahmen ihm das Bekenntnis ab, dass er uns alle nach seinen Vorstellungen, die er damals gehabt hätte, erzogen und ausgebildet hätte. "Es sei durchaus möglich, dass er den einen oder anderen Fehler gemacht hätte, weil schließlich jeder ein anderes Individuum sei und eine bestimmte Art der Erziehung brauche," sagte er. Wir glaubten ihm und waren einhellig der Meinung, dass er es für die damalige Zeit richtig gemacht hätte, auch wenn er immer "Ruhe jetzt!" gesagt hatte, wenn er in die Klasse kam, obwohl alles mucksmäuschenstill war.
Ein Highlight des Abends war das Fotoalbum, das Herr Spanke zu diesem Treffen mitgebracht hatte. Zuerst wussten wir gar nicht, woher er die vielen Fotos hatte, dann erinnerte er daran, dass wir ihm dieses Album mit den Erinnerungen an die Klassenfahrten einmal geschenkt hatten. Der Reihe nach wanderten wir in die Fensternische, um in Ruhe die alten Fotos  anzuschauen und die Situationen wiederzuerleben.
Im Laufe des Abends fiel mir auf, wie viele aus unserer Klasse doch Lehrer geworden waren: Rolf-Peter Habbig unterrichtete am Gymnasium in Neuss-Norf, Viktor Pilarczyk erteilte Mathematik und Sport an einer Realschule im Saarland, Dieter Schmitz Latein und Psychologie in Saarbrücken; Heiner Grube war Lehrer an einem Berliner Gymnasium,  Hanstheo Am Zehnhoff im Westerwald, Theo Schwakenberg in einem kleinen Ort bei Münster und ich selbst an einer Gesamtschule in Krefeld . Das hätte keiner gedacht. Zwei Ärzte waren aus unserer Klasse hervorgegangen: Dr. Wolfgang Kreutzer als Zahnarzt und Dr. Hermann-Josef Heyers als Internist. Dazu vier Juristen: Winfried Garthoff, Gert Trube, Michael Peter und Axel Jens . Die Exoten waren Walter Meskat als Politiker und Heribert Meurer als Pfarrer, vielleicht auch noch Frank de Reus als Bibliothekar. Ganz klar war für uns der Werdegang von Dr. Martin-Walter Ruf als Wissenschaftler; was ist wohl aus Peter Fritz Wunderlich geworden, den wir so gern gefunden und wiedergesehen hätten?

Erst nach Mitternacht verabschiedete sich Viktor Pilarczyk, was bewies, wie gut es ihm gefallen hatte. Es war viertel vor Zwei, als wir die Runde auflösten (Die Kellnerinnen waren waren wahrscheinlich froh, dass sie endlich ins Bett konnten.). Übrigens erstaunlich, wie frisch noch alle waren und wie wenig eigentlich getrunken wurde. Das zeigt doch, wie stilvoll so eine alte Herrenrunde den 40. Jahrestag des Abiturs feiern kann...

Herrn Spanke hat es jedenfalls auch gut gefallen - und sein Wunsch wurde eigentlich an diesem Abend schon von allen geteilt:

Das nächste Klassentreffen sollten wir nicht mehr 40 Jahre auf sich warten lassen!

 

Bilder zum Download und zum Ausdrucken:
Die oben gezeigten Fotos sind natürlich nicht von optimaler Qualität, weil ich sie für die Webseite  in der Auflösung stark reduzieren musste. Manchmal habe ich auch etwas weggeschnitten. Ich habe deshalb hier nochmals alle Bilder als Original zum Download bereitgestellt. Wer sie herunterladen möchte, kann sie dann für den eigenen Ausdruck optimieren:
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Ich wünsche allen viel Spaß beim Betrachten der Bilder und den alten Erinnerungen, die dabei wach werden!

Paul Tresselt

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Letzte Bearbeitung dieser Seite am 30.04.18

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