Die Sekundarschule in Nordrhein-Westfalen

Die neueste Schulform in Nordrhein-Westfalen ist die Sekundarschule. Sie wurde nach jahrelangem Streit durch den gemeinsamen Konsens von CDU und rotgrüner Regierungskoalition im Juli 2011 begründet.  Man einigte sich auf ein neues Schulsystem, das auf längerem gemeinsamen Lernen aufbaut. Dadurch wurde das Experiment der Gemeinschaftsschule hinfällig, das die rotgrüne Regierung durchsetzen wollte, indem sie 12 Versuchsschulen ohne gesetzliche Absicherung an den Start schickte. Da die bundespolitischen Leitlinien der CDU seit 2010 auf eine Zwei-Säulen-Struktur des Schulwesens hinausliefen, schwenkte man auch in Nordrhein-Westfalen um und einigte sich auf die Sekundarschule, die im Wesentlichen ein Kompromiss aus der neu gegründeten Gemeinschaftsschule der rot-grünen Koalition und der von der früheren schwarz-gelben Koalition favorisierten Verbundschule ist. Eckpunkte der Vereinbarung finden Sie im Originaldokument der gemeinsamen Leitlinien, das ich im Downloadbereich unter Konsens2011.pdf abgelegt habe. Der schulpolitische Konsens soll für die nächsten 12 Jahre einen Schulfrieden gewährleisten.
Am 20.10.2011 wurden die gesetzlichen Grundlagen für das neue Schulsystem geschaffen, indem man das bestehende Schulgesetz änderte. Die Sekundarschule wurde als weitere Regelschulform eingeführt; dabei wurde mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit auch eine  Bestandsgarantie für die Hauptschulen aufgegeben.

Die neue Sekundarschule hat folgende Merkmale:

  • Als Schule der Sekundarstufe I umfasst sie die Jahrgänge 5 bis 10.
  • Sie ist mindestens dreizügig. Horizontale Teilstandortbildungen sind möglich. Bei vertikalen Lösungen kann der Teilstandort einer mindestens dreizügigen Stammschule zweizügig geführt werden, wenn damit das letzte weiterführende Schulangebot einer Gemeinde gesichert wird. Weitere Ausnahmen bei vertikalen Lösungen sind in begründeten Einzelfällen möglich, wenn das fachliche Angebot und die Qualitätsstandards nicht eingeschränkt werden.
  • Der — in der Regel 9-jährige — Bildungsgang zum Abitur wird durch verbindliche Kooperation/en mit der gymnasialen Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder eines Berufskollegs gesichert. Wenn der Bedarf für eine mindestens vierzügige integrierte Schule mit einer eigenen gymnasialen Oberstufe besteht, ist eine Gesamtschule zu gründen, für deren Errichtungsgröße der Wert 25 Kinder pro Klasse gilt.
  •  Die Sekundarschule bereitet Schülerinnen und Schüler sowohl auf die berufliche Ausbildung als auch auf die Hochschulreife vor. Die neu zu entwickelnden Lehrpläne orientieren sich an denen der Gesamtschule und der Realschule. Dadurch werden auch gymnasiale Standards gesichert.
  • In den Jahrgängen 5 und 6 wird gemeinschaftlich und differenzierend zusammen gelernt, um der Vielfalt der Talente und Begabungen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.
  • Ab dem 7. Jahrgang kann der Unterricht auf der Grundlage des Beschlusses des Schulträgers unter enger Beteiligung der Schulkonferenz integriert, teilintegriert oder in mindestens zwei getrennten Bildungsgängen (kooperativ) erfolgen.
  • Die zweite Fremdsprache im 6. Jahrgang wird fakultativ angeboten; ein weiteres Angebot einer zweiten Fremdsprache ab Jahrgang 8 sichert die Anschlussfähigkeit für das Abitur.
  • Der Klassenfrequenzrichtwert beträgt 25.
  • Die Lehrkräfte unterrichten 25,5 Lehrerwochenstunden.
  • Die Sekundarschule wird in der Regel als Ganztagsschule geführt, und zwar mit einem Zuschlag von 20 Prozent.
Wenn Sie Anhänger der Sekundarschule sind und sich für die neue Schulform begeistern, dann lesen Sie jetzt weiter auf der Webseite des Schulministeriums, die dort alle Einzelheiten mit einer entsprechenden Grafik darstellt. Wenn Sie einige kritische Gesichtspunkte zur Sekundarschule hören wollen, dann lesen hier unten weiter.

(Grafik: MSW)
Die oben genannten Einstiegsbedingungen für die Sekundarschule sind zunächst einmal sehr zu begrüßen. Vor allem auch, weil die Klassengrößen der anderen Schulformen ebenfalls abgesenkt werden sollen. Vor allem die Gesamtschule wird davon profitieren, denn sie musste bei der Anmeldung bisher 112 Kinder vorweisen, nunmehr brauchen es nur noch 100 zu sein. So wird sich in Zukunft das Schulsystem auf ein zweigliedriges System hin entwickeln, wie es auch die CDU inzwischen bundesweit vertritt.
Vorerst wird es jedoch noch mehr Verwirrung geben, denn für die nächsten Jahre existieren 6 Schulformen in NRW. Die Gemeinschaftsschule ist nämlich auch mit 12 Gründungen an den Start gegangen und soll sich im Laufe der nächsten 6 Jahre in das neue System integrieren.

Ich bin allerdings noch ziemlich skeptisch, denn klare Lehrpläne und eindeutige Vorschriften für die Kommunen gibt es noch nicht. Die Hauptschulen werden auslaufen und die Realschulen werden ebenfalls mit in den Sog gerissen - auch wenn eine Bestandsgarantie gegeben ist. Probleme wird es für die Kommunen und die Eltern geben. Für die Kommunen, wenn die Eltern ihre Kinder jetzt nicht mehr zur Hauptschule schicken, sondern zur nächstgelegenen Sekundarschule oder Gesamtschule. Dort wird es wie gewohnt Abweisungen geben, die zu Protesten führen werden. Daraufhin werden die Kommunen selbst eine (oder eine weitere) Sekundarschule gründen, was wiederum die nächste Realschule treffen wird und so fort. Ich zweifle, ob es einen Schulfrieden geben wird - eher ein Schulchaos. Das beginnt jetzt schon - Herbst 2011 -. Bei den Vorstellungen der Schulformen auf einer Informationsveranstaltung für Grundschulen habe ich in einer Gemeinde erlebt, wie die Vertreter der ortsansässigen vier weiterführenden Schulen für ihre Schulform warben und die Qualität in den höchsten Tönen lobten. Als die Eltern nach der Sekundarschule fragten, erhielten sie vom Schulträger die Antwort, das stände nicht zur Diskussion, denn das Schulsystem der Gemeinde sei mit den vorhanden Schulformen gesund und für eine Neugründung gebe es gar keine Veranlassung. Sekundarschulen würden nur dort errichtet, wo fehlende Schülerzahlen die Schließung der Hauptschulen notwendig machten.
In anderen Gemeinden wird das sicher ganz anders laufen. In der Folgezeit entstehen dann für die Eltern die Probleme beim Umzug, weil jede Gemeinde zusammen mit der Schulkonferenz eine bestimmte Form der Sekundarschule bildet: integriert, teildifferenziert oder kooperativ getrennt. Wenn die Eltern also in der neuen Kommune eine völlig andere Schulform als bisher vorfinden, werden sie nicht besonders erfreut sein. Da die Sekundarschule in der Regel ohne Oberstufe gebildet wird, also lediglich eine verbindliche Kooperation mit der Oberstufe eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder eines Berufskollegs vorgesehen ist, werden sich die Eltern vielleicht überlegen, ob sie ihr Kind nicht besser gleich am Gymnasium oder an der Gesamtschule anmelden sollen. Die beiden Schulformen haben nämlich erprobte Lehrpläne und ein verlässliches System.
Außerdem sind die gymnasialen Standards, die die Sekundarstufe aufweisen soll, Augenwischerei. Den gymnasialen Charakter in den Klassen 5/6 haben bisher die Gymnasien und werden ihn auch behalten. Es ist völlig illusorisch, dass an einer Sekundarstufe in den Klassen 5 und 6 nach gymnasialen Standards unterrichtet werden kann. Eltern, die eine solche Ausbildung für ihr Kind wünschen, werden es am Gymnasium anmelden und nicht an einer Sekundarschule, deren weitere Konzeption ungewiss ist, denn schließlich müssen die Eltern ab Klasse 7 überlegen, ob sie weiterhin integrierten Unterricht für alle haben wollen, ob differenziert oder teilintegriert unterrichtet werden soll. Eltern mit klaren Bildungsvorstellungen für ihr Kind sehen das Abitur als Ziel vor Augen. Und das kann eindeutig am klarsten auf einem Gymnasium angesteuert werden. Alle anderen Schulformen haben irgendwelche Seitenwege, Umwege oder Verlängerungswege im Programm. Warum sollten also solche Eltern eine Sekundarschule wählen? Wegen der Vielfalt? Wegen des längeren gemeinsamen Lernens? Wegen der besseren sozialen Integration? - Nein. Höchstens dann, wenn sie einsehen, dass die Anforderungen des Gymnasiums für ihr Kind im Augenblick zu hoch sind und sie eine individuelle Förderung wünschen.
Aber auch dann ist die Gesamtschule die bessere Lösung, denn sie führt zum Abitur und hat eine eigene Oberstufe, die auf die Lernbedingungen der Gesamtschule zugeschnitten ist. Eine Sekundarstufe hat keine Oberstufe, sondern verlässt sich auf die Kooperation mit einer fremden Schule, die eine Oberstufe hat. Ein Kind muss also nach der Klasse 9 oder 10 auf die andere Schule wechseln. Das bedeutet immer einen Knick in der Entwicklung, der sich vermeiden lässt. Wenn Sie mit dem Auto einen Zielort erreichen wollen, der eine direkte Autobahnverbindung hat, fahren Sie ja auch nicht ohne Grund erst dreiviertel der Strecke auf Landstraßen, um dann doch auf die Autobahn zu wechseln.

Natürlich kann das längere gemeinsame Lernen nützlich sein. Das wäre aber nur dann der Fall, wenn eine Grundschule mit einer Sekundarschule einen Schulverbund gründete. Dazu bietet das neue Schulrechtsänderungsgesetz einen neuen Schulversuch an.

Eigentlich braucht man die Sekundarschule überhaupt nicht, weil die Gesamtschule alle Forderungen erfüllt, die man für ein integratives oder differenziertes Lernen stellt. Sie hat es in vergangenen 30 Jahren mit viel Engagement erreicht, dass bildungsferne Schichten das Abitur schafften und viele Differenzierungsmöglichkeiten mit weniger oder mehr Erfolg ausprobiert - auch die Profilbildung. Aber für sie hat sich nach vielen Jahren des Experimentierens ein stabiles System mit Ganztagsunterricht herauskristallisiert, das praktikabel ist, während das System der Sekundarschule für die nächsten 20 Jahre ein Experimentierfeld sein wird, auf dem sich noch viele Änderungen ergeben werden, weil sich manche Wege, die man sich als gangbar vorstellt, als Sackgassen erweisen werden. Diesen Status hat die Gesamtschule längst überwunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mit der neuen Schulform bessere Leistungen erreicht werden können, zumal die Inklusion als neue Schwierigkeit hinzukommt.. Für die Schüler ergeben sich überhaupt keine Vorteile, denn alle Bildungschancen konnten sie in den bisherigen Schulformen auch wahrnehmen. Aber für die Eltern wird es so sein, dass sie ihre Kinder nicht mehr in der Hauptschule anmelden müssen und die ungeliebte Schulform austrocknet.
Für die Schulträger ist es natürlich einfacher, eine neue Sekundarschule zu gründen, denn sie brauchen nur 75 Anmeldungen für eine dreizügige Sekundarschule, während es für eine Gesamtschule mindestens 100 sein müssen. Die Kommunen brauchen nur die Eltern der Zweit- und Drittklässler zu befragen, welche Schulform sie haben wollen und schon geht eine neue Sekundarschule an den Start. Da ist es bei einer Gemeinde, die schon eine Gesamtschule hat, wesentlich schwieriger, eine neue zu gründen. Es müssen nämlich wesentlich mehr als 100 Anmeldungen sein, denn man könnte die bestehende Gesamtschule ja zunächst einmal um einen oder zwei Züge erweitern.

Die Eltern, die ihr Kind an einer Sekundarschule anmelden, können aber ihren Nachbarn immer noch nicht erklären, dass Ihre Kinder ja nunmehr eine Schule besuchen, deren Endziel das Abitur ist. Das könnten Sie aber mit einer Anmeldung an einer Gesamtschule. Das Abitur wird der Standardabschluss werden, weil der Hauptschulabschluss entfällt und der Sekundarabschluss nicht mehr viel wert ist. Ohne Abi wird man bald keinen Job mehr bekommen. Das merkt man unter anderem auch daran, wie intensiv inzwischen das Handwerk um Abiturienten wirbt. Deshalb werden auch die Realschulen verschwinden; Eltern werden sie nicht mehr wählen, weil sie nicht zum Abitur führen. Da die Sekundarschule dann die einzige Schulform der Sekundarstufe I ist, ist zu befürchten, dass sie die neue Restschule werden wird.

6. Schulrechtsänderungsgesetz

Durch das Schulrechtsänderungsgesetz, das am 25. Oktober 2011 beschlossen wurde, wird nicht nur das Schulgesetz geändert, sondern es wurden auch für die Kommunen viele Einrichtungsmöglichkeiten zur Bildung von Grundschulverbünden geschaffen. Sie finden den Text des Gesetzes und die Übergangsvorschriften im Downloadbereich unter SchGAend2011.doc.

Jeder 5. Auszubildende hat das Abi

Während im Jahre 2000 erst etwas mehr als 15% der Auszubildenden das Abitur hatten, sind es im Jahre 2010 bereits 20%.
Für viele Abiturienten ist nämlich die Berufsausbildung eine attraktive Alternative zum Studium. Dieser Trend wird sich noch fortsetzen, wenn in den nächsten Jahren durch die demographische Entwicklung weniger Abgänger die Haupt- und Realschulen verlassen. Und wenn dazu weiterhin etwa 20% davon Risikoschüler sind, weil sie die notwendigen Qualifikationen nicht aufweisen, wird die Wirtschaft noch mehr Abiturienten in die Berufsausbildung ziehen

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen zur Sekundarschule. Nachdem bekannt wurde, dass mit etwa 50 Neugründungen von Sekundarschulen und weiteren 19 Gesamtschulen zu rechnen ist, wurden die Lehrerinnen und Lehrer unruhig, die an Schulen unterrichten, die durch die Zusammenlegung oder Neugründung mit Versetzungen rechnen müssen. Gerade den älteren Lehrkräften wird es schwerfallen, an eine Schulform zu wechseln, für die man nicht ausgebildet ist und die man unter Umständen auch nicht wünscht. Wohin aber dann, wenn die eigene Schule aufgelöst wird und keine Stelle an der betreffenden Schulform frei ist? Oder was tun, wenn man sich an eine Sekundarschule bewirbt, aber nicht genommen wird, weil man zu alt ist?
Dazu gibt es einen Erlass des Ministeriums. Sie finden ihn unter dem Namen PersLeitlinien.pdf  im Downloadbereich.
Hier der Stand vom März 2012 nach dem Anmeldeverfahren:

Start von Sekundarschulen für das Schuljahr 2012/13

Arnsberg Detmold Düsseldorf Köln Münster
Altena/Nachroth/
Wiblingwerde
Extertal/ Monheim Overath Sassenberg
Attendorn Vlotho Kleve Nümbrecht Gelsenkirchen
Bochum (2) Oerlinghausen Dinslaken Engelskirchen Münster
Breckerfeld
(Ersatzschule)
Lübbecke Kamp-Lintfort Eitorf Herten
Dortmund Borchen Alpen Bornheim Drensteinfurt
Erwitte/Anröchte   Jüchen Jülich Ahlen
Hamm   Straelen Nideggen/Kreuzau Nottuln(Ersatzschule)
Netphen   Essen (Ersatzschule) Lohmar  
Olsberg        
Werl        
Werne        
Wetter        
Wickede        

Von den ursprünglich beantragten 50 Sekundarschulen können nach dem Anmeldeverfahren 42 Schulen starten, die restlichen kamen wegen zu geringer Anmeldezahlen nicht zustande bzw. sollen voraussichtlich erst ein Jahr später gegründet werden. Inzwischen sind auch die pädagogischen Konzepte vorgelegt worden: 12 Sekundarschulen wollen auch nach der Klasse 6 gemeinsam weiter unterrichten, 28 haben sich für ein teilintegriertes Konzept entschieden und 2 für getrennte Bildungsgänge nach der Klasse 6.

Eigentlich ist dieser Bildungswirrwahr eine Katastrophe: Wenn Eltern von einem Ort in einen anderen umziehen, finden sie keine Schulform vor, auf die man sich wie bisher verlassen konnte. In jeder Stadt gibt es unterschiedliche pädagogische Konzepte. Daneben findet man noch Teilstandorte. Von den 42 neuen Sekundarschulen haben 9 zwei unterschiedliche Standorte. Das ist weder für die Schüler noch für die Lehrer sinnvoll.

In der Öffentlichkeit wird die Sekundarschule als Schulform dargestellt, die aus einem Zusammenschluss von Hauptschule und Realschule hervorgeht. Das Abitur als anzustrebender Abschluss wird natürlich nicht erwähnt, weil ja eine Kooperation mit einer Sekundarstufe II vorgesehen ist. Da die Schülerinnen und Schüler also nach Abschluss der Sekundarschule dennoch in eine andere Schulform wandern sollen, werden die Eltern sie gleich im Gymnasium anmelden. Deshalb befürchte ich, dass in absehbarer Zukunft diese neue Sekundarschule die neue Restschule werden wird und denselben Weg wie die Hauptschule gehen wird. Mein Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass die neu gegründeten Sekundarschulen gedrängt werden, die Inklusion als ihr ureigenes Profil in das Schulprogramm zu integrieren. Dadurch verschonen die Schulträger gleichzeitig ihre geliebten anderen Schulformen.

Die Realschulen merken jetzt auch, dass es ihnen an den Kragen geht. Besonders die integrierte Variante mit dem gemeinsamen Unterricht auch nach Klasse 5 und 6 macht ihnen Sorgen, denn damit würde die bestehende Realschule natürlich völlig überflüssig werden.  Ihren Unmut können Sie auf einer entsprechenden Webseite http://www.sekundarschule-in-nrw.de/ äußern. Die Meinungen werden anonym der Schulministerin übergeben.

In der Tat ist es so, dass die Realschulen auf kaltem Wege abgeschossen werden, denn bereits in den unverbindlichen Elternabfragen in den Klassen 3 und 4 der Grundschulen wird offensiv für die Sekundarschule geworben, obwohl durchaus noch bestehende und gut funktionierende Realschulen in den Gemeinden vorhanden sind. Da die Hauptschulen nicht mehr gewünscht werden und die Schulträger neue Schulen gründen, geraten sie automatisch in diesen Sog und werden mitgerissen. Ein typischer Fall ist Rheda-Wiedenbrück: Bisher gibt es dort zwei Gymnasien, zwei Realschulen und zwei Hauptschulen. Eigentlich eine gesunde Mischung. Da aber jetzt die Eltern ihre Kinder nicht mehr zur Hauptschule schicken, läuft diese aus. Und was macht der Schulträger? Er will zwei Sekundarschulen gründen und damit die die erfolgreichen Realschulen natürlich auslaufen lassen. So ist das nun einmal. Die einen bezeichnen das als eine Gesundung der Schullandschaft, die anderen als eine Zerstörung der bestehenden Schullandschaft.
Problematisch ist natürlich auch, dass Schulträger und Schulaufsicht einfach festlegen, dass die integrative Form gewählt wird. Das können sie natürlich, weil ja noch keine Schulkonferenz vorhanden ist, die das beschließen oder anders entscheiden könnte. Demokratisch ist das aber nicht. In gleicher Weise beobachte ich das Verhalten der Stadt Kaarst: Hier soll entweder eine neue Sekundarschule oder eine neue Gesamtschule gegründet werden. Man befragt die Eltern der Kinder in der 3. Klasse der Grundschule und lässt sie ein Votum abgeben. Ob das die richtige Variante ist?

Weitere Hinweise:

Thema/Titel Internet-Adresse
Informationsseite des Schulministeriums zur Sekundarschule mit dem aktualisierten Leitfaden www.schulministerium.nrw.de
   
   

 Letzte Aktualisierung dieser Seite am 11.05.12

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