Unterrichtsausfall
| Unterricht fällt öfter mal aus. Das ist schon
immer so gewesen. Schülerinnen und Schüler haben seit Jahrzehnten gejohlt,
wenn es hitzefrei gab. Lehrerinnen und Lehrer haben sich immer gefreut, wenn
Schüler aus irgendwelchen Gründen nicht da waren. Schule ist eben auch schön, wenn
mal keine Kinder da sind... |
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Problematisch wurde es, als durch die TIMSS - Studien offenkundig wurde, dass
die deutschen Schulen im internationalen Vergleich nur unterdurchschnittliche
Lernleistungen erbringen. Wie so üblich - wurde nach den Schuldigen gesucht.
Sie wurden auch schnell in Form der Lehrerinnen und Lehrer (und besonders der
Schulleitungen!) gefunden. Dabei wurde ganz einfach vergessen, dass der Job
eines Lehrers nicht einfach mit dem einem Finanzbeamten oder eines Polizisten zu
vergleichen ist,
Wenn ein Finanzbeamter krank ist, bleiben die zu bearbeitenden Akten einfach auf
dem Schreibtisch liegen oder der Vorgesetzte verteilt die Arbeit auf die anderen
Mitarbeiter. Diese haben aber dadurch keinen besonderen Stress, weil sie halt
ihre Arbeit weitermachen und die dazugekommenen Papiere hinten anstellen. Evtl.
ordnet der Vorgesetzte einige Überstunden an. Doch das bedeutet für die
Mitarbeiter lediglich eine verlängerte Arbeitszeit, aber nicht mehr Stress
während der normalen Arbeitszeit. Ein
gutes Beispiel ist die Beihilfestelle der Bezirksregierung Düsseldorf: Fehlt ein
Sachbearbeiter, so dauert die Bearbeitung der Beihilfe eben länger. Dazu hat
vor kurzem der Regierungspräsident noch Sachbearbeiter aus dieser Abteilung
abgezogen und in das Umweltamt versetzt. Die Begründung war, es gebe bei Fehlen
in der anderen Abteilung Ärger mit dem Staatsanwalt, der Folgen hätte. Bei
Fehlen von Sachbearbeitern in der Beihilfestelle gebe es lediglich Ärger mit
den Lehrern, aber der habe keine Folgen und sei zu ertragen...
Nimmt man eine Fehlquote im öffentlichen
Dienst von 5% an, so weiß jeder, dass damit auch 5% Unterrichtsausfall
vorprogrammiert wird. In der Schule kann man das dadurch auffangen, dass man
entweder unbezahlte Vertretungsstunden machen lässt oder zusätzliche
Mehrarbeit anordnet. Aber wenn nicht genügend Lehrer zur Verfügung stehen, ist
guter Rat teuer. Da hilft das beste Management nichts. Dann muss eben Unterricht
ausfallen.
In jeder Firma würde dafür gesorgt, dass eine Arbeitskraftreserve von 5%
vorhanden ist, damit Termine oder versprochene Leistungen erbracht werden. Im
Schulbereich gab es in den 80er und 90er Jahren eine Stellenreserve; diese wurde
dann völlig abgeschmolzen, weil man sparen wollte.
Seite 2006 ist die schwarz-gelbe Regierungskoalition
glücklicherweise etwas schlauer geworden und hat eine flexible
Vertretungsreserve eingeführt, die allerdings nur 2 % beträgt. Damit
kann man nicht viel machen. Die Grundschule hat es etwas besser, denn
mit den 940 zusätzlichen Stellen der Vertretungsreserve und den 900
Stellen, die den Schulämtern als schulübergreifende Vertretungsreserve
zur Verfügung stehen, kommt sie immerhin rechnerisch auf fast 6%.
Der Unterrichtsausfall ist vielfältiger
Natur:
-
Struktureller Unterrichtsausfall
- Wenn das Ministerium seit Jahren eine schlechte Einstellungspolitik
betreibt, braucht es sich nicht zu wundern, wenn die arbeitslosen Lehrer in
andere Berufe abwandern. Dann sind plötzlich keine Lehrer mehr für
Naturwissenschaften oder Mathematik mehr da. Und da helfen dann auch keine
Qualifikationserweiterungen, Greencards oder Seiteneinsteiger mehr. In NRW
gibt es Erlasse, die jetzt Pensionären oder Fremdberuflern das Lehrerdasein
schmackhaft machen sollen. Damit sollen dann hausgemachte Probleme
wieder beseitigt werden. Jugendliche brauchen aber keine alten Leute als
Billigkräfte, sondern junge Lehrerinnen und Lehrer,
die ihre Sprache sprechen, die ihre Situation verstehen und ihre fehlende
elterliche Einwirkung in eine adäquate Erziehung umsetzen können. Deren
gibt es genug. Man braucht sie nur einzustellen.
Strukturellen Unterrichtsausfall gibt es an den
Grundschulen vorrangig in den Fächern Sport und Religion, an den
weiterführenden Schulen zusätzlich vor allem in Naturwissenschaften,
Mathematik, Informatik und Fremdsprachen. Strukturellen Unterrichtsausfall
gibt es besonders in der Oberstufe, da kaum eine Schule mit ihrer
Lehrerbesetzung außer den Pflichtfächern noch Informatik, Technik oder
Wirtschaft anbieten kann. Schon allein das ist ein großer Mangel, der die
Wettbewerbsfähigkeit unserer Schulabgänger negativ beeinflusst.
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Verschleierter Unterrichtsausfall
- Nachdem vor einigen Jahren statt einer festen Stundentafel die
"Bandbreiten" für jedes Schuljahr eingeführt wurden, müssen
z.B. an den Gymnasien in NRW die Schüler in der Klasse 5 wöchentlich 29 bis 32 Stunden
Unterricht haben. Durch diese flexible Stundentafel lässt sich die Kürzung
von Unterricht wunderbar verschleiern. Man bleibt nämlich auch mit 29
Stunden statt 32 Stunden immer noch innerhalb des vorgegebenen Rahmens. Für
die einzelnen Fächer gibt es Gesamtwochenstunden für die Klassen 5-10.
Obwohl diese Bandbreite durch die neue APO S I stark eingeschränkt
wurde, gibt es sie für einzelne Fächer immer noch. Für Sport z.B.
sind für die Klassen fünf und sechs 6-8 Stunden vorgegeben, für die
Klassen sieben bis zehn 10-12 Stunden. Zusammen müssen innerhalb von
6 Jahren 18 Stunden gegeben worden sein. Das kontrolliert aber
keiner. Mit Kern- und Ergänzungsstunden, die flexibel gestaltet
werden können, verhält sich das ähnlich.
Bei einer
Schule, die in allen Bereichen an der unteren Grenze bleibt, fällt
statistisch kein Unterricht aus. In Wahrheit aber erhalten die Schüler in
manchen Fächern dann deutlich weniger Unterricht als an einer anderen
Schule. Dafür ist natürlich die Lehrerbesetzung der einzelnen Schule
verantwortlich.
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Den verschleierten
Unterrichtsausfall haben inzwischen auch Eltern erkannt:
Mogelpackung
Unterrichtsausfall
Es wird viel über den
Unterrichtsausfall in Nordrhein-Westfalen geschrieben, dieser
Missstand ist zum Glück aufgedeckt und ins Bewusstsein gerückt. Was
ist aber mit der Tatsache, dass unsere Kinder laut regulärem
Stundenplan bereits unter der vom Ministerium festgelegten
Stundenrichttafel liegen? Aktuelles Trauerbeispiel: neunte Klasse
Gymnasium, 27 Wochenstunden, soviel wie ein Grundschüler. Laut
Stundenrichttafel des Ministeriums müssten 33 Wochenstunden
unterrichtet werden. Dass vier Fächer gar nicht erst unterrichtet
werden, weil die Lehrer hierzu an der Schule fehlen, kümmert
Düsseldorf überhaupt nicht. Diese sechs fehlenden Wochenstunden
tauchen in keiner Statistik auf, denn was gar nicht erst auf dem
Stundenplan steht, fällt auch nicht aus.
(Leserbrief RP v. 11.1.2008)
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Geplanter Unterrichtsausfall
- Es gibt sehr viele Unterrichtsstunden, die innerhalb eines Jahres ausfallen,
weil für eine Vertretung bei einer Lehrerbesetzung von 100% gar nicht
gesorgt werden kann. Da sind einmal die Fortbildungsveranstaltungen, auf die
Lehrer ein Recht haben und die auch sinnvoll sind. Schließlich muss das
System Schule
auf veränderte Bedingungen in der Erziehung, der Gesellschaft oder den
Wissenschaften reagieren und die Lehrer müssen entsprechend darauf
vorbereitet werden. Lehrer haben Anspruch auf Weiterbildung von 5-10
Wochentagen pro Schuljahr. Diese fallen schon mal aus. Dazu kommen z.B. Prüfungen, Nachprüfungen,
Lehramtsprüfungen und Abiturprüfungen. Wenn bei diesen jeweils Prüfer,
Protokollführer und Vorsitzende beteiligt sind, erkennt auch schnell der
Laie, dass bereits bei einer einzigen Prüfung 3 Lehrer gleichzeitig
ausfallen, die gar nicht immer zu vertreten sind. Schulen machen heute
durchweg dreiwöchige Betriebspraktika. Wenn diese durch Klassenlehrer mit
Mangelfächern betreut werden, fällt dieser Unterricht auch für längere
Zeit aus. Genauso entsteht Unterrichtsausfall durch Klassenfahrten,
Wandertage oder Studienfahrten. Auch Elternsprechtage, Betriebsausflüge
oder regelmäßige Veranstaltungen im Jahresablauf führen zu
Unterrichtsausfall. Das müsste jedes Ministerium wissen und die
Lehrerbesetzung um den Prozentfaktor erhöhen, den dieser Ausfall ausmacht.
Nur so kann er vermieden werden.
Obwohl die meisten Konferenzen nach Unterrichtsschluss beginnen, lässt sich
ein Ausfall manchmal gar nicht vermeiden. Manchen Schulformen (z.B.
Gesamtschulen) werden zusätzlich besondere Formen von Konferenzen
aufgebürdet, die alle nach Unterrichtsschluss durchgeführt werden sollen.
Da diese Schulform in der Regel als Ganztagsschule organisiert ist, bedeutet
das für die darin unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer eine
unverständliche Sonderleistung, die einfach nicht zu erbringen ist.
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Ungeplanter Unterrichtsausfall
- Während man in der Schule auf geplanten Unterrichtsausfall noch
einigermaßen effektiv durch Unterrichtsverlegung reagieren kann, ist
das bei plötzlichem Ausfall von Lehrpersonen schwierig. Aus eigener
Erfahrung weiß ich, dass die Erstellung des täglichen
Vertretungsplans jeden Morgen ein großes Problem darstellt. Als
Vertretungsplaner wartet man bange morgens zwischen halb acht und
acht Uhr auf die zu erwartenden Anrufe von Kolleginnen und Kollegen,
die krank geworden sind oder aus irgendwelchen Gründen nicht
pünktlich zum Dienst erscheinen können. Für ein hoch differenziertes
System mit E- und G-Kursen, Wahlpflichtunterricht, Oberstufenkursen
und eventuell dazu noch im Ganztagsbetrieb bedeutet das jeden Tag
eine aufzubringende Höchstleistung im Vertretungsmanagement.
Und wenn die Ressourcen erschöpft sind, muss eben auch Unterricht
ausfallen.
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Die Feststellung des wirklichen
Unterrichtsausfalls ist schwierig. Sie hat zwei verschiedene Seiten. Einmal wird
vom Ministerium statistisch gar nicht richtig ermittelt, wie viel Unterricht
tatsächlich ausfällt. Die Jahresstatistik gibt immer nur die Daten des
Erhebungszeitpunktes an. Es werden dabei lediglich die Pflichtstunden eines
Lehrers und die nicht erteilten Unterrichtsstunden aufgrund irgendwelcher
Ermäßigungen gegenübergestellt. Für die Rechnung wird ein Stichtag
festgelegt. In NRW ist es der 15.Oktober eines jeden Jahres. Wenn die Anfangsbesetzung der Schule zum
Erhebungszeitpunkt gut ist, fällt auch wenig aus. Wenn gerade eine Grippewelle im
Herbst den Erhebungszeitraum trifft, ändert dies auch gewaltig die Zahlen.
Allerdings wird die Mehrarbeit der anderen Lehrer für eine erkrankte oder
abwesende Lehrperson meistens gar nicht im Ministerium wahrgenommen. In NRW
hängt das z.B. damit zusammen, dass Lehrer grundsätzlich verpflichtet sind, 3
Stunden Mehrarbeit im Monat kostenlos zu leisten. Erst bei 4 Stunden erhalten
sie eine Bezahlung. Die Überstunden, die unterhalb dieser Schwelle bleiben,
werden überhaupt nicht registriert und auch nicht honoriert. In den meisten
Schulen ist es in der Regel so, dass anfallende Mehrarbeit so auf die anderen
Kollegen verteilt wird, dass keinerlei Bezahlung anfällt. Es gibt aber genauso
auch die Form, dass die geleisteten Überstunden durch Freizeit ausgeglichen
wird. Dann fällt irgendwo dafür Unterricht aus, der aber ebenfalls nirgendwo
registriert wird.
Der ausfallende Unterricht hat auch zahlenmäßig und funktionsmäßig sehr
unterschiedliche Aspekte:
Statistisch ist zum Beispiel der Unterrichtsausfall an einer Schule
ungeheuer groß, wenn dieser an einem Elternsprechtag für alle Klassen
ausfällt. Das bedeutet bei einer Schule mit 33 Klassen und 6 Stunden an diesem
Tag den Ausfall von 198 Stunden. Dies wäre gleichbedeutend mit dem
vierwöchigen Ausfall von 2 Lehrern. Allerdings nur statistisch. Es ist schon
ein riesiger Unterschied, ob ein Klassenlehrer im 9. Schuljahr für vier Wochen
ausfällt und vertreten werden muss oder ein Fachlehrer für Chemie und Physik
für vier Wochen zu vertreten ist. Bei einem Elternsprechtag bekommen außerdem
die Schülerinnen und Schüler in der Regel deutlich mehr Hausaufgaben oder
Übungen auf. Schließlich weiß die Schule um den Unterrichtsausfall und
reagiert entsprechend sinnvoll darauf. Doch das wird nirgends registriert.
Auch die letzten Erhebungen des Ministeriums von 2001, 2003, 2005, 2007 und
2008 an statistisch ausgewählten
Schulen in NRW zeigen diese Mängel:
- Der erste Fehler besteht darin, dass gar
nicht die notwendige Stundentafel abgefragt wird, sondern der nach Stundenplan
zu erteilende Unterricht in Stunden. Es wird überhaupt nicht überprüft, ob
die Stundentafel für die betreffende Schulform erfüllt wird oder ob bereits
Kürzungen vorgenommen wurden. Das kann man nämlich nur kontrollieren, indem
die vorgeschriebenen Stunden der Stundentafel zu den wirklich erteilten in
Relation gesetzt werden. Und das fächerbezogen und für die Dauer von sechs
Jahren!
- Der zweite Fehler liegt darin, dass die unentgeltlich erteilten
Mehrarbeitsstunden des Kollegiums überhaupt nicht gewertet werden. Es wird zwar nachgefragt, wie
viele Vertretungsstunden erteilt wurden, aber nicht, ob sie unbezahlt oder
bezahlt erteilt wurden. So wird der täglich zu erteilende Vertretungsaufwand
gar nicht ermittelt.
- Der dritte Fehler ist durch den Ersatzunterricht
bedingt. Fehlt beispielsweise ein Mathematiklehrer und wird dessen
Unterricht durch einen Englischlehrer ersetzt, so taucht dieser
Unterricht in der Statistik als erteilter Unterricht auf, Der Anteil
eines solchen Unterrichts lag 2008 in der Hauptschule bei 25 %. Da
braucht man sich nicht zu wundern, dass bei zentralen Prüfungen die
Ergebnisse so miserabel sind.
- Der vierte Fehler ist ebenfalls in der Qualität
der Unterrichtsvertretung zu finden. Der Ausfall eines Fachlehrers
in den Differenzierungsfächern Englisch und Mathematik oder je nach
Schulform in weiteren Fächern wird oft dadurch aufgefangen, dass
Lerngruppen zusammengelegt werden. Der Fachlehrer muss also
vertretungsweise eine fremde Gruppe mit übernehmen und hat dadurch
eine übergroße Lerngruppe, deren Lernerfolg sowohl für die eigene
wie auch die fremde Gruppe wesentlich geringer ist.
-
Der fünfte Fehler liegt darin, dass nicht ermittelt wird, ob der ausfallende
stundenplangemäße Unterricht durch wirklichen Unterricht ersetzt wird oder
durch Hausaufgaben anfertigen, Spielen, Spazieren gehen o.ä. Es kommt nämlich
darauf an, wie Unterrichtsausfall definiert wird. Wenn er als fehlender
Lernzuwachs angesehen wird, würde das schon eine bedeutsame Rolle spielen.
Ehrlicher als in den Vorjahren war zum ersten Mal Ende 2005 das Zugeständnis,
dass die Stichprobe 2005 eigentlich keine echten Rückschlüsse auf den
echten Unterrichtsausfall eines gesamten Jahres zuließ. Sie wurde nämlich Ende
Mai/Anfang Juni durchgeführt, also in einer Zeit, in der die
Krankheitsfälle normalerweise gering sind, keine Elternsprechtage
stattfanden und sehr viele Klassenfahrten veranstaltet wurden. Auch die
Zahl der Lehrerfortbildungen ist normalerweise in der ersten Juniwoche minimal.
Ebenso wird auch zugestanden, dass die Bandbreiten es gestatten,
dass im Endeffekt deutlich mehr Unterricht ausfällt, als mit einer
Stichprobe gemessen werden kann. Weiterhin wird erkannt, dass kaum eine
Schule mit 100% Lehrerbesetzung aufwarten kann und deshalb ein
vollständiger Unterricht gar nicht möglich ist.
Im Bericht von 2007 heißt es dann: "Die massive Verbesserung des
Gesamtergebnisses gegenüber 2005 ist insbesondere vor dem Hintergrund
positiv zu bewerten, dass eine vollständige Vermeidung von
Unterrichtsausfällen kaum möglich ist. Auch bei einer großzügig
bemessenen Vertretungsreserve stößt eine Schule, wenn mehrere Lehrkräfte
gleichzeitig unvorhergesehen ausfallen (z.B. wegen Krankheit), an ihre
organisatorischen Grenzen. Insbesondere die Vertretung mit planmäßigem
Fachunterricht durch eine andere Lehrkraft ist unter solchen Umständen
schwierig."
Lesen Sie die Zusammenfassungen, die das Ministerium jedes Jahr als
Bewertung der Stichprobe herausgegeben hat und machen Sie sich selbst
ein Bild. Sie sind im
Downloadverzeichnis für das Jahr 2005 unter
uausfall05.pdf und für 2007 unter
uausfall07.pdf enthalten. Die Ergebnisse für 2008 finden Sie
dort unter uausfall2008.pdf.
Interessant sind vielleicht für Sie die Vergleichsdaten aus den früheren
Jahren:
Im Downloadbereich habe ich die Presseerklärung des Ministeriums als
WORD-Dokument unter dem Namen uauspress.zip
vom 29.5.2001 abgelegt. Ausführlicher ist allerdings die Rede der Ministerin,
die dort ebenfalls unter dem Namen uausrede.zip
zu finden ist. Sie bezieht sich auf die Auswertung der repräsentativen
Stichprobe vom Februar 2001 an 407 Schulen, deren Ergebnisse ich im
Downloadverzeichnis unter dem Namen uausstich.zip
zum Herunterladen zur Verfügung gestellt habe. Diese 19-seitige Zusammenfassung
ist höchst aufschlussreich und zeigt dem Insider auch deutlich die Schwächen
der Untersuchung. Laden Sie den Text mit Kommentar
herunter und urteilen Sie selbst!
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Die Untersuchung des
Unterrichtsausfalls vom Frühjahr 2005 hatte gezeigt, dass der Begriff von der
"verlässlichen Schule", der vom Ministerium geprägt worden war, eine leere
Versprechung war. In den einzelnen Schulformen ergab sich folgendes Bild:
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Unterrichtsausfall in NRW im Jahre
2003 |
| Grundschule |
Hauptschule |
Realschule |
Sonderschule |
| 3,9% |
5,0% |
4,3% |
6,2% |
| Gesamtschule S I |
Gesamtschule S II |
Gymnasium S I |
Gymnasium S II |
| 5,6% |
7,4% |
4,2% |
5,8% |
Es hat sich nicht viel gebessert:
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Unterrichtsausfall in NRW im Jahre
2005 |
| Grundschule |
Hauptschule |
Realschule |
Förderschule |
| 3,9% |
3,8% |
5,9% |
3,1% |
| Gesamtschule S I |
Gesamtschule S II |
Gymnasium S I |
Gymnasium S II |
| 3,96% |
7,2% |
4,2% |
6,4% |
Ministerin Barbara Sommer hatte
noch
am 27.10.2005 die Ergebnisse der Stichprobe aus dem Schuljahr 2004/05
bekannt gegeben und zugeben müssen, dass sich in den letzten beiden Jahren
nicht viel verändert hat. Mehr als 5 Millionen Unterrichtsstunden fallen
jährlich aus.
Andererseits hätte das Ministerium doch sofort erkennen müssen, mit welchem Prozentfaktor eine Stellenreserve
für die einzelnen Schulformen geschaffen werden müsste, um den Ausfall zu
kompensieren. So könnte der Unterrichtsausfall vermieden werden.
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Unterrichtsausfall in NRW im Jahre
2006 |
| Grundschule |
Hauptschule |
Realschule |
Förderschule |
| 0,9% |
2,3% |
2,7% |
2,5% |
| Gesamtschule S I |
Gesamtschule S II |
Gymnasium S I |
Gymnasium S II |
| 3,7% |
3,6% |
3,3% |
4,2% |
Voller Stolz verkündete die Ministerin im Dezember
2006, dass sich der Unterrichtsfall gegenüber dem Vorjahr um 46% verringert
habe. Eine Stichprobe ähnlicher Art wie in den Vorjahren war im Juni in 404
Schulen aller Schulformen durchgeführt worden und hatte dieses Ergebnis
erbracht. Die Echtheit des Ergebnisses muss genau wie in den Vorjahren in
Zweifel gezogen werden, weil die gleichen Untersuchungsfehler gemacht
wurden.
Was allerdings korrekt ist und anerkannt werden muss, dass die
administrativen Maßnahmen Konsequenzen gezeigt haben. Es wurden wesentlich
weniger Konferenzen während der Unter-richtszeit abgehalten, es fiel
wesentlich weniger Unterricht durch Lehrerfortbildung aus und es wurden
durch Druck der Schulleitungen wesentlich mehr Vertretungsunterricht und
Mehrarbeit angeordnet. Dies war das Ergebnis eines stärkeren Bewusstmachens
der Bedeutung von Unterricht und einer gesicherten Unterrichtszeit.
Zweifellos trugen dazu aber auch die 1000 zusätzlich zur Verfügung
gestellten Lehrerstellen bei.
Allerdings muss man bei den Prozentsätzen immer bedenken, dass sie nicht die
reine Wahrheit darstellen, sondern die oben genannten Unterrichtsausfälle
nicht berücksichtigen.
|
Unterrichtsausfall in NRW im Jahre
2007 |
| Grundschule |
Hauptschule |
Realschule |
Förderschule |
| 1,5% |
2,6% |
2,4% |
3,0% |
| Gesamtschule S I |
Gesamtschule S II |
Gymnasium S I |
Gymnasium S II |
| 4,5% |
3,8% |
3,3% |
2,5% |
Für 2007 erklärte das Ministerium den Anstieg des Unterrichtsausfalls
an Gesamtschulen so: "Allerdings ist es so, dass in den letzten Wochen vor
den Sommerferien die Zeugniskonferenzen stattfinden. Da die Gesamtschulen
als einzige Schulform flächendeckend in gebundener Ganztagsform organisiert
sind, fällt hier selbst bei am Nachmittag anberaumten Konferenzen Unterricht
aus. Es ist nur wenigen Schulen gelungen, diese Konferenzen so abzuhalten,
dass kein Unterricht ausfällt. Folglich entfällt mehr als ein Drittel des
Unterrichtsausfalls an Gesamtschulen auf Konferenzen und
Dienstbesprechungen." Für die Grundschulen wird die Durchführung der
Sprachstandsfeststellung angeführt. |
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Die Stichprobe von 2008 zeigt, dass der
Unterrichtsausfall nochmals reduziert werden konnte. Die Ministerin lobt
sich in ihrer Zusammenfassung sehr und betont immer wieder, dass die
Vorgängerregierung das nicht in den Griff bekommen habe. Man muss
tatsächlich zugestehen, dass die zusätzliche Einstellung von 4000 Lehrern
und der Druck auf die Schulen geholfen haben. Es ist aber auch
festzustellen, dass der größte Unterrichtsausfall durch die Krankheit von
Lehrerinnen und Lehrern verursacht wird. Und der Krankenstand ist gestiegen.
Das sollte man nicht vergessen und überlegen, ob nicht der Druck eine der
entscheidenden Ursachen dafür ist. Wenn Elternsprechtage und Konferenzen
außerhalb der Unterrichtszeit durchzuführen sind, wenn Betriebsausflüge
flächendeckend wegfallen, weil sie nicht während der Unterrichtszeit
durchgeführt werden dürfen, wenn Fortbildungen drastisch gekürzt werden,
weil kein Ersatz für die abwesenden Lehrkräfte da ist, wenn Klassenfahrten
deutlich reduziert werden, weil die Reisekosten nicht zur Verfügung stehen,
wenn kulturelle Veranstaltungen nur noch besucht werden, wenn die Vertretung
gesichert ist, wenn Sonderurlaub kaum noch genehmigt wird, weil der
Unterrichtsausfall nicht abgedeckt werden kann, so sind das alles Faktoren,
die sich summieren und bei den Lehrerinnen und Lehrern, die sowieso täglich
am Limit arbeiten, die Belastungsgrenze überschreiten. Der
Unterrichtsausfall wird zwar reduziert, aber der tägliche Stress der
Lehrerinnen und Lehrer auch entsprechend erhöht.
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Unterrichtsausfall in NRW im Jahre
2008 |
| Grundschule |
Hauptschule |
Realschule |
Förderschule |
| 0,9% |
2,7% |
2,7% |
2,5% |
| Gesamtschule S I |
Gesamtschule S II |
Gymnasium S I |
Gymnasium S II |
| 2,4% |
2,7% |
2,2% |
3,0% |
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NRW plant die erste Statistik zum
Unterrichtsausfall
Wie ein Sprecher des Ministeriums verkündete, ist
für das Schuljahr 2008/09 die erste flächendeckende Erfassung des
Unterrichtsausfalls geplant. Das soll dann mit der automatischen Abfrage
der Computerdaten aus den Schulen erfolgen.
Dazu wurde im Sommer 2007 der Anfang gemacht, indem ein strukturiertes
Formular an alle Schulen versandt wurde, um den Unterrichtsausfall in
einem Zeitraum von 10 Tagen im Mai/Juni 2007 zu dokumentieren.
Inzwischen wurden die Schulen angehalten, den Unterrichtsausfall in
regelmäßigen Abständen mit diesem Erhebungsbogen festzuhalten. Er ist im
Downloadbereich unter dem Namen
uausfallbogen.pdf zu finden. In einer
Aktuellen Stunde des Landtags erklärte Ministerin Barbara am 18.9.2008,
dass sich der Unterrichtsausfall seit dem Regierungswechsel mehr als
halbiert habe. Mit zwei Prozent befinde sich der Anteil der
ausgefallenen Stunden auf dem niedrigsten jemals gemessenen Stand.
Schade ist aber weiterhin, dass es bei der Vermeidung von
Unterrichtsausfall immer nur um die Verbesserung der Statistik und nicht
um die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern geht. Dazu brauchte
man nämlich eine Stellenreserve, mehr Lehrer, kleinere Klassen und
besseren Unterricht. |
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Weitere Hinweise:
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05.11.09
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