Zahlen und Daten zur Schulstrukturdebatte

Durch die PISA- und IGLU - Untersuchungen sind oft andere Länder zum Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland herangezogen worden. Auf dieser Seite habe ich deshalb aktuelle Zahlen und Daten aus Europa gesammelt, die für einen solchen Vergleich von Interesse sind.
Manche Zahlen sind aktuell, manche etwas älter; damit muss man sich leider abfinden, denn nicht alle Statistiken werden prompt veröffentlicht.
Im Mai 2008 führte das Institut der deutschen Wirtschaft eine Befragung in 12072 Betrieben durch, um die Ausbildungsreife der Berufsanfänger zu ermitteln. Das Ergebnis war niederschmetternd: Die jungen Leute sind schlecht gerüstet für das Berufsleben; fast 60% der Betriebe bemängeln, dass die Jugendlichen über schlechtes mündliches wie schriftliches Ausdrucksvermögen verfügen und Schwächen in den elementaren Rechenfertigkeiten aufweisen. Leistungsbereitschaft, Motivation und Disziplin lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Es ist in der Tat so, dass die Hauptschulabgänger nur zur Hälfte einen Ausbildungsplatz finden. der Rest wird in die Arbeitslosigkeit entlassen. Von daher müsste man in der Tat fordern, dass die Hauptschule abgeschafft werden muss.
Im August 2011 schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft, dass es endlich mit dem Bildungssystem aufwärts geht: die Kinder und Jugendlicher werden besser gefördert, die Zahl der Schulabbrecher sinkt und die Studentenzahlen steigen. Ich sehe das etwas kritischer, weil diese positiven Tendenzen auch vor allem dadurch zustande gekommen sind, dass die Anforderungen gesenkt wurden.
Alter, mit dem die Kinder in den einzelnen EU-Ländern eingeschult werden:   Dauer der Schulzeit bis zur Hochschulreife

 

Land

Beginn der Schulpflicht

tatsächliches Alter beim Übertritt in den Primarbereich
(Schuljahr 1999/2000)

Belgien

6

6

Dänemark

7

7

Deutschland

6

   6,6

Finnland

7

7

Frankreich

6

6

Griechenland

6

6

Irland

6

5

Italien

6

6

Luxemburg
(Beginn der GS  mit 6 Jahren)

4

6

Niederlande
(freiwilliges 1. Jahr in der GS)

5

4

Österreich

6

6

Portugal

6

6

Schweden

7

7

Spanien

6

6

Vereinigtes Königreich
          England/Wales

5

5

Nordirland

4

 

Schottland

5

 

Stand: Schuljahr 2000/2001

Land

Anzahl der Jahre vom Beginn der Schulpflicht bis zum Erwerb eines Abschlusses an allgemein bildenden Schulen des Sekundarbereichs II•

Belgien

12

Dänemark

12

Deutschland

12/13

Finnland

12

Frankreich

12

Griechenland

12

Irland

12

Italien

13

Luxemburg

15

Niederlande.

13

Österreich

12

Portugal

12

Schweden

12

Spanien

12

Vereinigtes Königreich
    England
    Wales
    Nordirland

13/14

    Schottland

13

Angebot an Ganztagsschulen

Dauer der Grundschulzeit

Land

Ganztagsschulen flächendeckend bzw. als Regelangebot

Belgien

ja, Mittwochnachmittag geschlossen

Dänemark

ja

Deutschland

nein (Angebot nach Ländern unterschiedlich)

Finnland

 

Frankreich

ja, Mittwochnachmittag geschlossen

Griechenland

nein

Irland

ja

Italien

nur in einigen Schulbezirken

Luxemburg

6-Tage-Woche, täglich abwechselnd ganztags und halbtags

Niederlande

ja, Mittwochnachmittag in der Regel geschlossen

Österreich

nein

Portugal

nein

Schweden

ja, Entscheidung über tägl. Schuldauer liegt bei der Schule (max. 6 - 8 Stunden je nach Jahrgangsstufe)

Spanien

ja

Vereinigtes Königreich
    England, Wales
    Nordirland

ja

    Schottland

ja

(Quelle: Zeitschrift SchulVerwaltung NRW, Nr. 1/2003

Stand: Schuljahr 2000/2001

Land

Anzahl der Schuljahre

Belgien

6

Dänemark

einheitlicher Bildungsgang Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9)

Deutschland

4

Finnland

einheitlicher Bildungsgang Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9)

Frankreich

5

Griechenland

6

Irland

6

Italien

5

Luxemburg

6

Niederlande

7

Österreich

4

Portugal

einheitlicher Bildungsgang Primarstufe und Sekundarstufe I; davon:
 4 Jahre 1. ciclo,
 2 Jahre 2. ciclo,
 3 Jahre
3. ciclo

Schweden

einheitlicher Bildungsgang Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9)

Spanien

6

Vereinigtes Königreich

England/Wales

6

Nordirland

7

Schottland

7

Der Anteil von Kindern, die eine Kindertagesstätte besucht haben, ist deutlich gestiegen. Das zahlt sich aus, denn wer den Kindergarten besucht hat, hat auch später bessere Noten und damit auch bessere Chancen für den Arbeitsmarkt. Das ist statistisch erwiesen. Gleichfalls ist die Zahl der Grundschulen stark angestiegen, die als Ganztagsschulen geführt werden.  Das muss zwar nicht unbedingt bessere Leistungen erbringe, macht sich aber bei den bildungsfernen Schichten positiv bemerkbar. Allein in Berlin ist der Anteil von Ganztagsgrundschulen von 2002 bis zum Jahre 2009 von 22% auf 72 % gestiegen.

Anteil der Sonderschüler(innen)

Für die Konstruktion eines neuen Schulsystems ist es immer wichtig zu wissen, was man mit den Sonderschülern macht. Die rot-grüne Landesregierung in NRW hat ja die Sonderschulen in Förderschulen umbenannt und will alle Förderschulen auflösen und die Schülerinnen und Schüler in das normale Schulsystem integrieren. Ist das machbar?

Nach Angabe des LDS ist der Anteil der Sonderschüler in NRW auf 5,3% gestiegen.

 

Merkmal

Schüler in der Primarstufe und der Sekundarstufe I
der allgemein bildenden Schulen NRWs
(ohne freie Waldorfschulen und Weiterbildungskollegs)

Schuljahr

1998/99 1999/00 2000/01 2001/02
2002/03
 
Schüler(innen) insgesamt 2 056 800 2 071 300 2 084 700 2 090 900 2 098 100
Sonderschüler(innen)      94 300     98 300 102 900 107 100 111 400
Anteil 4,6% 4,7% 4,9% 5,1% 5,3%
Sonderschüler(innen)          
männlich 60 600 63 200 66 500 69 400 71 900
weiblich 33 700 35 000 36 400 37 700 39 500
ausländisch 19 800 20 400 21 700 22 800 24 200
Anteil an allen ausländischen
Schüler(innen)
7,0% 7,2% 7,5% 7,9% 8,3%
Sonderschüler(innen) in          
Sonderschulen 88 400 91 100 94 700 98 400 102 000
Regelschulen integriert 5 800 7 200 8 200 8 700 9 400

Quelle: LDS NRW Jan. 2003

9 400 Sonderschüler(innen) - also mehr als jede(r) zwölfte - sind an einer Regelschule im Rahmen sonderpädagogischer Fördergruppen oder im gemeinsamen Unterricht zusammen mit Regelschülerinnen und -schülern (Integrationsklassen) integriert. Die übrigen 102 000 Schüler(innen) mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine Sonderschule; hier ist nahezu jede(r) Zweite (50 400) als Lernbehinderte(r) und etwa jede(r) Neunte (11 000) als Erziehungsschwierige(r) eingestuft.
Die Zahl der Sonderschüler ist in Deutschland von 1993 bis heute immer weiter angestiegen. Einen genauen Überblick erhalten Sie im Übrigen durch die Statistik der KMK, die am 3.2.2004 neue Daten zur Entwicklung der sonderpädagogischen Förderung in Schulen in den Jahren 1993 bis 2002 veröffentlicht wurde. Viele Zusammenfassungen können Sie abrufen unter http://www.kmk.org
. Dort finden Sie auch einen weiterführenden Link zur Dokumentation 170, die alle zusätzlichen Daten enthält.

Durch die UN-Konvention über die Rechte für Menschen mit Behinderungen ist eine entscheidende Veränderung eingetreten, denn nach der UN-Generalversammlung im Jahre 2006 haben sich 80 von 192 Staaten bereiterklärt, das Fakultativprotokoll umzusetzen und dafür zu sorgen, dass Behinderung nicht mehr als individueller Mangel angesehen wird, sondern dass Menschen mit Behinderungen wertzuschätzen sind und Behinderung als Teil der menschlichen Vielfalt angesehen wird. Daraufhin wurde dann von Deutschland am 26. März 2009 die Konvention übernommen und als verbindlich erklärt, sodass sich inzwischen der Grundsatz der Inklusion durchgesetzt hat. Ausführliche Hinweise dazu finden Sie auf meiner Webseite zur Inklusion.

Schulformwechsel

Bei der PISA-Untersuchung wurde festgestellt, dass Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, in denen sehr früh am Ende der Grundschulzeit über die Schullaufbahn entschieden wird. So ist es nicht verwunderlich, dass falsche Laufbahnentscheidungen dazu führen, dass ein großer Teil dieser Schülerinnen und Schüler anschließend wieder in andere Schulformen wechselt. Vielfach wird den Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern dies zur Last gelegt; es ist aber offensichtlich, dass die Eltern oft gegen den Rat der Grundschule eine andere Schulform wählen.
Für ein neues Schulsystem wäre es wichtig, dies zu vermeiden.
 


 

Am schlimmsten darunter zu leiden hat die Hauptschule, denn sie bekommt im 7. Schuljahr einen enormen Schwung von Rückläufern aus den Realschulen und dem Gymnasium zurück. Für die meisten Schüler handelt es sich immer um einen Schulformabstieg; selten um einen Aufstieg. Die genauen Zahlen sind jedes Jahr aus der amtlichen Oktoberstatistik zu entnehmen.
 

Schulwahlverhalten der Eltern

Das Schulwahlverhalten der Eltern ändert sich im Laufe der Jahre. Während noch in den 70er Jahren mehr als die Hälfte aller Schüler die Hauptschule besuchte, sind es in NRW im Schuljahr 2008/2009  gerade mal 14,5%. Das schleichende Sterben der Hauptschule lässt sich auch nicht dadurch verhindern, dass man eine Ganztagsoffensive startet. Die Politiker sollten der Wahrheit ins Gesicht sehen. Die sieht nämlich so aus, dass im Jahre 2008 37 Hauptschulen vor der Schließung stehen, wobei 5 davon Ganztagsschulen sind. Die Eltern haben sich einfach von dieser Schulform abgewendet und sich Schulformen zugewendet, die eine bessere Bildung versprechen und einen höheren Bildungsabschluss anbieten. Das ist völlig natürlich, denn Eltern versuchen immer, ihren Kindern einen Schulabschluss zu vermitteln, der ihnen den gesellschaftlichen Status verspricht, den sie zur Zeit selbst inne haben.
Diesen Trend kann auch die Politik nicht dadurch verhindern, dass sie versucht, den Elternwillen zu beschneiden. Der Zugang zu den Hauptschulen wäre noch niedriger, wenn im Jahre 2008 die nordrhein-westfälischen Gesamtschulen alle Schüler aufgenommen hätten, die sich bei ihnen angemeldet hatten. Etwa 14 000 Schülerinnen und Schüler mussten abgewiesen werden, weil keine Raumkapazitäten vorhanden waren.

 Veränderung der Übergangsquoten zu den weiterführenden Schulen in NRW
 

Schuljahr

1970/71

1980/81

1990/91

2000/01

2008/09

2009/10 2010/11

HS

59,6%

41,9%

25,4%

18,9%

14,5%

13,3%  

RS

20,4%

22,1%

23,9%

29,4%

28,4%

29,0%  

GY

25,4%

29,6%

36,1%

35,0%

38,5%

38,7%  

GE

1,3%

3,0%

14,2%

15,9%

17,9%

18,2%  

Sonstige

k.A

k.A.

k.A.

0,8 %

0,7 %

0,8%  

An diesem Trend wird sich trotz aller Anstrengungen der Politiker nichts ändern. Deshalb ist es in meinen Augen eine wichtige Grundlage für eine neue Schulstruktur.

Sitzenbleiben, Versetzung  und Nichtversetzung

Seit den schlechten PISA-Ergebnissen wird in Deutschland verstärkt über das Sitzenbleiben diskutiert. Es zeigte sich nämlich, dass kaum irgendwo so viele Schülerinnen und Schüler sitzen bleiben wie bei uns.
Allerdings ist die Sitzenbleiberquote in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen - auch nachdem das Ministerium eine neue Initiative " Komm mit! Fördern statt Sitzenbleiben" gestartet hatte.


Quelle: Schule NRW 06/09

Hier die neuen Zahlen von 2010:

2009/10 2,4% 4,4% 3,4% 1,2% 1,3%

Das Projekt soll noch weiter ausgedehnt werden. Schulen, die sich daran beteiligen, erhalten 0,3 Lehrerstellen zusätzlich.

Sitzenbleiber im europäischen Vergleich (Zahlen von 2003)

Land

Prozentsatz

Anmerkungen

Belgien

Primarbereich: ca. 4 % (Schuljahr 1998/99)
Sekundarbereich:
liegt nicht vor

Versetzung ist leistungsabhängig; Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse wiederholen, werden gesondert gefördert (andere Organisation der Lernsituationen, Berücksichtigung der bereits erworbenen Kenntnisse); Wiederholen in der Grundschule ist max. zweimal erlaubt; die ersten beiden Jahre des Sekundarbereichs müssen in max. 3 Jahren absolviert werden

Dänemark

0 %

automatische Versetzung

Deutschland

Grundschule: 1,9 %
Sek.l-Bereich: 4,2 %
Sek. 1-Bereich; liegt
nicht vor

Zahlen einschließlich der freiwilligen Wiederholer;
Sekundarbereich I ohne Gesamtschule, Sonderschule und Waldorfschule (NRW:
Gesamtschule Sek.l: 1,7 %
Gesamtschule Sek.ll: 5,9 %
Gymnasium Sek.II: 3,3 %)

Finnland

insgesamt: 0,5 %
Klasse 1, 2 u. 9:
ca. 1 %

Versetzung ist leistungsabhängig, Wiederholung jährlich möglich, Jungen wiederholen häufiger als Mädchen

Frankreich

liegt nicht vor'

Wiederholung eines Jahres nur am- Ende eines cycle (Dauer 1 - 3 Jahre) möglich

Griechenland

Primarbereich:
0,77% (2000/2001)
Sekundarbereich:
liegt noch nicht vor

Versetzung ist leistungsabhängig; auch -längere Abwesenheit (mehr als 50 % des Schuljahres) führt zur Wiederholung. Versetzung ist leistungsabhängig; große  Fehlstundenzahl (114 bis 204) und schlechte Leistungen haben Nichtversetzung oder Nachprüfung zur Folge

Irland

0 %

automatische Versetzung bis auf wenige Ausnahmen

Italien

liegt nicht vor

Versetzung leistungsabhängig, Wiederholen ist jedoch selten

Luxemburg

liegt nicht vor

Versetzung leistungsabhängig, Wiederholen ist in der Sekundarstufe wesentlich häufiger als in der Grundschule und meist mit einem Schulartwechsel verbunden

Niederlande

Primarbereich: liegt
nicht vor
Sekundarbereich:
5 % (einschließlich
der Schulartwechsler
(1999)

Versetzung ist leistungsabhängig, Wechsel der Schulart nach zweimaligem Sitzenbleiben in der gleichen Klasse

Österreich

1,85 % (1999/2000)

Versetzung ist leistungsabhängig; Wiederholen ist in jeder Jahrgangsstufe möglich und im Gymnasium (AHS) häufiger als in Grund- und Hauptschule

Portugal

12,8 % gesamtes Schulwesen (1996/97)

Versetzung leistungsabhängig ab dem Ende des 2. ciclo; Wiederholung in 1. ciclo nur in Ausnahmefällen

Schweden

0 %

automatische Versetzung außer in extrem seltenen Fällen (Entscheidung durch Schulleiter und Eltern), mangelhafte Leistungen in einem Fach führen zu einer schriftlichen Leistungsbeschreibung an Stelle einer Note

Spanien

Primarbereich:1,76 %
Sekundar-Bereich:
 8,96 % (1998/99)
ohne Andalusien)

Versetzung ist leistungsabhängig, Wiederholen einer Jahrgangsstufe ist nur am Ende eines der 2-jährigen ciclo möglich, max. dreimal in der gesamten Schullaufbahn. (Spanien plant, das Wiederholen einer Jahrgangsstufe am Gymnasium (bachillerato) einzuführen)

Vereinigtes Königreich
   England
   Wales und
   Nordirland

0 %

automatische Versetzung, Förderung der Schüler zum Erreichen des angestrebten Leistungsstandards

Schottland

0 %

automatische Versetzung, mangelhafte Leistungen beeinflussen jedoch die Wahlmöglichkeiten des Schülers/der Schülerin im folgenden Jahr

(Quelle: Zeitschrift SchulVerwaltung NRW Nr. 1/2003)
 

Schulabbrecher

Schlimm ist in Deutschland auch das fehlende Durchhaltevermögen der Schüler und Studenten. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln veröffentlichte im Juli 2003 die Zahlen von 2001. Fast 430.000 Jugendliche beendeten 2001 die Schule, die Lehre oder das Studium, ohne ein Abschlusszeugnis, einen Gesellenbrief oder ein Diplom in der Tasche zu haben.
Damit erreicht knapp jeder sechste Abgänger nicht das angestrebte Ausbildungsziel:

Schulabbrecher. Im Schuljahr 2000/2001 verließen 88.500 Jugendliche eine allgemein bildende Schule ohne Abschluss – fast ein Zehntel aller Schulabsolventen. Etwa zwei Drittel der Drop-outs sind männlich. Jeder fünfte Abbrecher ist ein ausländischer Jugendlicher. In Ostdeutschland hatten 12 Prozent der Abgänger kein Abschlusszeugnis, im Westen waren es knapp 9 Prozent.
Ausbildungsabbrecher. Im Jahr 2001 wurde gut jeder vierte neu abgeschlossene Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Besonders viele sind es im Handwerk, weniger hingegen in kaufmännischen Berufen und beim Staat. Jeweils etwa ein Viertel der gelösten Verträge fällt in die dreimonatige Probezeit und das restliche erste Lehrjahr, die andere Hälfte der Abbrecher schmeißt die Lehre später. Meist kündigen die Azubis aufgrund von Konflikten mit den Ausbildern, gesundheitlichen Problemen oder familiären Veränderungen. Jeder zweite Abbrecher setzt die Lehre in einem anderen Betrieb fort. Nur etwa 8 bis 9 Prozent geben die Ausbildung komplett dran.
Studienabbrecher. Schätzungsweise ein Viertel der Studienanfänger verlässt die Uni ohne Examen. In den Sozial-, aber auch in den Sprach- und Kulturwissenschaften werfen vier von zehn Studenten endgültig das Handtuch. Dem Bauingenieurwesen, der Informatik, der Geographie oder den Wirtschaftswissenschaften sagt jeder dritte Studienstarter wieder ade. Die angehenden Ärzte beweisen mehr Durchhaltevermögen, wenn sie die hohen Zulassungshürden erst einmal überwunden haben. Gut 90 Prozent der Mediziner in spe beenden ihr Studium mit Erfolg.
Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln veröffentlichte im April 2008 die Abbrecherquoten für 2006. Die Zahlen sind zwar zurückgegangen, aber immer noch alarmierend hoch.
Alarmierend ist vor allem, dass 119.400 Jugendliche ihre berufliche Ausbildung abgebrochen haben. Insgesamt wurden 20% aller Ausbildungsverträge gelöst. Ebenso viele Studenten brachen ihr Studium ab.

In der Grafik auf der linken Seite sehen Sie die Zusammenfassung des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Juli 2010, die auf den Zahlen von 2008 basiert. Das Problem beginnt schon in der Grundschule oder bei der individuell fehlenden Frühförderung und zieht sich durch das gesamte Leben der Jugendlichen  und jungen Erwachsenen hin.

Am Ende der Sekundarstufe I sind immer noch 20% aller Schülerinnen und Schüler nicht reif für eine Berufsausbildung, weil sie entweder keinen formalen Abschluss haben oder ihre Grundkenntnisse im Rechnen und Schreiben unzureichend sind.

Die Situation ändert sich auch nicht, wenn die Jugendlichen eine Ausbildung machen: Fast 140 000 Auszubildende haben Ihre duale Ausbildung abgebrochen und fast ebenso viele haben die Ausbildung oder Berufsvorbereitung in einer beruflichen Schule abgebrochen.
Vielfach versuchen die Abbrecher, in einem anderen Ausbildungsgang Fuß zu fassen.

Noch schlimmer ist es bei den Studenten: 27,5% aller Studenten, die 1999 ihr Studium aufgenommen hatten, haben bis zum Jahre 2008 das Studium abgebrochen.

 
Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss konnte in den letzten Jahren etwas reduziert werden. Anscheinend haben die Bemühungen in den einzelnen Bundesländern nach dem PISA-Schock 2000 Früchte getragen.

Allerdings muss das Ergebnis auch differenziert betrachtet werden:
In den ostdeutschen Bundesländern ist der Rückgang wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass durch die drastisch gesunkenen Schülerzahlen auch deutlich mehr Lehrerstellen zur Verfügung standen. Die Klassenfrequenzen konnten gesenkt werden und die Lehrerinnen und Lehrer hatten einfach mehr Zeit, sich um ihre Schülerinnen und Schüler zu kümmern.
Andererseits wurden inzwischen viele Angebote gemacht, die den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten eröffnen, auf anderem Wege den Schulabschluss nachzuholen oder die Schulzeit zu verlängern. Damit wurden die Noten aber nicht unbedingt besser.
Ob die Qualität der Abschlüsse gestiegen ist, mag dahingestellt sein, denn Jugendliche mit schlechten Abschlusszeugnissen bekommen derzeit ohnehin keinen Job. Die Länder bieten für solche Jugendliche Lehrgänge und besondere Praktika an, in denen sie sich nachqualifizieren können. Das kostet alles sehr viel Geld und man sollte überlegen, ob man diese Summen nicht bereits vorher in besseren Unterricht und kleinere Klassen investiert, damit die individuelle Förderung auch erfolgreich durchgeführt werden kann.

Schulabgänger ohne Abschluss
(Angaben in %)

Bundesländer 2000 2007 2009
Baden-Württemberg 8,0 5,8 5,5
Nordrhein-Westfalen 6,1 6,5 6,4
Bayern 9,0 6,9 6,3
Thüringen 12,6 7,0 6,8
Saarland 10,5 7,4 6,8
Bremen 8,9 7,4 6,6
Rheinland-Pfalz 9,6 7,4 7,0
Niedersachsen 10,1 7,6 7,5
Sachsen-Anhalt 12,3 7,7 10,5
Hessen 10,2 7,9 6,3
Sachsen 12,0 8,4 8,6
Schleswig-Holstein 10,4 8,6 8,5
Berlin 12,3 9,4 9,2
Brandenburg 8,9 9,8 9.5
Hamburg 12,4 10,3 8,2
Mecklenburg-Vorpommern 10,9 10,4 9,8
(Quelle: iwd 19.3.2009 und 22.7.2010)

Migrantenkinder

Inzwischen hat ein Vierteil der Schülerinnen und Schüler in NRW einen Migrationshintergrund. Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 sah die Verteilung der Migrantenkinder in den einzelnen Schulformen so aus:

Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium
38% 25% 32% 12%

Das bedeutet natürlich auch einen überproportionalen Einsatz der Lehrkräfte an der Hauptschule. Es gibt in den Ballungsräumen Hauptschulen mit über 80% Anteil von Migrantenkindern.


Demografischer Wandel bei den Schülerzahlen

Das Schulministerium hat die Zahl der Kinder an Grundschulen in NRW  für die kommende Jahren vorausberechnet; danach sind die Schülerzahlen an Grundschulen stark rückläufig:

Schuljahr 2011/12 655650
Schuljahr 2012/13 654510
Schuljahr 2013/14 649800
Schuljahr 2014/15 652930
Schuljahr 2015/16 638080
Schuljahr 2016/17 623490
Schuljahr 2017/18 609080
Schuljahr 2018/19 595200
Schuljahr 2019/20 593370

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Das Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlicht in seinen Informationsdiensten regelmäßig aktuelle Zahlen und Daten zur Schul- und Bildungspolitik www.iwkoeln.de
   

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