Sprint - Studium

Mit einem 6-Punkte-Programm will Schulministerin Barbara Sommer den Lehrermangel in NRW beheben. Endlich hat das Bildungsministerium in NRW begriffen, dass man mehr Lehrer braucht, um den Bildungsrückstand  wieder wett zu machen.

Das Ministerium will ausgebildeten Lehrkräften für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen bzw. Sekundarstufe II mit weniger gefragten Fächerkombinationen Einstellungsperspektiven anbieten, wenn sie bereit sind, eines der besonderen Bedarfsfächer Informatik, Kunst, Mathematik oder Physik nachzustudieren (Sprintstudium).

Das berufsbegleitende Studium wird im Umfang von etwa 30-40 SWS, also der Hälfte des Regelstudienumfangs, für eines der oben genannten Fächer des Lehramtes an Gymnasien und Gesamtschulen durchgeführt und endet mit einer Erweiterungsprüfung entsprechend § 29 der Ordnung der Ersten Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen (LPO). Die Studien- und Prüfungszeit umfasst 24 Monate.
Es fallen Studiengebühren an. Das Studium hat Anfang September 2006 begonnen und beginnt jedes Jahr im September.
Für die Zeit des Sprintstudiums wird eine befristete Beschäftigung im Angestelltenverhältnis angeboten. Nach erfolgreichem Abschluss der Erweiterungsprüfung erfolgt eine Übernahme in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis, bei Vorliegen der beamten- und laufbahnrechtlichen Voraussetzungen in der Regel in ein Probebeamtenverhältnis.
Die Unterrichtsverpflichtung beträgt 13 Wochenstunden. Die Vergütung entspricht während des Sprintstudiums der Vergütungsgruppe E 13 (früher: BAT IIa) in Höhe von 3/4 einer Vollbeschäftigung. Nach erfolgreichem Abschluss des Sprintstudiums ist eine Vollbeschäftigung geplant mit einer Vergütung nach E 13 (früher: BAT IIa) bzw. A13 BBesO.
Man kann sich online für das Sprint-Studium bewerben. Auf der Webseite des Ministeriums unter www.schulministerium.nrw.de wurden die Stellen ausgeschrieben. Eine der Voraussetzungen ist für das geplante Sprint-Studium der Nachweis der Beratung durch das Staatliche Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen. Hierzu werden jedes Jahr im Mai/Juni verschiedene Veranstaltungen angeboten, in denen man sich über das Studium informieren kann.

Wer Interesse an diesem Programm hat, sollte sich auf der Webseite des Ministeriums näher informieren und sich per E-mail melden.

Außerdem sollen Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer motiviert werden, sich für die Hauptschule zu qualifizieren.
 

Wenn man allerdings ein wenig nachdenkt, muss einem ein solches "Sprinter-Studium" doch reichlich suspekt und unausgegoren erscheinen. Man stelle sich einmal einen Lehramtsstudenten vor, der Geschichte und Deutsch als Fächer gewählt hat, weil ihm gerade diese Bereiche liegen und er Mathematik und Naturwissenschaften nicht mag. Würde er sie mögen, hätte er sie schließlich auch studiert, denn ihm sind ja die Mangelfächer seit Jahren bekannt und er weiß, dass er damit seine Einstellungschancen um ein Vielfaches hätte erhöhen können.
Nun ist er glücklich durch den Vorbereitungsdienst gekommen und hat seine Prüfung bestanden. Und jetzt wird ihm das Angebot gemacht, dass er eine Einstellung bekommt, wenn er in einem 18-24monatigen Kurs Mathematik oder Physik nachstudiert...
Was wird das für ein Lehrer werden? Warum macht man dieses Angebot nicht den Tausenden von Ingenieuren, Informatikern und Naturwissenschaftlern, die keinen Job haben? Die haben die Begeisterung für die Fächer und könnten die notwendige Pädagogik in einem 18-24monatigen Studium nachholen. Und wenn man das finanziell subventionieren würde, hätte man sehr bald die fehlenden Fachlehrer...

Einen großen Teil von fehlenden Fachlehrern will man außerdem durch Seiteneinsteiger aus den Maschinen-, Elektro- und Gestaltungsberufen gewinnen. Die sind nämlich neben Ernährungs- und Hauswirtschaft vor allem in den Berufskollegs gesucht.

Wenn die Politiker mit ihren Ganztagsvorstellungen Ernst machen, wird der Bedarf an Lehrern noch mehr steigen. Allerdings sollte man mit allen Prognosen vorsichtig sein. Während einerseits abzusehen ist, dass in den nächsten Jahren mit den derzeitigen Absolventen der Hochschulen keinesfalls die Lücke aufzufüllen ist, die sich durch die anstehenden Pensionierungen ergibt, darf man nicht vergessen, dass die demographische Entwicklung negativ ist. Trotzdem dürfte bis zum Jahre 2015 ein Lehramtsstudium aussichtsreiche Perspektiven bieten.
 
 
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 Letzte Aktualisierung dieser Seite am 02.07.09

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