Zahlen und Daten zur Schulstrukturdebatte
Durch die PISA- und IGLU - Untersuchungen sind oft
andere Länder zum Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland
herangezogen worden. Auf dieser Seite habe ich deshalb aktuelle Zahlen und
Daten aus Europa gesammelt, die für einen solchen Vergleich von Interesse sind.
Manche Zahlen sind aktuell, manche etwas älter; damit muss man sich
leider abfinden, denn nicht alle Statistiken werden prompt
veröffentlicht. |
| Im Mai 2008 führte das Institut der deutschen Wirtschaft eine Befragung in
12072 Betrieben durch, um die Ausbildungsreife der Berufsanfänger zu
ermitteln. Das Ergebnis war niederschmetternd:
Die jungen Leute sind schlecht gerüstet für das Berufsleben; fast 60%
der Betriebe bemängeln, dass die Jugendlichen über schlechtes mündliches
wie schriftliches Ausdrucksvermögen verfügen und Schwächen in den
elementaren Rechenfertigkeiten aufweisen. Leistungsbereitschaft,
Motivation und Disziplin lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Es ist in
der Tat so, dass die Hauptschulabgänger nur zur Hälfte einen
Ausbildungsplatz finden. der Rest wird in die Arbeitslosigkeit
entlassen. Von daher müsste man in der Tat fordern, dass die Hauptschule
abgeschafft werden muss. |
| Im August 2011 schreibt das Institut der deutschen
Wirtschaft, dass es endlich mit dem Bildungssystem aufwärts geht: die
Kinder und Jugendlicher werden besser gefördert, die Zahl der
Schulabbrecher sinkt und die Studentenzahlen steigen. Ich sehe das etwas
kritischer, weil diese positiven Tendenzen auch vor allem dadurch
zustande gekommen sind, dass die Anforderungen gesenkt wurden. |
| Alter, mit dem die
Kinder in den einzelnen EU-Ländern eingeschult werden: |
Dauer der
Schulzeit bis zur Hochschulreife |
|
|
|
Land |
Beginn der Schulpflicht |
tatsächliches
Alter beim Übertritt
in den Primarbereich
(Schuljahr 1999/2000) |
|
Belgien |
6 |
6 |
|
Dänemark |
7 |
7 |
|
Deutschland |
6 |
6,6 |
|
Finnland |
7 |
7 |
|
Frankreich |
6 |
6 |
|
Griechenland |
6 |
6 |
|
Irland |
6 |
5 |
|
Italien |
6 |
6 |
|
Luxemburg
(Beginn der GS mit 6 Jahren) |
4 |
6 |
|
Niederlande
(freiwilliges 1. Jahr in der GS) |
5 |
4 |
|
Österreich |
6 |
6 |
|
Portugal |
6 |
6 |
|
Schweden |
7 |
7 |
|
Spanien |
6 |
6 |
|
Vereinigtes
Königreich
England/Wales |
5 |
5 |
|
Nordirland |
4 |
|
|
Schottland |
5 |
|
|
|
Stand: Schuljahr 2000/2001 |
|
Land |
Anzahl der
Jahre vom
Beginn der Schulpflicht bis zum Erwerb eines Abschlusses an allgemein
bildenden Schulen des Sekundarbereichs II• |
|
Belgien |
12 |
|
Dänemark |
12 |
|
Deutschland |
12/13 |
|
Finnland |
12 |
|
Frankreich |
12 |
|
Griechenland |
12 |
|
Irland |
12 |
|
Italien |
13 |
|
Luxemburg |
15 |
|
Niederlande. |
13 |
|
Österreich |
12 |
|
Portugal |
12 |
|
Schweden |
12 |
|
Spanien |
12 |
|
Vereinigtes
Königreich
England
Wales
Nordirland |
13/14 |
|
Schottland |
13 |
|
Angebot an Ganztagsschulen
|
Dauer der Grundschulzeit
|
|
Land |
Ganztagsschulen flächendeckend
bzw. als Regelangebot |
|
Belgien |
ja, Mittwochnachmittag geschlossen |
|
Dänemark |
ja |
|
Deutschland |
nein (Angebot nach Ländern
unterschiedlich) |
|
Finnland |
|
|
Frankreich |
ja, Mittwochnachmittag geschlossen |
|
Griechenland |
nein |
|
Irland |
ja |
|
Italien |
nur in einigen Schulbezirken |
|
Luxemburg |
6-Tage-Woche, täglich abwechselnd
ganztags und halbtags |
|
Niederlande |
ja, Mittwochnachmittag in der
Regel geschlossen |
|
Österreich |
nein |
|
Portugal |
nein |
|
Schweden |
ja, Entscheidung über tägl.
Schuldauer liegt bei der Schule (max. 6 - 8 Stunden je nach
Jahrgangsstufe) |
|
Spanien |
ja |
|
Vereinigtes Königreich
England, Wales
Nordirland |
ja |
|
Schottland |
ja |
(Quelle: Zeitschrift SchulVerwaltung NRW, Nr. 1/2003 |
|
Stand: Schuljahr
2000/2001 |
|
Land |
Anzahl der Schuljahre |
|
Belgien |
6 |
|
Dänemark |
einheitlicher Bildungsgang
Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9) |
|
Deutschland |
4 |
|
Finnland |
einheitlicher Bildungsgang
Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9) |
|
Frankreich |
5 |
|
Griechenland |
6 |
|
Irland |
6 |
|
Italien |
5 |
|
Luxemburg |
6 |
|
Niederlande |
7 |
|
Österreich |
4 |
|
Portugal |
einheitlicher Bildungsgang
Primarstufe und Sekundarstufe I; davon:
4 Jahre 1. ciclo,
2 Jahre 2. ciclo,
3 Jahre 3. ciclo |
|
Schweden |
einheitlicher Bildungsgang
Primarstufe und Sekundarstufe I (insgesamt 9) |
|
Spanien |
6 |
|
Vereinigtes Königreich
England/Wales |
6 |
|
Nordirland |
7 |
|
Schottland |
7 |
|
|
Der Anteil von Kindern, die eine Kindertagesstätte
besucht haben, ist deutlich gestiegen. Das zahlt sich aus, denn wer den
Kindergarten besucht hat, hat auch später bessere Noten und damit auch
bessere Chancen für den Arbeitsmarkt. Das ist statistisch erwiesen.
Gleichfalls ist die Zahl der Grundschulen stark angestiegen, die als
Ganztagsschulen geführt werden. Das muss zwar nicht unbedingt
bessere Leistungen erbringe, macht sich aber bei den bildungsfernen
Schichten positiv bemerkbar. Allein in Berlin ist der Anteil von
Ganztagsgrundschulen von 2002 bis zum Jahre 2009 von 22% auf 72 %
gestiegen. |
Anteil der Sonderschüler(innen)
Für die Konstruktion eines neuen Schulsystems ist es immer wichtig zu
wissen, was man mit den Sonderschülern macht. Die rot-grüne
Landesregierung in NRW hat ja die Sonderschulen in Förderschulen
umbenannt und will alle
Förderschulen auflösen und die Schülerinnen und Schüler in das normale
Schulsystem integrieren. Ist das machbar?
Nach
Angabe des LDS ist der Anteil der Sonderschüler in NRW auf 5,3% gestiegen. |
| |
|
Merkmal |
Schüler in der Primarstufe und der
Sekundarstufe I
der allgemein bildenden Schulen NRWs
(ohne freie Waldorfschulen und Weiterbildungskollegs) |
|
Schuljahr |
| 1998/99 |
1999/00 |
2000/01 |
2001/02 |
2002/03
|
| Schüler(innen) insgesamt |
2 056 800 |
2 071 300 |
2 084 700 |
2 090 900 |
2 098 100 |
| Sonderschüler(innen) |
94 300 |
98 300 |
102 900 |
107 100 |
111 400 |
| Anteil |
4,6% |
4,7% |
4,9% |
5,1% |
5,3% |
| Sonderschüler(innen) |
|
|
|
|
|
| männlich |
60 600 |
63 200 |
66 500 |
69 400 |
71 900 |
| weiblich |
33 700 |
35 000 |
36 400 |
37 700 |
39 500 |
| ausländisch |
19 800 |
20 400 |
21 700 |
22 800 |
24 200 |
Anteil an allen ausländischen
Schüler(innen) |
7,0% |
7,2% |
7,5% |
7,9% |
8,3% |
| Sonderschüler(innen) in |
|
|
|
|
|
| Sonderschulen |
88 400 |
91 100 |
94 700 |
98 400 |
102 000 |
| Regelschulen integriert |
5 800 |
7 200 |
8 200 |
8 700 |
9 400 |
Quelle: LDS NRW Jan. 2003
9 400 Sonderschüler(innen) - also mehr als jede(r)
zwölfte - sind an einer Regelschule im Rahmen sonderpädagogischer
Fördergruppen oder im gemeinsamen Unterricht zusammen mit
Regelschülerinnen und -schülern (Integrationsklassen) integriert. Die
übrigen 102 000 Schüler(innen) mit sonderpädagogischem Förderbedarf
besuchen eine Sonderschule; hier ist nahezu jede(r) Zweite (50 400) als
Lernbehinderte(r) und etwa jede(r) Neunte (11 000) als
Erziehungsschwierige(r) eingestuft.
Die Zahl der Sonderschüler ist in Deutschland von 1993 bis heute immer
weiter angestiegen. Einen genauen Überblick erhalten Sie im Übrigen durch
die Statistik der KMK, die am 3.2.2004 neue Daten zur Entwicklung der
sonderpädagogischen Förderung in Schulen in den Jahren 1993 bis 2002
veröffentlicht wurde. Viele Zusammenfassungen können Sie abrufen unter
http://www.kmk.org. Dort finden Sie auch einen weiterführenden Link zur
Dokumentation 170, die alle zusätzlichen Daten enthält.
Durch die UN-Konvention über die Rechte für Menschen mit
Behinderungen ist eine entscheidende Veränderung eingetreten, denn nach
der UN-Generalversammlung im Jahre 2006 haben sich 80 von 192 Staaten
bereiterklärt, das Fakultativprotokoll umzusetzen und dafür zu sorgen,
dass Behinderung nicht mehr als individueller Mangel angesehen wird,
sondern dass Menschen mit Behinderungen wertzuschätzen sind und
Behinderung als Teil der menschlichen Vielfalt angesehen wird. Daraufhin
wurde dann von Deutschland am 26. März 2009 die Konvention übernommen
und als verbindlich erklärt, sodass sich inzwischen der Grundsatz der
Inklusion durchgesetzt hat. Ausführliche Hinweise dazu finden Sie
auf meiner Webseite zur Inklusion.
|
Schulformwechsel
Bei der PISA-Untersuchung wurde festgestellt, dass Deutschland zu den
wenigen Ländern gehört, in denen sehr früh am Ende der Grundschulzeit über
die Schullaufbahn entschieden wird. So ist es nicht verwunderlich, dass
falsche Laufbahnentscheidungen dazu führen, dass ein großer Teil dieser
Schülerinnen und Schüler anschließend wieder in andere Schulformen
wechselt. Vielfach wird den Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern
dies zur Last gelegt; es ist aber offensichtlich, dass die Eltern oft
gegen den Rat der Grundschule eine andere Schulform wählen.
Für ein neues Schulsystem wäre es wichtig, dies zu vermeiden.
|
|

|
Am schlimmsten darunter zu leiden hat die Hauptschule,
denn sie bekommt im 7. Schuljahr einen enormen Schwung von Rückläufern aus
den Realschulen und dem Gymnasium zurück. Für die meisten Schüler handelt
es sich immer um einen Schulformabstieg; selten um einen Aufstieg. Die
genauen Zahlen sind jedes Jahr aus der amtlichen Oktoberstatistik zu
entnehmen.
|
Schulwahlverhalten der Eltern
Das Schulwahlverhalten der Eltern ändert sich im Laufe
der Jahre. Während noch in den 70er Jahren mehr als die Hälfte aller
Schüler die Hauptschule besuchte, sind es in NRW im Schuljahr 2008/2009
gerade mal 14,5%. Das schleichende Sterben der Hauptschule lässt sich
auch nicht dadurch verhindern, dass man eine Ganztagsoffensive startet.
Die Politiker sollten der Wahrheit ins Gesicht sehen. Die sieht nämlich
so aus, dass im Jahre 2008 37 Hauptschulen vor der Schließung stehen,
wobei 5 davon Ganztagsschulen sind. Die Eltern haben sich einfach von
dieser Schulform abgewendet und sich Schulformen zugewendet, die eine
bessere Bildung versprechen und einen höheren Bildungsabschluss
anbieten. Das ist völlig natürlich, denn Eltern versuchen immer, ihren
Kindern einen Schulabschluss zu vermitteln, der ihnen den
gesellschaftlichen Status verspricht, den sie zur Zeit selbst inne
haben.
Diesen Trend kann auch die Politik nicht dadurch verhindern, dass sie
versucht, den Elternwillen zu beschneiden. Der Zugang zu den
Hauptschulen wäre noch niedriger, wenn im Jahre 2008 die
nordrhein-westfälischen Gesamtschulen alle Schüler aufgenommen hätten,
die sich bei ihnen angemeldet hatten. Etwa 14 000 Schülerinnen und
Schüler mussten abgewiesen werden, weil keine Raumkapazitäten vorhanden
waren. |
Veränderung der Übergangsquoten zu den
weiterführenden Schulen in NRW
|
Schuljahr |
1970/71 |
1980/81 |
1990/91 |
2000/01 |
2008/09 |
2009/10 |
2010/11 |
|
HS |
59,6% |
41,9% |
25,4% |
18,9% |
14,5% |
13,3% |
|
|
RS |
20,4% |
22,1% |
23,9% |
29,4% |
28,4% |
29,0% |
|
|
GY |
25,4% |
29,6% |
36,1% |
35,0% |
38,5% |
38,7% |
|
|
GE |
1,3% |
3,0% |
14,2% |
15,9% |
17,9% |
18,2% |
|
|
Sonstige |
k.A |
k.A. |
k.A. |
0,8 % |
0,7 % |
0,8% |
|
An diesem Trend wird sich
trotz aller Anstrengungen der Politiker nichts ändern. Deshalb ist es in
meinen Augen eine wichtige Grundlage für eine neue Schulstruktur. |
Sitzenbleiben, Versetzung
und Nichtversetzung
|
| Seit den schlechten PISA-Ergebnissen wird in
Deutschland verstärkt über das Sitzenbleiben diskutiert. Es zeigte sich
nämlich, dass kaum irgendwo so viele Schülerinnen und Schüler sitzen bleiben
wie bei uns. |
| Allerdings ist die Sitzenbleiberquote in den letzten
Jahren deutlich zurückgegangen - auch nachdem das Ministerium eine neue
Initiative " Komm mit! Fördern statt Sitzenbleiben" gestartet hatte.

Quelle: Schule NRW 06/09
Hier die neuen Zahlen von 2010:
|
2009/10 |
2,4% |
4,4% |
3,4% |
1,2% |
1,3% |
Das Projekt soll noch weiter
ausgedehnt werden. Schulen, die sich daran beteiligen, erhalten 0,3
Lehrerstellen zusätzlich. |
|
Sitzenbleiber im europäischen Vergleich (Zahlen von
2003) |
|
Land |
Prozentsatz |
Anmerkungen |
|
Belgien |
Primarbereich: ca. 4 % (Schuljahr
1998/99)
Sekundarbereich:
liegt nicht vor |
Versetzung ist leistungsabhängig;
Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse wiederholen, werden
gesondert gefördert (andere Organisation der Lernsituationen,
Berücksichtigung der bereits erworbenen Kenntnisse); Wiederholen in
der Grundschule ist max. zweimal erlaubt; die ersten beiden Jahre
des Sekundarbereichs müssen in max. 3 Jahren absolviert werden |
|
Dänemark |
0 % |
automatische Versetzung |
|
Deutschland |
Grundschule: 1,9 %
Sek.l-Bereich: 4,2 %
Sek. 1-Bereich; liegt
nicht vor
|
Zahlen einschließlich der
freiwilligen Wiederholer;
Sekundarbereich I ohne Gesamtschule, Sonderschule und Waldorfschule
(NRW:
Gesamtschule Sek.l: 1,7 %
Gesamtschule Sek.ll: 5,9 %
Gymnasium Sek.II: 3,3 %) |
|
Finnland |
insgesamt: 0,5 %
Klasse 1, 2 u. 9:
ca. 1 %
|
Versetzung ist leistungsabhängig,
Wiederholung jährlich möglich, Jungen wiederholen häufiger als Mädchen
|
|
Frankreich |
liegt nicht vor' |
Wiederholung eines Jahres nur am-
Ende eines cycle (Dauer 1 - 3 Jahre)
möglich
|
|
Griechenland |
Primarbereich:
0,77% (2000/2001)
Sekundarbereich:
liegt noch nicht vor
|
Versetzung ist leistungsabhängig;
auch -längere Abwesenheit (mehr als 50
% des Schuljahres) führt zur
Wiederholung. Versetzung ist leistungsabhängig;
große Fehlstundenzahl (114 bis 204)
und schlechte Leistungen haben
Nichtversetzung oder Nachprüfung zur Folge
|
|
Irland |
0 % |
automatische Versetzung bis auf
wenige Ausnahmen
|
|
Italien |
liegt nicht vor |
Versetzung leistungsabhängig,
Wiederholen ist jedoch selten
|
|
Luxemburg |
liegt nicht vor |
Versetzung leistungsabhängig,
Wiederholen ist in der Sekundarstufe
wesentlich häufiger als in der
Grundschule und meist mit einem Schulartwechsel
verbunden
|
|
Niederlande |
Primarbereich: liegt
nicht vor
Sekundarbereich:
5 % (einschließlich
der Schulartwechsler
(1999)
|
Versetzung ist leistungsabhängig, Wechsel der Schulart nach zweimaligem Sitzenbleiben
in der gleichen Klasse
|
|
Österreich |
1,85 % (1999/2000) |
Versetzung ist leistungsabhängig;
Wiederholen ist in jeder Jahrgangsstufe möglich und im Gymnasium (AHS) häufiger als in Grund- und
Hauptschule
|
|
Portugal |
12,8 % gesamtes Schulwesen (1996/97)
|
Versetzung leistungsabhängig ab
dem Ende des 2. ciclo; Wiederholung in 1. ciclo nur in Ausnahmefällen
|
|
Schweden |
0 % |
automatische Versetzung außer in
extrem seltenen Fällen (Entscheidung durch Schulleiter und Eltern), mangelhafte Leistungen in einem Fach
führen zu einer schriftlichen
Leistungsbeschreibung an Stelle einer Note
|
|
Spanien |
Primarbereich:1,76 %
Sekundar-Bereich:
8,96 % (1998/99)
ohne Andalusien)
|
Versetzung ist leistungsabhängig,
Wiederholen einer Jahrgangsstufe ist
nur am Ende eines der 2-jährigen ciclo
möglich, max. dreimal in der gesamten Schullaufbahn. (Spanien plant,
das Wiederholen einer Jahrgangsstufe am
Gymnasium (bachillerato) einzuführen)
|
|
Vereinigtes Königreich
England
Wales und
Nordirland
|
0 % |
automatische Versetzung, Förderung der Schüler zum Erreichen des angestrebten Leistungsstandards
|
|
Schottland |
0 % |
automatische Versetzung,
mangelhafte Leistungen beeinflussen jedoch die Wahlmöglichkeiten des Schülers/der Schülerin im folgenden Jahr
|
(Quelle: Zeitschrift SchulVerwaltung NRW Nr.
1/2003)
|
Schulabbrecher
Schlimm ist in Deutschland auch das fehlende
Durchhaltevermögen der Schüler und Studenten. Das Institut
der deutschen Wirtschaft in Köln veröffentlichte im Juli 2003 die Zahlen
von 2001. Fast
430.000 Jugendliche beendeten 2001 die Schule, die Lehre oder das Studium,
ohne ein Abschlusszeugnis, einen Gesellenbrief oder ein Diplom in der
Tasche zu haben.
Damit erreicht knapp jeder sechste Abgänger nicht das angestrebte
Ausbildungsziel: |
 |
Schulabbrecher. Im Schuljahr
2000/2001 verließen 88.500 Jugendliche eine allgemein bildende Schule ohne
Abschluss – fast ein Zehntel aller Schulabsolventen. Etwa zwei Drittel der
Drop-outs sind männlich. Jeder fünfte Abbrecher ist ein ausländischer
Jugendlicher. In Ostdeutschland hatten 12 Prozent der Abgänger kein
Abschlusszeugnis, im Westen waren es knapp 9 Prozent.
Ausbildungsabbrecher. Im Jahr 2001 wurde gut jeder vierte neu
abgeschlossene Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Besonders viele sind
es im Handwerk, weniger hingegen in kaufmännischen Berufen und beim Staat.
Jeweils etwa ein Viertel der gelösten Verträge fällt in die dreimonatige
Probezeit und das restliche erste Lehrjahr, die andere Hälfte der
Abbrecher schmeißt die Lehre später. Meist kündigen die Azubis aufgrund
von Konflikten mit den Ausbildern, gesundheitlichen Problemen oder
familiären Veränderungen. Jeder zweite Abbrecher setzt die Lehre in einem
anderen Betrieb fort. Nur etwa 8 bis 9 Prozent geben die Ausbildung
komplett dran.
Studienabbrecher. Schätzungsweise ein Viertel der Studienanfänger
verlässt die Uni ohne Examen. In den Sozial-, aber auch in den Sprach- und
Kulturwissenschaften werfen vier von zehn Studenten endgültig das
Handtuch. Dem Bauingenieurwesen, der Informatik, der Geographie oder den
Wirtschaftswissenschaften sagt jeder dritte Studienstarter wieder ade. Die
angehenden Ärzte beweisen mehr Durchhaltevermögen, wenn sie die hohen
Zulassungshürden erst einmal überwunden haben. Gut 90 Prozent der
Mediziner in spe beenden ihr Studium mit Erfolg. |
 |
Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln
veröffentlichte im April 2008 die Abbrecherquoten für 2006. Die
Zahlen sind zwar zurückgegangen, aber immer noch alarmierend hoch.
Alarmierend ist vor allem, dass 119.400 Jugendliche ihre berufliche
Ausbildung abgebrochen haben. Insgesamt wurden 20% aller
Ausbildungsverträge gelöst. Ebenso viele Studenten brachen ihr
Studium ab.
In der Grafik auf der linken Seite sehen Sie
die Zusammenfassung des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Juli
2010, die auf den Zahlen von 2008 basiert. Das Problem beginnt schon
in der Grundschule oder bei der individuell fehlenden Frühförderung
und zieht sich durch das gesamte Leben der Jugendlichen und
jungen Erwachsenen hin.
Am Ende der Sekundarstufe I sind immer noch 20%
aller Schülerinnen und Schüler nicht reif für eine Berufsausbildung,
weil sie entweder keinen formalen Abschluss haben oder ihre
Grundkenntnisse im Rechnen und Schreiben unzureichend sind.
Die Situation ändert sich auch nicht, wenn die Jugendlichen eine
Ausbildung machen: Fast 140 000 Auszubildende haben Ihre duale
Ausbildung abgebrochen und fast ebenso viele haben die Ausbildung
oder Berufsvorbereitung in einer beruflichen Schule abgebrochen.
Vielfach versuchen die Abbrecher, in einem anderen Ausbildungsgang
Fuß zu fassen.
Noch schlimmer ist es bei den Studenten: 27,5%
aller Studenten, die 1999 ihr Studium aufgenommen hatten, haben bis
zum Jahre 2008 das Studium abgebrochen. |
| |
| Der Anteil der
Schulabgänger ohne Abschluss konnte in den letzten Jahren etwas
reduziert werden. Anscheinend haben die Bemühungen in den einzelnen
Bundesländern nach dem PISA-Schock 2000 Früchte getragen.
Allerdings muss das Ergebnis auch differenziert
betrachtet werden:
In den ostdeutschen Bundesländern ist der Rückgang wahrscheinlich
darauf zurückzuführen, dass durch die drastisch gesunkenen
Schülerzahlen auch deutlich mehr Lehrerstellen zur Verfügung
standen. Die Klassenfrequenzen konnten gesenkt werden und die
Lehrerinnen und Lehrer hatten einfach mehr Zeit, sich um ihre
Schülerinnen und Schüler zu kümmern.
Andererseits wurden inzwischen viele Angebote gemacht, die den
Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten eröffnen, auf anderem
Wege den Schulabschluss nachzuholen oder die Schulzeit zu
verlängern. Damit wurden die Noten aber nicht unbedingt besser.
Ob die Qualität der Abschlüsse gestiegen ist, mag dahingestellt
sein, denn Jugendliche mit schlechten Abschlusszeugnissen bekommen
derzeit ohnehin keinen Job. Die Länder bieten für solche Jugendliche
Lehrgänge und besondere Praktika an, in denen sie sich
nachqualifizieren können. Das kostet alles sehr viel Geld und man
sollte überlegen, ob man diese Summen nicht bereits vorher in
besseren Unterricht und kleinere Klassen investiert, damit die
individuelle Förderung auch erfolgreich durchgeführt werden kann. |
Schulabgänger ohne
Abschluss
(Angaben in %) |
| Bundesländer |
2000 |
2007 |
2009 |
| Baden-Württemberg |
8,0 |
5,8 |
5,5 |
| Nordrhein-Westfalen |
6,1 |
6,5 |
6,4 |
| Bayern |
9,0 |
6,9 |
6,3 |
| Thüringen |
12,6 |
7,0 |
6,8 |
| Saarland |
10,5 |
7,4 |
6,8 |
| Bremen |
8,9 |
7,4 |
6,6 |
| Rheinland-Pfalz |
9,6 |
7,4 |
7,0 |
| Niedersachsen |
10,1 |
7,6 |
7,5 |
| Sachsen-Anhalt |
12,3 |
7,7 |
10,5 |
| Hessen |
10,2 |
7,9 |
6,3 |
| Sachsen |
12,0 |
8,4 |
8,6 |
| Schleswig-Holstein |
10,4 |
8,6 |
8,5 |
| Berlin |
12,3 |
9,4 |
9,2 |
| Brandenburg |
8,9 |
9,8 |
9.5 |
| Hamburg |
12,4 |
10,3 |
8,2 |
| Mecklenburg-Vorpommern |
10,9 |
10,4 |
9,8 |
| (Quelle: iwd 19.3.2009 und 22.7.2010) |
Migrantenkinder
Inzwischen hat ein
Vierteil der Schülerinnen und Schüler in
NRW einen Migrationshintergrund. Mit
Beginn des Schuljahres 2010/2011 sah die
Verteilung der Migrantenkinder in den
einzelnen Schulformen so aus: |
|
Hauptschule |
Realschule |
Gesamtschule |
Gymnasium |
|
38% |
25% |
32% |
12% |
|
Das bedeutet natürlich
auch einen überproportionalen Einsatz
der Lehrkräfte an der Hauptschule. Es
gibt in den Ballungsräumen Hauptschulen
mit über 80% Anteil von Migrantenkindern. |
Demografischer Wandel bei den
Schülerzahlen
Das
Schulministerium hat die Zahl der Kinder
an Grundschulen in NRW für die
kommende Jahren vorausberechnet; danach
sind die Schülerzahlen an Grundschulen
stark rückläufig: |
|
Schuljahr 2011/12 |
655650 |
|
Schuljahr 2012/13 |
654510 |
|
Schuljahr 2013/14 |
649800 |
|
Schuljahr 2014/15 |
652930 |
|
Schuljahr 2015/16 |
638080 |
|
Schuljahr 2016/17 |
623490 |
|
Schuljahr 2017/18 |
609080 |
|
Schuljahr 2018/19 |
595200 |
|
Schuljahr 2019/20 |
593370 |
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Wirtschaft veröffentlicht in seinen Informationsdiensten regelmäßig aktuelle
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