Ganztagsunterricht oder Samstagsunterricht?
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Die Schulzeitverkürzung zum zwölfjährigen Abitur und die
Verlagerung eines Teils der Unterrichtsstunden auf die
Sekundarstufe I bedeutet für alle Schulen die Einführung des
Ganztagsunterrichts durch die Hintertür. Darüber hatten sich die
meisten Schulen zunächst gar keine Gedanken gemacht. Wenn nämlich zu den bestehenden
30-32 Stunden in der Sek. I noch zwei dazukommen, wird die Verteilung auf 5 Tage
eng. Noch schlimmer der Stress in den Klassen 11 und 12, wenn 5 Stunden
dazukommen. |
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Da gab es dann auch kräftige Proteste, als die Ministerin laut
über die Wiedereinführung des Samstagsunterrichts
laut nachdachte. |
Rechtzeitig
zum Schuljahresbeginn 2007/08 wurde ein entsprechender Erlassentwurf
veröffentlicht, der es der Schulkonferenz ermöglichen soll, im Rahmen
eines pädagogischen Gesamtkonzeptes den Unterricht am Samstag zu
beschließen. Damit würde faktisch die Fünf-Tage-Regelung abgeschafft,
denn die Schulen könnten wahlweise einen oder mehrere Samstage im Monat
für den Unterricht vorsehen.
Das wird sicherlich auch einigen Kommunen und Schulträgern
Kopfzerbrechen bereiten, die dieses Problem schon vor einigen Jahren
hatten und sehr glücklich über den allgemeinen freien Samstag waren, da
sie dadurch die Kosten für den Schulbusverkehr und die Heizung einsparen
konnten.
SPD und Grüne wollen keinen Samstagsunterricht; stattdessen fordern
die Grünen jetzt ein Mittagessen für alle Schüler (siehe nebenstehenden
Antrag).Außerdem soll die Pausenregelung
geändert werden. Bei zwei Stunden Nachmittagsunterricht soll mindestens
eine 60-minütige Pause eingelegt werden; bei einer Stunde am Nachmittag
soll sie immer noch 30 Minuten betragen. Derartige Pausen bedeuten für
viele Schulen ein zusätzliches Problem, weil sie keine Aufenthaltsräume
und keine Mensa haben. Für die Schulträger bedeutet das erhebliche
Investitionen. Sie sind jetzt vor die Frage gestellt: Was ist
preisgünstiger - der Samstagsunterricht oder der Ganztagsunterricht? |
GRÜNE. Jedes Kind muss das Recht auf ein warmes
Schulessen haben!
Für uns ist klar: Jedes Kind hat ein Recht auf eine warme Mahlzeit.
Was im sonstigen Europa selbstverständlich ist, ist bei uns aber
leider selten. Der Bedarf nach einem gesunden, warmen Mittagessen in
der Schule ist groß, denn ein leerer Bauch lernt nicht gut - und
lernen müssen die Kinder immer länger.
Wegen der Schulzeitverkürzung am Gymnasium und der damit
einhergehenden Unterrichtsverdichtung ab Klasse fünf haben zukünftig
schon Zehnjährige bis in den Nachmittag hinein Unterricht. Die
Schulen sind für diesen faktischen Ganztagsbetrieb nicht
ausgerüstet. Es fehlen Küchen und Mensen, um die Schülerinnen und
Schüler zu versorgen. In den offenen Ganztagsgrundschulen wird zwar
ein Mittagessen für die Kinder angeboten. Es mehren sich aber
Berichte, dass Kinder nicht am Mittagessen teilnehmen oder sogar vom
Ganztag abgemeldet werden, weil die Familien sich die Zuzahlungen zu
den Mahlzeiten nicht leisten können. Das ist ein Armutszeugnis für
unsere Gesellschaft. Lehrerinnen und Lehrer berichten außerdem, dass
immer mehr Kinder ohne Frühstück, ohne Butterbrote oder andere
Nahrungsmittel in die Schulen kommen und einige Familien es an
Fürsorge für ihre Kinder mangeln lassen.
Aus all diesen Gründen fordert die grüne Landtagsfraktion in ihrem
Antrag "Schulessen für alle Kinder" das Recht auf eine warme Mahlzeit für jedes Kind im
nordrhein- westfälischen Schulgesetz zu verankern. (aus:
Landtag intern 04/2007)
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Die Einführung der Ganztagsschule ist natürlich politisch gewollt. Dazu sind
auch Ende 2005 die Ganztagserlasse geändert worden und den Haupt- und
Realschulen wird dies durch eine zusätzliche Lehrerzuweisung schmackhaft
gemacht.
Allerdings müsste allen verantwortlichen Bildungspolitikern klar sein,
dass die Einführung der Ganztagsschule keine besseren Schülerleistungen
erbringt. Viele Ganztagsschulen haben - so wie die offene
Ganztagsgrundschule - ein falsches Etikett, weil sie eine Mogelpackung
sind. In ihnen findet nämlich sehr oft kein Ganztagsunterricht statt,
sondern lediglich eine Ganztagsbetreuung. Die ist für einen kleinen Teil
der Schülerinnen und Schüler auch manchmal ganz nützlich, aber eben
nicht für jeden und nicht immer!
Es ist fatal zu glauben, dass sich die Schülerleistungen dadurch
bessern; die werden nur besser durch besseren Unterricht. Guter
Unterricht hat aber mit Ganztagsschule so wenig gemein wie die Kuh mit
dem Sonntag. Auch das Sozialverhalten wird nur zu einem kleinen Teil
verbessert, da dies hauptsächlich durch das Leben in der Familie
bestimmt wird. Durch die Ganztagsbetreuung verabschieden sich nämlich
nur noch mehr Familien von ihren Erziehungsaufgaben, weil sie glauben,
dass jetzt alles in der Händen der Schule liegt und die das ja machen
kann.
Politiker müssten außerdem - in Erinnerung an ihre eigene Schulzeit -
wissen, dass Kinder und Jugendliche auch manchmal die Nase voll von
Schule haben. Sechs Stunden in dieser Umgebung reichen da völlig! Wie
schön wäre es, wenn es nachmittags tolle Programme zur
Freizeitgestaltung gäbe, die nicht alle in Schulgebäuden stattfänden!
Die gab es früher zuhauf von verschiedenen Vereinen, kirchlichen Gruppen
und Trägern der Jugendhilfe. Was hat man gemacht? Sie aus Kostengründen
geschlossen und das Geld für Betreuung in offenen Ganztagsschulen verwendet. Ein
weiterer fataler Fehler, den meist die Schulträger begangen haben.Glücklicherweise
gibt es Elterninitiativen, die das erkannt haben und sich für
alternative Betreuungsarten einsetzen. Ein Beispiel ist die
Initiative für
die Vielfalt in der Schulkinderbetreuung in Bonn, die versucht,
Politiker davon zu überzeugen, dass Ganztagsschulen nicht das Gelbe vom
Ei sind. Die Argumente sind nicht nicht von der Hand zu weisen. Wenn Sie
auch der Meinung sind, dass anstelle von offener Ganztagsschule freie
Angebote vorhanden sein sollten, sollten Sie diese Initiative
unterstützen. |
Ganztag statt Samstag
Sechstagewoche an NRW-Schulen ist
der falsche WegDie generelle Einführung
des Samstagsunterrichts ist der hilflose Versuch der schwarz-gelben
Landesregierung von der eigentlichen Aufgabe abzulenken, den Ganztag
flächendeckend auszubauen. CDU und FDP haben ohne begleitendes
Konzept das Abitur nach zwölf Schuljahren in Nordrhein-Westfalen
eingeführt. Für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bedeutet das
zwangsläufig mehr Unterricht bis in den Nachmittag hinein. Aber weil
vor allem CDU-Schulministerin Sommer offensichtlich überfordert ist,
gibt es kein pädagogisches Ganztagsprogramm. Es gibt keine
finanziellen Hilfen für ein Mittagessen und keine zusätzlichen
Investitionsmittel für Kantinen oder für Räume für die
Hausaufgabenbetreuung. Der massive Protest der Eltern ist
berechtigt. Aber anstatt die Städte und Gemeinden jetzt beim
weiteren Ausbau des Ganztags zu unterstützen, gibt die
Landesregierung den Samstag für den Unterricht generell frei. Diese
vermeintliche Wahlfreiheit ist eine Billiglösung für das Land. Am
Ende fehlen den Kommunen die finanziellen Mittel, den Kindern und
Eltern die wichtige gemeinsame Familienzeit am Wochenende und den
Schülerinnen und Schülern ein pädagogisch durchdachter Ganztag. Auch
hier hagelt es Proteste; 75 Prozent Ablehnung in den Umfragen
sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Sechstagewoche für die
Schülerinnen und Schüler der falsche Weg ist, liegt auf der Hand:
Der freie Samstag bzw. das Wochenende dient der Erholung und wird
von den Familien für gemeinsame Aktivitäten genutzt. Viele
Lehrerinnen und Lehrern nutzen den Samstag bzw. das Wochenende für
Unterrichtsvorbereitung, Klausurkorrekturen und Fortbildung.
Außerdem hat die Regierung Rüttgers den Schulen auferlegt, dass
Elternsprechtage auch samstags stattfinden. Ein großer Teil der
Kinder und Jugendlichen nimmt insbesondere am Samstag an
Sportveranstaltungen teil oder besucht sie. Den Kommunen würden
zusätzliche Kosten etwa für das Heizen der Schulgebäude, für
Personal und vor allem für Schülerfahrtkosten entstehen. Für die SPD
im Düsseldorfer Landtag ist klar: Ganztag statt Samstag!
(aus: Landtag Intern 22/2007)
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Schule am Samstag - nein danke!Kinder
gehören am Samstag zu ihren Familien und nicht in die Schule. Der
aktuelle Erlass des Schulministeriums zur Wiedereinführung des
Samstagsunterrichts unterstreicht, dass CDU und FDP die Konsequenzen
ihrer bildungspolitischen Entscheidungen nicht überblicken. Das gilt
besonders auch für die Schulzeitverkürzung am Gymnasium, die schon
in der fünften und sechsten Klasse den Schultag bis weit in den
Nachmittag ausdehnt. Hierfür sind die Schulen nicht ausgestattet. Es
fehlen Räume für Bewegung und Entspannung, es fehlen Mensen und
Küchen. Es fehlt ein warmes Mittagessen für die Kinder und
Jugendlichen. Es fehlt ein vernünftig strukturierter und
entsprechend ausgestatteter Ganztag nicht nur an den Gymnasien. Der
neue Erlass ist der Offenbarungseid der Landesregierung in Sachen
Ganztag. Statt mehr Zeit für ein neues Lernen im Ganztag zu
ermöglichen und dabei die Erkenntnisse aus der Neurobiologie und
Lernpsychologie für besseren Unterricht umzusetzen, sollen nach
längst überholtem Muster althergebrachte Stunden auf sechs Tage
verteilt werden. Die Regierung will sich mit dieser für das Land
billigsten aller Lösungen aus der Affäre ziehen. Da stört es auch
nicht, dass die wenige Zeit, die eine Familie gemeinsam verbringen
kann, geopfert werden muss. Übrigens: Auch Lehrerinnen und Lehrer
haben Familie! Arbeitnehmerrechte scheinen bei der Landesregierung
aber eh abgeschrieben. Der Erholungsbedarf von Schülerinnen und
Schülern oder das Recht auf freie Zeit spielen ebenso wenig eine
Rolle. Wir brauchen den Ganztag für alle Schulen und keine
Ausweichmanöver. Wir brauchen einen neuen Rhythmus in der Schule,
mehr Zeit für das Lernen und für ein verbessertes Klima zwischen
Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern. Wir
brauchen auch eine Familienzeit, die frei ist vom Schuldruck. Mit
unserem Antrag „Ganztag statt Samstag“ fordern wir die
Landesregierung auf, die Kinder am Samstag in ihren Familien zu
lassen, und stattdessen einen konsequenten Ganztagausbau auf den Weg
zu bringen. (aus Landtag Intern 22/2007)
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Ziel bei beiden Parteien ist eindeutig
der Slogan: "Ganztag statt Samstag!
Allerdings ist ihre Begründung auch nicht stichhaltig. Ob nämlich das
Familienleben am Wochenende besser ist, hängt nicht vom schulfreien
Samstag ab, sondern von der intakten Familie.
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Turbo-Abitur
nicht ohne GanztagSchülerinnen und
Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern in Nordrhein-
Westfalen sind sich einig: Das Abitur nach zwölf Schuljahren - vier
Jahre an der Grundschule, acht Jahre am Gymnasium (G8) - führt in
der von der schwarz-gelben Landesregierung beschlossenen Form zu
einer unerträglich hohen Stundenbelastung gerade bei den jüngeren
Schülerinnen und Schülern. Denn die Schulen
werden mit den Folgen des Turbo-Abiturs allein gelassen. Notwendige
Rahmenbedingungen werden nicht geschaffen, die landesweiten Proteste
ignoriert. Das deutliche Signal, dass die Eltern ihre Kinder
vermehrt an Gesamtschulen anmelden, um ihnen den zeitlichen Druck am
Gymnasium zu ersparen, bleibt ebenfalls unbeachtet. Haushaltsanträge
der SPD-Landtagsfraktion, mit denen die Wünsche der Schulen, der
Eltern, der Schülerinnen und Schüler sowie die Anregungen
zahlreicher Expertinnen und Experten aufgegriffen wurden, haben die
Landesregierung und die CDU/-FDP-Koalition immer abgelehnt.
Stattdessen zuckt die zuständige CDU-Schulministerin mit den
Schultern oder verweist auf die Möglichkeit, wieder den
Samstagsunterricht einzuführen. Diese Billiglösung für das Land will
nun überhaupt keiner mehr.
CDU und FDP haben ohne ein Konzept für den Ganztag das Turbo-Abitur
an den Gymnasien eingeführt. Dabei ist der Ganztag der Schlüssel für
die erfolgreiche Umsetzung des G8. Wir brauchen in NRW umgehend ein
pädagogisch begründetes Konzept für ein ausreichendes Angebot von
Ganztagsplätzen an den Gymnasien, das die Erwartungen und Wünsche
der Familien und der Kinder an Bildung, Erziehung und Betreuung
berücksichtigt. Im Kern geht es in diesem Vorschlag der SPD im
Düsseldorfer Landtag um eine gut organisierte Ganztagsschule mit
rhythmisiertem Unterricht, regelmäßigen außerunterrichtlichen
Angeboten und einem richtigen Mittagessen in entsprechenden
Räumlichkeiten. Hier reicht es nicht, nur ein paar Tische und Stühle
zusammenrücken und einen Essenslieferanten zu bestellen, wie es dem
Schulministerium vorschwebt. Unverbindlicher und unverantwortlicher
geht es nicht. Vielmehr ist ein Landesprogramm notwendig, durch das
Investitionen der Schulträger für eine ganztagsgerechte Ausstattung
der Schulen und Angebote gefördert werden. (aus:
Landtag intern 2/2008)
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Meine persönliche Erfahrung mit
Samstagsunterricht und Ganztagsunterricht:
Als ich 1966 meinen Schuldienst begann, war
Samstagsunterricht die Regel. Oft mussten wir am Samstag auch 6 Stunden
unterrichten. Wir versuchten den Stundenplan so zu gestalten, dass wir
am Samstag möglichst keine sechs Stunden unterrichten mussten, sondern
nach der 4. Stunde frei hatten und damit auch etwas früher in das
Wochenende starten konnten. Wir haben uns immer riesig gefreut, wenn uns
das gelang.
Die Verteilung unserer 30 Wochenstunden - die wir damals unterrichten
mussten - auf sechs Wochentage hatte den Vorteil, dass man durchschnittlich
5 Stunden pro Tag zu unterrichten hatte. Das war erträglich. Wenn wir
samstags nach der 4. Stunde frei hatten, bedeutete das, dass wir an zwei
Wochentagen 6 Stunden unterrichten mussten. Das war schon härter.
Nachmittagsunterricht kannten wir nicht, das Wort "Stress" gab es
übrigens auch noch nicht, das kam erst Ende der 70er auf. Alles
verteilte sich auf 6 Vormittage. Den Hausaufgabenerlass, der Zeit der
Hausaufgaben begrenzte und festlegte, dass man übers Wochenende keine
Hausaufgaben aufgeben durfte, gab es auch noch nicht.
Wir merkten als Lehrerinnen und Lehrer alle, dass die Aufmerksamkeit und
Aufnahmefähigkeit jeweils am Morgen am besten war und in der 5. und 6.
Stunde deutlich nachließ. So legten wir dort Stunden wie Kunst, Musik,
Sport, Heimatkunde, Werken und Naturlehre hin. Wir schrieben jede Woche
ein Diktat, 10-12 Klassenarbeiten für Deutsch im Jahr und hatten 6
Stunden Deutsch und fünf Stunden Mathematik in der Woche. Englisch gab
es noch nicht. Zentrale Diktate und Aufsätze gab es auch. Wir bekamen an
einem bestimmten Tag morgens vom Schulleiter verschlossene Umschläge mit
den Themen ausgehändigt und mussten diese anschließend als
Klassenarbeit schreiben.
Als ich dann in den 70er Jahren in der Hauptschule unterrichtete, kamen
Englisch, Physik/Chemie und Arbeitslehre als neue Fächer hinzu. Wir
unterrichteten in 30-, 45-, 60- und 90-Minuten-Einheiten, teilten die
Klassen in A-, B- und C-Kurse und durften alle 14 Tage einen Samstag
frei machen, wenn die Schulkonferenz, die durch das neue
Schulmitwirkungsgesetz eingeführt worden war, das beschlossen hatte. Der
Schulträger musste zustimmen und es gab viele unzufriedene Eltern, die
ihre Kinder in unterschiedlichen Schulen hatten, die einmal samstags
unterrichtsfrei machten, während andere das gerade nicht taten.
Wir schlugen uns mit der neu aufgekommenen Mengenlehre herum und machten
unsere ersten Betriebspraktika. Die Schulträger hatten erkannt, dass man
den Samstagsunterricht besser regeln musste. Die Stimmen des örtlichen
Schulpsychologischen Dienstes, der die Verteilung des Unterrichts auf 6
Wochentage wegen des geringeren Leistungsdrucks und der besseren
Arbeitsverteilung vehement verteidigte, wurden vom Schulausschuss in den
Wind geschlagen. Es gab schließlich Energiekrisen, die man zum Anlass
nahm, für alle Schulen bestimmte Samstage (z.B. den ersten und dritten
im Monat) unterrichtsfrei zu machen. Die einsetzende
Arbeitszeitverkürzung und der allgemeine politische Slogan "Samstags
gehört Papi mir!" führten schließlich dazu, dass der Samstag
unterrichtsfrei wurde und ein entsprechender Hausaufgabenerlass
veröffentlicht wurde.
Als Folge davon mussten wir mehrere Stunden auf den Nachmittag legen
(vorrangig Sport, Arbeitsgemeinschaften und Wahlpflichtkurse), was aber
nicht so schlimm war, weil wir viele Kolleginnen oder Kollegen an der
Schule hatten, die das gerne machten, weil sie dort ihre Hobbys mit den
Schülergruppen ausleben konnten. Auch die Schüler kamen gern. Der
Unterricht endete 13:20 und der Nachmittagsunterricht begann um 15:00
Uhr. Es waren allerdings immer dieselben Lehrerinnen und Lehrer, die den
Nachmittagsunterricht bestritten, weil sie bestimmte Fächer erteilten.
Damit konnten eigentlich alle leben.
Vom Samstag als Unterrichtstag sprach bald keiner mehr. Er gehörte mehr
und mehr zum Wochenende und es war völlig klar, dass man am
Freitagmittag mit der Schule abschloss und ins heiß ersehnte Wochenende
wechselte. Alle spürten nämlich immer mehr, dass sich die Arbeit über
die restlichen 4 1/2 Tage deutlich verdichtet hatte und dass man am
Freitagmittag "kaputt" war.
Lediglich die Schulfeste wurden noch samstags gefeiert. Aber sie waren
schön, weil das immer ein freiwilliger freier Tag war, den man zum
Feiern auserwählt hatte, bei dem viele Eltern kamen und den man auch als
"Feiertag" ansah. Die Arbeitsbelastung stieg immer mehr, trotz der
Senkung der wöchentlichen Pflichtstunden auf 27.
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Noch schlimmer wurde es, als ich 1989
zur Gesamtschule wechselte. Die Pflichtstundenzahl betrug hier zwar nur
24,5, aber die Verweildauer in der Schule war ungleich höher. Allen war
es völlig klar, dass der Samstag frei war und dass an den anderen Tagen
von 8:00 bis 16:00 Unterricht stattzufinden hatte. Die Eltern wollten,
dass die Schülerinnen und Schüler alle ihre Hausaufgaben in der Schule
erledigten und dass sie am Wochenende nicht auch noch mit "Schulkram"
behelligt wurden. Sie hatten schließlich die Gesamtschule als
Ganztagsschule gewählt, weil sie während der Woche beide arbeiten
mussten und sich nicht um die Kinder kümmern konnten. Das sei ja
schließlich die Aufgabe der Schule, sagten sie.
Einfältigerweise legte ich die "leichteren" Stunden wie Kunst, Musik,
Technik, Sport, Wahlpflichtkurse und Arbeitsgemeinschaften auf den
Nachmittag, wurde aber schnell durch die Schulaufsicht dienstlich
belehrt, dass ich den Unterricht zu "rhythmisieren" hätte und
gefälligst auch Mathematik, Englisch, Deutsch und Latein auf den
Nachmittag zu legen hätte. Schließlich hätten die Schülerinnen und
Schüler nach psychologischen Erkenntnissen am Nachmittag wieder ein
"geistiges Hoch", das es auszunutzen gelte.
So wurde jeder Tag ein Stress-Tag, besonders für diejenigen, die viel
Nachmittagsunterricht zu erteilen hatten; alle sehnten sich nach dem
Wochenende. Für die Oberstufenklassen gab es manchmal einen
10-Stunden-Tag, der zwar durch die Mittagspause und die eine oder andere
Freistunde unterbrochen wurde, was aber an der langen Anwesenheit nichts
änderte. Der Dienstagnachmittag wurde unser Konferenztag, deshalb
mussten die Stunden vom Dienstagnachmittag auf den Freitagnachmittag
verlegt werden. Bitter. Die Fehlquote der Schüler stieg. Alle wollten am
Freitag um 14:00 Uhr Wochenende haben - wie ihre Eltern. Und nichts
mehr zu Hause tun: nur "abhängen", Partys feiern und Stapel von Videos
konsumieren. Bücher und Hefte hatten sie sowieso in der Schule in ihrem
Schließfach gelassen. Hausaufgaben brauchten sie von Freitag auf Montag
keine zu machen. Schließlich wollten sie von Freitagmittag bis
Montagmorgen nichts mehr mit der Schule zu tun haben. Die Leistungen
wurden durch den Ganztag nicht besser. Im Gegenteil: Vokabeln wurden
nicht mehr am Wochenende gepaukt, nachgelesen oder wiederholt wurde auch
vielfach nichts mehr, weil die Schulbücher in der Schule und nicht zu
Hause waren.
Am Montagmorgen war oft nichts mehr mit ihnen anzufangen. Und der Stress
für die Kolleginnen und Kollegen begann aufs Neue...
Vielleicht hilft Ihnen meine kleine, individuelle Entwicklungsgeschichte
zur Entscheidung in Ihrer Schulkonferenz. Meiner Meinung nach macht
nämlich das Ministerium wieder einen geschickten Schachzug. Statt
deutlich zu sagen: "Samstagsunterricht für alle!" oder
"Ganztagsunterricht für alle!" wird die Entscheidung auf die
Schulkonferenz abgewälzt. Diese wird zu endlosen Diskussionen verleitet,
die zu keinem Ergebnis führen, weil die Meinungen und Begründungen zu
unterschiedlich sind. Hier drückt sich das Ministerium vor einer
Entscheidung - genau so wie beim Rauchen in der Schule oder bei den
Kopfnoten in den Zeugnissen.
Ich halte das für eine große Schwäche unserer Bildungspolitiker. Warum
hat keiner den Mut, sich zu einer deutlichen Entscheidung zu bekennen?
Warum müssen wieder alle Schulkonferenzen unendlich diskutieren und die
fehlende Entscheidungskompetenz der Bildungspolitiker ersetzen?
Haben nicht Lehrerinnen und Lehrer schon genug unter unausgegorenen
Bildungskonzepten zu leiden? |
| Ich brauche nicht darauf gespannt zu sein, wie die Diskussion
ausgeht. Da keiner mehr samstags arbeiten will, wird der Schulalltag
aller Schülerinnen und Schüler demnächst länger werden. So können die Eltern ihre Kinder leichter loswerden und im
Glauben gelassen werden, dass sie gut versorgt sind und alle ihre
Hausaufgaben in der Schule erledigen, sodass sich die Eltern zu Hause
nicht mehr um sie kümmern müssen. |
Weitere Hinweise:
| Thema/Titel |
Internet-Adresse |
| Das Schulministerium NRW hat ein
eigenes Internetangebot für Ganztagsschulen im Netz, das alle wesentlichen
Informationen zu Ganztagsschulen enthält. |
www.ganztag-nrw.de |
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Letzte Aktualisierung dieser Seite am
13.05.10
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