Keine
Angst vor Schulinspektionen!
Die Ankündigung der Schulinspektion verursacht
zunächst einmal einen Schock bei den betroffenen Schulleitungen.
Wenn sie nämlich 3 Monate vor der geplanten Besichtigung eine
Aufforderung zur Zusammenstellung des Schulportfolios erhalten und
lesen, was sie alles bereitstellen sollen, bekommen sie einen
gehörigen Schreck und oft ein schlechtes Gewissen, weil immer einige
Dokumentationen oder Beschlüsse fehlen, die darin gefordert werden.
Der eine Schulleiter hat z.B. niemals die Abrechnung über den
Schuletat der Schulkonferenz vorgelegt, während eine andere
Schulleiterin noch gar keine Gefährdungsbeurteilung ihrer
Lehrerarbeitsplätze vorgenommen hat.
Das schlechte Gewissen kommt einfach daher, dass man einschlägige
Gesetzesvorschriften hat und damit ganz klare Dienstvorschriften
verletzt hat. Kein Wunder - denn bei dem täglichen Schulstress haben
die Schulleiterin oder der Schulleiter vor Ort vielleicht ganz
andere Problem zu lösen, die wesentlich und vordringlicher sind.
Außerdem sind Schulleitungen geneigt, die pädagogischen Aufgaben als
vorrangig einzustufen, während administrative Aufgaben in ihren
Augen erst einmal warten können und hinterher vergessen werden.
Manche Dinge sind vielleicht auch unangenehm und werden auf die
lange Bank geschoben. Typisch dafür sind die verpflichtenden
Dokumentationen nach dem Arbeitsschutzgesetz, die seit dem 21.8.1997
in allen Schulen vorliegen müssen, manchmal aber bis heute (nach
fast 13 Jahren!) noch nicht ernst genommen werden. Dann ist
plötzlich Holland in Not, wenn plötzlich im Schulportfolio danach
gefragt wird.
Das muss nicht sein, denn das Ministerium hat seit der Verordnung
zur Qualitätsanalyse im April 2007 inzwischen gute Handreichungen
herausgegeben, mit denen die Instrumente der Qualitätsanalyse
transparent gemacht werden. Es sind im Grunde 4 Bereiche, auf die
sich die Qualitätsanalyse stützt:
- Schulportfolio,
- Schulrundgang,
- Interviews,
- Unterrichtsbeobachtungen.
1. Das Schulportfolio
Etwa ein Vierteljahr vor der geplanten Schulinspektion erhält die
Schulleitung ein Schreiben des zuständigen Dezernates Q4 mit der
Aufforderung, die erforderliche Datensammlung für den Schulbesuch
zusammenzustellen und diese 6 Wochen vorher einzureichen. Dieses
22-seitige Anschreiben finden Sie im Downloadbereich unter dem
Namen QA-portfolio.doc.
Es enthält zunächst einmal die statistischen Daten der Schule mit
den Schülerzahlen, erreichten Abschlüssen und den Angaben über das
Lehrpersonal. Damit verbunden ist eine Aufstellung über die
Unterrichtsversorgung.
Im Grunde genommen sind diese Daten alle im Stundenplan und der
letzten Statistik vorhanden, die im Herbst eines jeden Schuljahres
abgeliefert werden muss. Ergänzend werden in einigen Teilbereichen
die Daten des letzten und vorletzten Schuljahres abgefragt. Die
Zusammenstellung sollte also keine Problem bereiten (Eigentlich ist
diese Abfrage ein Armutszeugnis für das Ministerium, denn sie sind
ja alle im Landesamt für Datenschutz vorhanden, werden der
Schulaufsicht zugeschickt und diese könnte den Schulleitungen diese
Arbeit ersparen.). Andere Zahlen als die bereits in der Statistik
enthaltenen sollte man im Übrigen nicht angeben, denn das würde nur
Nachfragen bzgl. der Abweichungen nach sich ziehen. Wer
clever ist, lädt sich dieses Schulportfolio herunter und füllt schon
einmal alle vorhandenen Daten aus, weil diese Aufgabe dann nicht nur
schon erledigt ist, sondern weil es überhaupt sinnvoll ist, diese
Datenzusammenstellung immer zur Hand zur haben. Sie ist vorteilhaft
in Gesprächen mit Politikern, der Schulpflegschaft, der
Schulverwaltung oder der Schulaufsicht.
Neben den Schulentwicklungsdaten ist eine Zusammenstellung
über den Schulstandort mit seiner Einbettung in die Gemeinde, dem
sozialen Gefüge und dem Raumangebot gefordert. Dabei wird eine
Qualitätseinschätzung erwartet, die von sehr gut bis unzureichend
reicht. Diese Listen sollte man in Zusammenarbeit mit dem
Schulträger ausfüllen, denn die Vorstellungen über zweckmäßige oder
gut ausgestattete Räume gehen bei Lehrern und
Schulverwaltungsbeamten doch oft auseinander. Außerdem könnte es
ganz gut sein, dass man noch eine Finanzspritze erhält, die den
einen oder anderen aufgezeigten Mangel noch vor der Schulinspektion
auszugleichen hilft - denn welcher Schulträger will sich schon
vorwerfen lassen, dass er diese Schule vernachlässigt?
2. Der Schulrundgang
Hilfreich bei dieser Begehung mit dem Hausmeister und einem
Vertreter des Schulträgers ist der Leitfaden für den Schulrundgang,
den Sie im Downloadbereich unter dem Namen
QA-rundgang.pdf finden.
Normalerweise macht man ja einen solchen Rundgang einmal im Halbjahr
zusammen mit den Sicherheitsbeauftragten und fertigt danach
einen Mängelbericht, der anschließend an den Schulträger geschickt
wird. Ist das nicht geschehen, so sollte man das jetzt nachholen.
Meist fallen dann nämlich neue Graffitis ins Auge und man schaut mal
wieder in bestimmte Ecken, Fach- und Lehrmittelräume, die man lange
nicht gesehen hat. Natürlich könnte man das auch an die Sicherheits-
oder Gefahrstoffbeauftragten delegieren, aber im Sinne von
"Selbst ist der Mann - oder die Frau" ist es doch besser, sich
selbst von allem zu überzeugen. Es kann durchaus sein, dass man
jetzt in Panik gerät, wenn man den Zustand der Toiletten,
Außenanlagen und Lehrmittelräume sieht, aber man sollte Ruhe
bewahren und mit dem Hausmeister und den verantwortlichen
Lehrkräften Lösungsmöglichkeiten besprechen. Alles auf einmal kann
man nicht erledigen; so gilt es, eine Prioritätenliste zu erstellen
und zu überlegen, was realistischerweise bis zum Zeitpunkt der
Schulinspektion zu ändern ist. Der Leitfaden ist dabei eine gute
Hilfe. Tun muss man aber etwas, denn der äußere Eindruck vom
Schulgelände spiegelt nun mal in gewisser Weise den
Erziehungskonsens wider, der in der Schule und im Kollegium
bezüglich des Verhaltens auf dem Schulgelände herrscht - es ist ein
Teil der Schulkultur.
Zum äußeren Eindruck gehört auch die Präsentation von
Schülerarbeiten, Wettbewerben und Projekten. Viele Pokale, schöne
Modelle und interessante Apparaturen verstauben oft in irgendwelchen
Räumen oder Schränken der Verwaltung, statt sichtbar für die
Schülerinnen und Schüler zu glänzen und stolz deren Leistung auch
anderen zu zeigen. Die Präsentation von Unterrichtsergebnissen ist
nicht nur ein wesentliches Merkmal guten Unterrichts, sondern auch
ein wichtiges Element für das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und
Schüler und ihre Identifikation mit der eigenen Schule. Auch Eltern
freuen sich bei jedem Elternsprechtag und jedem Schulfest darüber.
Bei diesen Überlegungen werden sicherlich auch interessante
Gestaltungsmöglichkeiten offenbar, die zukünftig ins Auge gefasst
werden können. Oft liegen auch Ferien dazwischen, in denen die
Putzkolonne, die sonst die Grundreinigung durchführt, sich
speziellen Problemen zuwenden kann. Das könnte aber auch der
Hausmeister in dieser Zeit erledigen, man muss ihm halt nur den
klaren Auftrag erteilen.
3. Konzepte
Man darf keinen Schreck bekommen, wenn man die lange Liste von
besonderen Konzepten sieht, die für alle möglichen Aufgaben in der
Schule vorhanden sein sollen. Vielleicht sind sie tatsächlich
bereits alle
vorhanden, aber nicht speziell formuliert. Oder aber sie werden
still und ohne viel Aufhebens realisiert, weil sie einfach zum
selbstverständlichen Erziehungskonsens gehören, der in der Schule
seit Jahren realisiert wird. Hier sollte man sein Licht und seine
Stärken nicht unter den Scheffel stellen und das auch dokumentieren.
Man muss aber nicht alles machen und auch jetzt nicht plötzlich
eigens für die Schulinspektion in hektische Konzeptentwicklung
verfallen, sondern die wesentlichen Konzepte darstellen und ihren
Erfolg beschreiben. Ausführliche Schulprogramme besitzen inzwischen
alle Schulen und in diesen sind auch alle möglichen Konzepte
enthalten.
Wahrscheinlich gibt es in jeder Schule schon Konferenzbeschlüsse aus
uralter Zeit, wie der Hofdienst oder das Papieraufsammeln nach der
Pause zu erfolgen hat, wer die Grünanlagen betreut oder wie man
verfährt, wenn bei Glatteis nur die Hälfte der Schüler anwesend ist.
Es lohnt sich allemal, alte Konferenzprotokolle zu durchforsten und
mit Erstaunen interessante Konferenzbeschlüsse aus früherer Zeit zu
entdecken, an die heutzutage keiner mehr denkt. Eine Aufstellung
aller jemals gefassten Konferenzbeschlüsse ist im Übrigen gar nicht
schlecht, zumal man so für neue Kolleginnen und Kollegen sogleich
eine Unterlage hat.
In dem Portfolio wird auch verlangt, Evaluationen durchzuführen und
das Feedback der Schüler, Eltern und außerschulischen Institutionen
einzuholen. Oft wurde das auch sicher gemacht, aber unzureichend
dokumentiert. Das sollte man unbedingt nachholen, denn oft haben
einzelne Kolleginnen und Kollegen beachtliche Erfolge bei bestimmten
Projekten erzielt, die aber zu wenig in der Öffentlichkeit
präsentiert wurden. Diese sollten noch einmal angesprochen werden,
um mit den vorhandenen Fotos, Zeitungsausschnitten oder Berichten
von beteiligten Personen eine Dokumentation zu verfassen, die als
erfolgreiche Bilanz vorgelegt werden kann. Das hilft auch bei
Konferenzen oder anderen Gelegenheiten, die gute pädagogische Arbeit
von Kolleginnen und Kollegen zu würdigen und ihnen auch damit das
notwendige positive Feedback zukommen zu lassen, das als Motivation
für ihr weiteres Engagement erforderlich ist. Das wird oft
viel zu wenig bedacht; vielleicht ist jetzt bei der Ankündigung der
Schulinspektion Gelegenheit dazu.
Bei manchen Konzepten ist Vorsicht geboten, wenn an der Schule
Konsens über bestimmte Verfahrensweisen besteht, die aber nicht ganz
legal sind oder sogar gegen bestehende Verwaltungsvorschriften
verstoßen. Das kann u.a. durchaus der Fall sein etwa bei der
Verteilung der Reisekostenmittel, dem Stundenplan mit nicht
vorschriftsmäßiger Stundentafel oder Ermäßigungsstunden, dem
Vertretungskonzept oder der Abrechnung von Mehrarbeit. Zu den
letzteren Punkten empfiehlt es sich, mit dem Kollegium die
entsprechenden Verfahren in der Konferenz zu beschließen und den
Unterschied zwischen dem vorgeschriebenen und dem gehandhabten
Verfahren deutlich zu machen. Oder man beantragt auf dieser Basis
die Führung eins Arbeitszeitkontos, das man sich bei der
Schulaufsicht genehmigen lässt. 4. Anhang
zum Schulportfolio
Ein wichtiges Anhängsel zum Schulportfolio ist die Selbstauskunft,
die die Schulleitung über ihre bisherigen Maßnahmen zu den
Arbeitsbedingungen und zum Gesundheitsmanagement getroffen hat. Dazu
gibt es eine 7-seitige Aufstellung in Form einer Checkliste, die
unter dem Namen QA-portfolioAS.doc
im Downloadbereich zu finden ist. Sie muss ausgefüllt werden, um
nachzuweisen, dass die Schulleitung ihre Aufgaben nach dem
Arbeitsschutzgesetz sachgerecht erledigt. Hier kann man nur raten,
alle einzelnen Punkte sorgfältig durchzugehen und dafür zu sorgen,
dass die dort angegebenen Pflichten auch gewissenhaft erfüllt
werden, denn im Falle eines Unfalls, Brandes oder Amoklaufs werden
Kleinigkeiten wie fehlende Hinweise auf Fluchtwege oder nicht
vorhandene Betriebsanweisungen plötzlich sehr wichtig und können
unangenehme dienstliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Die Schulleitung tut gut daran, sich für die Erledigung der
Arbeitsschutzaufgaben einen eigenen Ordner anzulegen, in dem alle
Maßnahmen dokumentiert sind und auch die regelmäßige Überprüfung der
Aufgabenwahrnehmung durch die entsprechenden Fachkräfte festgehalten
werden. Das gilt auch für die Vereinbarungen zwischen der
Schulleitung und dem Schulträger. Für die vorgeschriebenen
Belehrungen und Unterweisungen eignet sich die halbjährliche
Brandschutzübung mit anschließender Konferenz.
Ein ernstzunehmender Hinweis:
Während meiner Schulleitertätigkeit habe ich mir auch vorwerfen
müssen, dass ich die Gesundheitsschutzmaßnahmen nicht so
bedeutsam angesehen habe wie es eigentlich hätte sein müssen.
Wer kontrolliert schon regelmäßig den Zustand der Sanitärräume,
schaut nach, ob keine Schimmelpilze hinter den Schränken im
Keller vorhanden sind, prüft den Verbandskasten in der Turnhalle
oder kontrolliert, ob Benzin, Spiritus oder Umdruckflüssigkeit
nicht zusammen mit brennbaren Stoffen gelagert werden?
Ein Schlüsselerlebnis war für mich eine Brandschutzübung, bei
der ein Mitarbeiter der Unfallkasse mir folgenden Satz sagte:
"Die Eltern haben ihre Kinder morgens zu Ihnen gesund in die
Schule geschickt und können von Ihnen erwarten, dass sie am
Nachmittag auch wohlbehalten nach Hause zurückkommen. Das liegt
in Ihrer Verantwortung. Gesundheit ist das höchste Gut - deshalb
sind Gesundheit und Sicherheit allemal wichtiger als Lernen."
Da ich bis dato immer das Lernen als die wichtigste Aufgabe der
Schule angesehen hatte, machte es mich sehr nachdenklich - aber
aus der Sichtweise der Eltern ist das völlig korrekt und
verständlich. Überträgt
man diese Sichtweise auch auf die Lehrkräfte, so
gehört zu einem guten Gesundheitsmanagement der Schulleitung
auch die Fürsorge für die Kolleginnen und Kollegen. Auch sie kommen morgens
gesund und fröhlich in die Schule, da darf es nicht vorkommen,
dass sie nachmittags ausgepowert und völlig fertig nach Hause
kommen. Wenn das der Fall ist, war die Fürsorge der Schulleitung
für Kolleginnen und Kollegen , die aufgrund von beruflicher oder
privater Überbeanspruchung psychosozial belastet sind, nicht
ausreichend. Aber auch die gehört zu den Aufgaben der
Schulleitung. Hier sollte man als Schulleiterin oder Schulleiter
Gewissenserforschung betreiben, ob man diesen Punkt auch
genügend berücksichtigt hat.
Mehr dazu finden Sie auf meinen Webseiten
Arbeitsschutz und
Gesundheitsmanagement. 5. Die Unterrichtsbeobachtung
Das Kernstück der Qualitätsanalyse ist natürlich die
Unterrichtsbeobachtung, die bei mindestens der Hälfte der Lehrkräfte
in Form von 20-minütigen Unterrichtsbesuchen erfolgt. Dafür werden
die Unterrichtsbeobachtungsbogen eingesetzt, die auf den 10
Merkmalen für guten Unterricht von Hilbert Meyer beruhen. Diese
Bögen sind inzwischen allgemein anerkannt und werden auch in anderen
Bundesländern eingesetzt. Falls Sie sie an Ihrer Schule noch nicht
verwenden, sollten Sie dies unbedingt in einer Konferenz oder
schulinternen Fortbildung zum Thema machen. Wenn Kolleginnen und
Kollegen sich nämlich gegenseitig im Unterricht besuchen und
die Gestaltung des Unterrichtsgeschehens und den Lernerfolg damit
dokumentieren, ist viel gewonnen und sie befinden sich auf dem
besten Weg
der Professionalisierung.
Unabhängig von der Schulinspektion ist es in jedem Fall vorteilhaft,
denn auf diese Weise wird ein sachliches Feedback erreicht und es
wird eine Grundlage für ein kollegiales Gespräch geschaffen, das
sich an realen Beobachtungen orientiert.
Lehrerinnen und Lehrer, die aus irgendwelchen Gründen die
Unterrichtsmitschau und Dokumentation von Kolleginnen und
Kollegen scheuen, weil sie selbst große Hemmungen haben, können die
Bögen zunächst selbst für sich einsetzen und als eigene
"Gewissenserforschung" nach dem Unterricht benutzen. Dazu werden
lediglich die Gesichtspunkte des Bogens in Fragen umgewandelt. Ein
Bespiel zur Differenzierung (Punkt 2.4.3 des
Unterrichtsbeobachtungsbogens) mag das verdeutlichen:
|
2.4.3 Der Unterricht berücksichtigt die
individuellen Lernwege der einzelnen Schülerinnen und
Schüler. |
|
Formulierung auf dem Beobachtungsbogen |
Formulierung als Gewissenserforschung |
|
a) Die Lehrkraft ermöglicht individuelle
Lernzugänge bezüglich Umfang und Zeit bei der
Aufgabenlösung. |
Habe ich den schwachen Schüler/innen
wirklich mehr Zeit für die Lösung gelassen oder
einen anderen Lernzugang zugelassen? |
|
b) Einzelne Schüler/innen bzw. Gruppen
bearbeiten Aufgaben, die niveaudifferent angelegt sind. |
Habe ich einzelnen Schüler/innen
tatsächlich unterschiedliche Aufgaben gestellt, die sie nach ihrem
Leistungsvermögen lösen können? |
|
c) Die Schüler/innen werden bei der
individuellen Reflexion ihres Lernstandes angeleitet
(z.B. Lerntagebuch, Portfolio, Selbsttest). |
Habe ich den Schüler/innen wirklich
gezeigt, wie sie ihren derzeitigen Leistungsstand selbst
kontrollieren können? |
Da gerade die Differenzierung ein großes Problem
ist, ist solch ein Verfahren eine gute Möglichkeit, erst einmal
selbst einzelne Gesichtspunkte zu überprüfen. Es ist natürlich nicht
damit getan, die Schwächen zu erkennen, sondern man muss dann
gezielt an diesem Problem arbeiten und konsequent versuchen, in den
Unterrichtsstunden entsprechende Hilfen für schwächere Schüler/innen
einzubauen. Nach kurzer Zeit wird man das automatisch machen.
Anschließend wird das
Augenmerk auf weitere Punkte gelegt und so die eigene
Unterrichtsqualität nach und nach verbessert.
Entscheidend ist, dass Kolleginnen und Kollegen keine Angst mehr vor
einem Unterrichtsbesuch haben, sondern sich Beobachtern gegenüber
öffnen und ein Feedback annehmen. Dann ist auch die Anwesenheit von
fremden Personen, Eltern, Schulaufsicht oder Qualitätsprüfern kein
Problem mehr.
Das müsste im Prinzip bei allen erreicht werden. Andererseits ist
das natürlich auch Aufgabe der Schulleitung, denn nach den
Beurteilungsrichtlinien ist sie ja verpflichtet, sich in gewissen
Abständen ein Bild vom Leistungsstand der Klassen bzw. der
Lehrkräfte zu machen. Das bedeutet, dass in einer guten Schulleitung
regelmäßige Unterrichtsbesuche an der Tagesordnung sind - und nicht
nur unmittelbar vor irgendwelchen Revisionen. Zu diesem Zweck können
die Unterrichtsbögen hervorragend eingesetzt werden und und sorgen
damit gleichzeitig für Transparenz der Beurteilungskriterien sowie
eine sachbezogene Gesprächsgrundlage. 6.
Die Lernumgebung
Außer einem guten Unterricht ist aber auch eine motivierende Lernumgebung nicht zu
verachten. Bei meinen Unterrichtsbesuchen habe ich immer wieder
beobachtet, dass die Klassenräume sehr schön ausgestaltet waren und
an den Wänden attraktive Präsentationen von Schülerinnen und
Schülern bewundert werden konnten. Das ist auch wichtig, weil es
irgendwie auch die "Klassenkultur" widerspiegelt.
Selten war das aber in Fachräumen der Fall. Im Chemieraum hing
vielleicht noch eine Periodentafel und im Werkraum eine Liste mit
Unfallverhütungsvorschriften. Dabei gibt es eine Menge von
kostenlosen Plakaten der Unfallkassen, Modellzeichnungen von Firmen
und Schaubilder von Geräten, die als Wandkarten ihr Dasein in
dunklen Lernmittelräumen fristen. Sie wären eine echte Bereicherung
für viele triste Wände in den Fachräumen. Wie oft habe ich schon
erlebt, dass Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts
träumten oder mal etwas anderes sehen wollten als das Gesicht des
Lehrers. Da verhelfen solche zusätzlichen Anschauungsmittel immer zu
einem zusätzlichen Lerneffekt - vor allem, wenn die Bilder von Zeit
zu Zeit ausgewechselt werden.
Vielleicht lohnt es sich auch, die Lehrmittelräume nach Modellen und
Schülerarbeiten zu durchforsten, um langweilige Gänge und
Pausenhallen wohnlicher zu gestalten. Jedenfalls sollten Fachlehrer
animiert werden, auch für die Ausgestaltung der Fachräume als
motivierende Lernumgebung zu sorgen. Material und Möglichkeiten gibt
es genug. Man könnte ja auch einmal die Schülerinnen und Schüler
fragen, was sie besonders interessant fänden.
7. Interviews
Bei der Durchführung der Qualitätsanalyse werden vom
Qualitätsprüferteam Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern,
Eltern, Lehrkräften, sonstigem Personal der Schule und anderen
beteiligten Personen geführt, die an diesen Tagen anwesend sind.
Diese Interviews werden leitfadengestützt geführt.
Bisher habe ich jedoch noch keinen Leitfaden gesehen und kann
deshalb an dieser Stelle keine Hilfen geben. Das werde ich
nachholen, sobald ich einen dieser Leitfäden zu Gesicht bekommen
habe. Aber dennoch dürften diese Gespräche keine Schwierigkeit
darstellen. Wenn Sie außerschulische Partner haben, die sehr gut mit
der Schule zusammenarbeiten, so sollten diese das auch den
Qualitätsprüfern gegenüber ausdrücken. Laden Sie sie also dazu ein. 8. Resümee für die Schulleitung
Warten Sie also gar nicht erst die Ankündigung der Schulinspektion
ab, sondern beginnen Sie jetzt sofort mit der eigenen
Qualitätsanalyse nach dem Qualitätstableau. Mit den vorhandenen
Unterlagen werden Sie schnell die Stärken und Schwächen Ihrer Schule
herausfinden . Für die Stärken loben Sie zunächst einmal die
verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen und gestehen Ihnen, dass
Sie das bisher zu wenig getan haben, weil Sie manches als
selbstverständlich angesehen hätten, nun aber erkannt hätten, wie
viel Arbeit und Engagement dahinterstecke.
Danach nehmen Sie sich einen kleinen Bereich vor, den es zu
verbessern gilt und den Sie für wichtig erachten. Damit fangen Sie
an und Sie werden merken: Es wird immer besser. Und sie wird noch
besser - Ihre gute Schule! |