Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte

Während dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Wirtschaft seit Jahren völlig natürlich sind, haben Lehrerinnen und Lehrer immer noch damit Schwierigkeiten. Und das, obwohl sie selbst jeden Tag mehrmals Schülerleistungen beurteilen und den Schülern auch die Noten bekannt geben. Sollen sie aber selbst beurteilt werden, geraten sie leicht in Panik. Hinterher fühlen sie sich oft zu schlecht beurteilt und geben ganz viele Entschuldigungsgründe an.

Woran liegt das?
Zunächst einmal sind die Beurteiler oft nicht die Profis, die sie sein wollen. Schulräte und Dezernenten haben ganz schnell Abstand zu der Lehrerrolle, die sie noch einige Jahre vorher gespielt haben und verhalten sich als Schulaufsichtspersonen anders. Während ein Unternehmer bei einem Leistungsbericht daran interessiert ist, dass sich die Leistungen des Arbeitnehmer verbessern, stehen beim Schulleiter, beim Schulrat oder Dezernenten erst mal die Kontrollen im Vordergrund. Schulleitungen haben oft auch gar keinen Überblick über die tatsächlichen Leistungen von Lehrern. Sie kennen nicht ihren Unterricht, weil sich dieser meist hinter verschlossenen Türen abspielt. Sie messen seine Qualität auch nur an ihren eigenen Vorstellungen, die oft nicht gerade die modernsten sind. Vielfach vergessen sie, dass eine Lehrerin unter Umständen viel mehr geleistet hat, wenn sie einen Schüler dazu gebracht hat, dem hinter ihm sitzenden Mädchen nicht mehr vors Schienbein zu treten, als wenn sie ihn dazu gebracht hätte 10 englische Vokabeln zu lernen.
Die enorme Kraft, die ein Lehrer täglich in die unterrichtliche und außerunterrichtliche Erziehungsarbeit steckt, wird vielfach unterschätzt. Auch Elterngespräche und Korrekturen, die viel Konsequenz und Kontrolle erfordern, werden oft nicht in entsprechendem Maße anerkannt.
Schulleiterinnen und Schulleiter setzen das meist alles als selbstverständlich voraus. Erst im Falle einer notwendigen  Revision werden sie plötzlich aktiv und sehen dann alles nur unter dem eingeschränkten Blickwinkel einer Momentaufnahme.
Ändern Sie das in Ihrer Schule! Besuchen Sie sich gegenseitig im Unterricht und öffnen Sie sich den Kollegen, der Schulleitung und den Eltern. Unterrichten Sie ab und zu mit offener Tür. Laden Sie jemanden ein. Sie werden schnell feststellen, dass Ihnen dann Besuche und Anmerkungen zu Ihrem Unterricht nichts mehr ausmachen.
Im Folgenden will ich Ihnen aber nicht Ratschläge für Ihre Unterrichtsführung erteilen, sondern Ihnen Hilfen an die Hand geben, damit die Kriterien für Ihre Beurteilung transparenter werden und Sie positiven Einfluss auf die Gestaltung derartiger Beurteilungen nehmen können. Das sollten Sie nämlich unbedingt tun. Hier einige Tipps:

Wichtig:

  • Führen Sie unbedingt weit vor der Abfassung des Leistungsberichts oder einer dienstlichen Beurteilung ein Gespräch mit der Schulleitung über Ihre Leistung. Lassen Sie sich nicht abwimmeln. Die Schulleitung ist dazu verpflichtet. So hören Sie zunächst deren Einschätzung und können die Strategie planen, dass die Schulleitung Ihnen gegenüber zu einer positiveren Einschätzung kommt.
  • Beurteilungen sind wesentliche Elemente der Personalführung. Daher sind die Daten der Langzeitbeobachtung entscheidend. Sorgen Sie also dafür, dass nur überprüfbare Daten herangezogen werden und auch länger zurück liegende Leistungen entsprechend gewürdigt werden.
  • Nehmen Sie auch Einblick in die Handakte, die die Schulleitung über Sie in der Schule führt. Sie haben ein Recht zur Einsicht! Es kann schon eine Menge darin zu finden sein. Im Downloadbereich habe ich eine Zusammenstellung unter dem Namen akte.doc als WORD - Datei abgelegt, aus der Sie entnehmen können, was alles darin enthalten sein kann. Die Schulleitung ist verpflichtet, nach drei Jahren sämtliche Dienstvergehen zu tilgen. Kontrollieren Sie, ob diesbezügliche Notizen noch in der Akte sind.
  • Akzeptieren Sie keinesfalls, dass Ihnen erst am Tage der Revision Ihre dienstliche Beurteilung oder Ihr Leistungsbericht ausgehändigt und zum Unterschreiben vorgelegt wird. Unterschreiben Sie nichts, was nicht Ihre Zustimmung findet.
  • Achten Sie genau auf die verwendeten Formulierungen, denn oft werden solche für die "Binnendifferenzierung" verwendet. Das gibt dann den Ausschlag, wenn mehrere Bewerber dieselbe Note haben. Zur Interpretation der verwendeten Formulierungen lesen Sie sich unbedingt meine Webseite Verschlüsselung und Entschlüsselung von dienstlichen Beurteilungen!
  • Wenn das Gesamtergebnis Ihnen nicht schlüssig erscheint, geben Sie die Beurteilung an die Schulleitung zurück und fordern Sie sie auf , eine neue Beurteilung zu verfassen. Ein typischer Fall: Nach Abschluss der Probezeit finden sich im Text Ihrer Beurteilung alles sehr positive Formulierungen. Unter dem Gutachten steht aber die Formulierung "hat sich bewährt". Geben Sie sich damit nicht zufrieden, wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie sich besonders engagiert haben. Machen Sie das der Schulleitung klar und fordern Sie sie auf, auch entsprechend die Formulierung "hat sich wegen besonderer Leistung ausgezeichnet" zu verwenden.
  • Es ist unbedingt sinnvoll, einen eigenen Entwurf für die dienstliche Beurteilung zu einem  Gespräch mit der Schulleitung mitzubringen, in dem die eigene Leistung unter persönlichen Gesichtspunkten beurteilt und gewürdigt wird. So lernt der Beurteiler auch die andere Sichtweise kennen.
Die dienstliche Beurteilung von Beamten wird aus dem Grundgesetz (Art. 33 Abs.2) abgeleitet, wonach jeder Deutsche einen Zugang zu jedem öffentlichen Amt haben soll, wenn seine Eignung, Befähigung und fachliche Leistung dazu vorhanden sind.
Die gesetzliche Grundlage für die dienstliche Beurteilung eines Beamten ist im Landesbeamtengesetz (LBG) festgelegt. Im § 14 LBG wird für die Probezeit vorgeschrieben, dass die Eignung, Befähigung und fachliche Leistung der Beamten unter Anlegung eines strengen Maßstabs wiederholt zu beurteilen sind. Im § 93 LBG heißt es, dass diese Beurteilungen mit einem Gesamturteil abzuschließen sind und einen Vorschlag für die weitere Verwendung enthalten sollen. Sie sind zu den Personalakten zu nehmen. "Dem Beamten ist Gelegenheit zu geben, von seiner Beurteilung vor Aufnahme in die Personalakten Kenntnis zu nehmen und sie mit dem Vorgesetzten zu besprechen. Eine Gegenäußerung des Beamten ist ebenfalls zu den Personalakten zu nehmen."
Dazu gibt es einen entsprechenden Erlass - die so genannten "Beurteilungsrichtlinien" -, in dem die Verfahrensvorschriften für die inhaltliche und formale Durchführung der dienstlichen Beurteilung festgelegt sind.
Die vorgenannten Kriterien dienen der "Bestenauslese", denn beim Eingang von mehreren Bewerbungen für ein öffentliches Amt muss eine Auswahl erfolgen. Man nimmt dabei in Kauf, dass diese immer subjektiv erfolgt und durchaus fehlerhafte Einschätzungen zustande kommen können. Allerdings muss man ja auch für einen sinnvollen Personaleinsatz bestimmte Kriterien haben und anwenden:
 
Eignung Befähigung Leistung
Unter "Eignung" versteht man die Summe der persönlichen Eigenschaften, die jemand in seinen Beruf mitbringt. Dazu gehören z.B. Humor, Urteilsvermögen, Belastbarkeit, Auffassungsgabe, Kreativität,  Führungsqualitäten, Verantwortungsgefühl,  Einfühlungsvermögen u. a. Unter "Befähigung" versteht man die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die jemand in seinem  Beruf als Lehrer auszeichnen. Das sind z.B. Fachkenntnisse, Hobbys, Vorerfahrungen, Konfliktfähigkeit,  Organisationsvermögen, Konzeptentwicklung, Teamfähigkeit u. a. Unter "Leistung" versteht man die Qualität der Arbeitsergebnisse, die jemand als Lehrer erzielt. Dazu gehören z.B. Initiative, Arbeitstempo, Sorgfalt, Fleiß, Leistungsbereitschaft, Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Engagement u. a.

Wenn sich z.B. jemand um eine Beförderungsstelle bewirbt, benötigt er eine dienstliche Beurteilung. Dabei werden zunächst immer nur diese Hauptkriterien angewendet. Erst wenn alle Bewerber daraufhin als gleich bewertet werden, kommen weitere Hilfskriterien dazu:
Das ist vor allem die Schwerbehinderung. Schwerbehinderte müssen bei gleicher Eignung und Befähigung anderen Bewerbern vorgezogen werden. Allerdings bezieht sich die Schwerbehinderung nur auf die Leistung, nicht auf Eignung und Befähigung! Daneben gibt es die Frauenförderung. Sie besagt, dass der Anteil von Frauen in einer bestimmten Laufbahngruppe unterrepräsentiert ist und deshalb der Bewerbung von Frauen der Vorzug zu geben ist. Daneben spielt natürlich das Dienstalter eine große Rolle. Wenn jemand 23 Dienstjahre hat, ist er jemandem mit 18 Dienstjahren bei gleicher Eignung, Befähigung und Leistung vorzuziehen. Auch das ist nicht anzugreifen, wird allerdings seit 2012 bei den Bezirksregierungen anders gesehen. Es kann nämlich durchaus sein, dass ein Bewerber für ein Beförderungsamt zwar mehr Dienstjahre hat, aber im Quervergleich mit der dienstlichen Beurteilung eines anderen Bewerbers nicht die Qualitäten aufweist, die dieser gerade für die ausgeschriebene Stelle hat. Demnach ist das Dienstalter zwar ein hohes Kriterium, aber nicht unbedingt das höchste.
Die vorgenannten Punkte gelten zunächst für alle Beamten. Für Lehrkräfte sowie für die Leiterinnen und Leiter an öffentlichen Schulen und Studienseminaren gibt es Beurteilungsrichtlinien in Form von Erlassen des Ministeriums. Zur Zeit ist der Erlass des Ministeriums für Schule, Jugend und Kinder vom 2.1.2003 gültig. Sie finden ihn in der BASS 21-02 Nr. 2 und sollten ihn sorgfältig studieren. Er enthält nämlich nicht nur die Kriterien für die Beurteilung, sondern auch die Vorschriften für das Beurteilungsverfahren. An die müssen sich nämlich die Dienstvorgesetzten genau halten, weil andernfalls das Verfahren wegen Formfehlern leicht bemängelt werden kann. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass die im Beurteilungsbogen ausgewiesenen Beurteilungsmerkmale zu berücksichtigen sind.
In dem derzeit gültigen Erlass  vom Januar 2003 sind sogar für die einzelnen Fallgruppen (Beförderungsämter, Schulaufsicht, Schulleitung, Koordinatoren, Fachleitung, Schulleitung, Seminarleitung) spezielle Qualifikationen als Kriterien definiert.
Wichtig sind neben den zu beurteilenden erbrachten Leistungen auch die Eignung und Befähigung im Hinblick auf das angestrebte Amt. Hier wird also die Tauglichkeit des Bewerbers prognostisch abgeschätzt.
Die Regelbeurteilung entfällt; Lehrerinnen und Lehrer werden nur noch aus den in den Beurteilungsrichtlinien genannten Gründen beurteilt. Im Gegensatz zum Öffentlichen Dienst, in dem die Regelbeurteilung Standard ist, handelt es sich im Lehrerbereich also immer nur um eine "Anlass-Beurteilung". Sie ist zwar prinzipiell drei Jahre gültig, muss aber bei jedem Anlass neu erstellt werden.
Während früher bei Konkurrentenklagen hauptsächlich auf die formale Richtigkeit der Beurteilung geachtet wurde, wird heute der Plausibilität der Aussagen größeres Gewicht beigemessen. Das bedeutet für die Beurteiler, dass sie eine knappe, aber deutliche Aussage mit treffendem Beurteilungsvokabular machen müssen und auch darauf achten, dass alle Bereiche des Lehrerdaseins berücksichtigt werden.
 
Oft glauben die Beurteilten, sie hätten eine gute oder sehr gute Beurteilung in den Händen; beim näheren Betrachten stellen sich aber Zweifel ein. Die Qualität der Beurteilung kann nämlich an den enthaltenen Adjektiven und Zusätzen leicht erkannt werden. Hier ein Beispiel:
 
Beispiele für Textpassagen Interpretation
...außerordentlich gewissenhaft
...besonders pünktlich und ordentlich
...höchst engagiert
...setzt vielfältige Arbeitsformen äußerst flexibel ein
...überzeugt durch sehr kreative Übungsphasen
...setzt überaus variantenreiche Aufgabenstellungen ein
...verfügt über profunde Kenntnisse in seinem Fachbereich
...schafft immer neue  motivierende Lernsituationen

...stellt hervorragende Unterrichtsmaterialien zur Verfügung
...in höchstem Maße belastbar und jederzeit einsatzbereit
...hat der Schule überragende Impulse gegeben
...beherrscht souverän sämtliche Organisationsformen
      Tendenz:

sehr gut

...engagiert sich sehr
...arbeitet konstruktiv in Konferenzen mit

...wird als Kollege sehr geschätzt
...organisiert selbständig
...verfasst die Arbeitsblätter sorgfältig
...zeigt gut konzipierte Unterrichtsreihen
...schafft lernfördernde Unterrichtssituationen
...ist sehr belastbar
...definiert realistische Lernziele
...kommt mit Schülern gut zurecht
       Tendenz:

gut / befriedigend

...achtet auf die Erledigung der Hausaufgaben
...erfüllt die Dienstpflichten
...strahlt Vertrauen aus
...bemüht sich um gute Zusammenarbeit
...zeigt Bereitschaft zur Reflexion
...löst die gestellten Aufgaben
...beherrscht die erforderlichen Arbeitsformen
...setzt das vorhandene Unterrichtsmaterial zweckentsprechend ein
...ist mit den wichtigsten Organisationsabläufen vertraut
...bereitet den Unterricht ökonomisch vor
      Tendenz:

ausreichend / mangelhaft


Letztendlich ist jedoch entscheidend, was im Zusammenhang mit bestimmten Beobachtungen oder Leistungen ausgesagt wird und unter der gesamten Beurteilung steht. Aus der Beurteilung müssen die Beurteilungsgrundlagen, die für das Gesamturteil verantwortlich sind, eindeutig hervorgehen. Wichtig ist die zusammenfassende gute oder hervorragende Note am Ende der Beurteilung.
 
Brauchen Sie Tipps zur Interpretation von dienstlichen Beurteilungen oder suchen Sie Formulierungen dafür? Auf meiner Webseite Verschlüsselung und Entschlüsselung von dienstlichen Beurteilungen finden Sie alles, was Sie benötigen.

Im Gegensatz zum Arbeitsbereich in der Wirtschaft  gab es früher hier Leistungsnoten, die nach dem Erlass vom Januar 2003 den Beschreibungen in den anderen Beamtenlaufbahnen angepasst sind und keine Leistungsnoten mehr enthalten. Der Unterschied geht aus den Formulierungen deutlich hervor:

Früherer Erlass vom 25.5.1992
 
Erlass vom 2.1.2003
 
4.4 Das  Gesamturteil ist wie folgt zu formulieren:
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen in besonderem Maße (sehr gut)
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen voll (gut),
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen im allgemeinen (befriedigend)
  • die Leistungen entsprechen im ganzen den  Anforderungen noch, weisen aber Mängel auf (ausreichend),
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen nicht.
4.6  Das  Gesamturteil ist wie folgt zu formulieren:
  • die Leistungen übertreffen die Anforderungen in besonderem Maße,
  • die Leistungen übertreffen die Anforderungen,
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen,
  • die Leistungen entsprechen im Allgemeinen noch den  Anforderungen,
  • die Leistungen entsprechen den Anforderungen nicht.
 

Im Vergleich beider Formulierungen lassen sich zwei Unterschiede feststellen:

1. Im Erlass von 2003 werden keine Notenstufen mehr verwendet. Die Beurteilungspraxis ist dem allgemeinen öffentlichen Dienst angeglichen und nicht mehr mit Notenstufen bewertet. Man will außerdem der Noteninflation im Lehrerbereich begegnen und möglichst die sehr gute Beurteilung nur noch in Ausnahmefällen abgeben. (Es hat die Beamten im öffentlichen Dienst nämlich schon immer geärgert, dass im Schuldienst so viele sehr gute Beurteilungen zu finden waren!). Im öffentlichen Dienst gibt es nämlich eine Quotenvorgabe (max. 10% für die Note "sehr gut" und 20% für die Note "gut"), die man ganz gern für die Lehrer auch einführen möchte Vergleichen Sie dazu auch den Text unten im Kasten "Streit um Beurteilungen"!
2. Das Leistungsspektrum ist verschoben worden. Es ist schwierig, eine durchschnittliche Note zu definieren.

Daher ist die Einordnung der Leistungsbeschreibung in Noten auch nur noch mit Vorsicht vorzunehmen, ich schreibe sie hier aber trotzdem in die Tabelle, damit sich jeder eine Einordnung selbst vornehmen kann:
 

(sehr gut) (gut) (befriedigend) (ausreichend) (mangelhaft)
Die Leistungen übertreffen die Anforderungen in besonderem Maße die Leistungen übertreffen die Anforderungen Die Leistungen entsprechen den Anforderungen die Leistungen entsprechen im Allgemeinen noch den Anforderungen die Leistungen entsprechen den Anforderungen nicht
 

Beurteilungen während der Probezeit

Für die Beurteilungen während der Probezeit traten an die Stelle der vorgenannten Noten bis zum Jahre 2009 folgende Formulierungen:

(sehr gut) (gut) (befriedigend) (ausreichend) (mangelhaft)

... hat sich besonders bewährt

(In der Beurteilung  muss festgestellt sein, dass sich der Beamte wegen besonderer Leistungen ausgezeichnet hat)
... hat sich bewährt ... hat sich noch nicht bewährt oder
... hat sich nicht bewährt
In dem entsprechenden Erlass hieß es:
4.7 Bei Beurteilungen während der laufbahnrechtlichen Probezeit nach § 7 LVO tritt an die Stelle des Gesamturteils eine Beurteilung, ob die Beamtin oder der Beamte sich während der Probezeit bewährt, besonders bewährt oder nicht bewährt hat; kann die Bewährung noch nicht abschließend festgestellt werden, so ist dies zu vermerken.
Bei Beurteilungen zum Ende einer Probezeit bzw. Amtszeit gemäß §§ 25 a, 25 b LBG ist anstelle eines Gesamturteils die Feststellung zu treffen, ob sich die Beamtin oder der Beamte bewährt oder nicht bewährt hat."

Hier erfolgte die Beurteilung nicht mehr in Anlehnung eines fünfstufigen Gesamturteils, daher kann die besondere Bewährung auch eine Note zwischen sehr gut und gut bedeuten. Allerdings definiert eigentlich der Wortbestandteil "besonders" oder " in besonderem Maße" die sehr gute Note. Viele Schulleitungen hatten und haben auch heute noch Hemmungen die Höchstnote zu vergeben, weil sie von der Schulaufsicht dazu aufgefordert wurden, diese nur äußerst sparsam zu verwenden. Dennoch sollte man sich nicht scheuen, bei einer besonderen Leistung auch eine besondere Note zu vergeben, weil damit früher die Verkürzung der Probezeit möglich war und heute damit gem. §10 Abs.3 LVO eine direkte Beförderung nach Beendigung der Probezeit ohne Ableistung der Mindestwartezeit von einem Jahr erfolgen kann.
Bei der Bewährung ist der Spielraum noch weiter gefasst. Um eine differenziertere Bewertung machen zu können, muss man also die Beurteilung genau lesen.
Steht die erwartete Formulierung nicht darunter, sollte man nochmals mit dem Beurteilenden ein Gespräch führen und ihn überzeugen, dass einige Dinge übersehen wurden, die gewürdigt werden müssen.

Achtung! Wichtige Änderung für alle, deren Probezeit ab 2009 begonnen hat:

Durch die Änderung des Landesbeamtengesetzes (LBG) vom 21.4.2009 und die Änderung der Laufbahnverordnung (LVO) vom 30.6.2009 haben sich wichtige Änderungen ergeben, die erst  im Juni 2011 durch eine Änderung der Beurteilungsrichtlinien erfasst worden sind. Dadurch waren in der Zwischenzeit  unterschiedliche Verfügungen der Bezirksregierungen zur Handhabung der Beurteilungen im Umlauf.
Maßgeblich ist § 7 LVO, der seit Juli 2009 eine dreijährige Probezeit ohne Verkürzung vorsieht:

"§ 7 Probezeit
(1) Probezeit ist die Zeit im Beamtenverhältnis auf Probe, während der sich Laufbahnbewerber nach Erwerb, andere Bewerber nach Feststellung der Befähigung für ihre Laufbahn bewähren sollen. Die regelmäßige Probezeit beträgt drei Jahre. Für die Feststellung der Bewährung gilt ein strenger Maßstab. Der Beamte wird während der Probezeit auf mehr als einem Dienstposten eingesetzt, sofern dies dienstlich vertretbar ist. Als Grundlage für die Entscheidung über die Bewährung während der Probezeit sind mindestens zwei Beurteilungen über Eignung, Befähigung und fachliche Leistung des Beamten zu erstellen; die erste Beurteilung soll spätestens zwölf Monate nach Einstellung erfolgen. Vor Ablauf der Probezeit wird in einer Beurteilung festgestellt, ob der Beamte sich in vollem Umfang bewährt hat. Wenn sich der Beamte  wegen besonderer Leistungen ausgezeichnet hat, ist dies festzustellen.

(2) Auf die Probezeit anrechenbare Zeiten hauptberuflicher Tätigkeiten, Dienstzeiten im öffentlichen Dienst und Zeiten beruflicher Tätigkeiten als Lehrer an Ersatzschulen oder Auslandsschulen setzen eine Beschäftigung mit mindestens der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit voraus. War während der anrechenbaren Zeiten nach Satz 1 Teilzeitbeschäftigung mit weniger als der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit bewilligt, ist die Teilzeitbeschäftigung entsprechend ihrem Verhältnis zur hälftigen Beschäftigung zu berücksichtigen.

(3) Zeiten einer hauptberuflichen Tätigkeit im öffentlichen Dienst einer zwischenstaatlichen oder überstaatlichen Einrichtung, im Rahmen der Entwicklungshilfe, im Dienst der Fraktionen des Europäischen Parlaments, des Bundestages oder der Landtage und der kommunalen Spitzenverbände sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Dienst von wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, an denen die öffentliche Hand durch Zahlung von Beiträgen oder Zuschüssen oder in anderer Weise wesentlich beteiligt ist, können auf die Probezeit angerechnet werden, wenn die Tätigkeit nach Art und Bedeutung mindestens der Tätigkeit in einem Amt der Laufbahn entsprochen hat; die Vorschriften über Mindestprobezeiten bleiben unberührt.

(4) Abgesehen von den Fällen des Absatzes 3 gelten Beurlaubungszeiten ohne Dienstbezüge und Krankheitszeiten von mehr als drei Monaten nicht als Probezeit. Ist bei Gewährung des Urlaubs von der obersten Dienstbehörde, bei Landesbeamten außerdem mit Zustimmung des Innenministeriums und des Finanzministeriums, festgestellt worden, daß der Urlaub überwiegend dienstlichen Interessen oder öffentlichen Belangen dient, so kann die Zeit des Urlaubs auf die Probezeit angerechnet werden; die Vorschriften über Mindestprobezeiten bleiben unberührt.

(5) Bei der Berechnung der Probezeit zählen die Zeiten einer Teilzeitbeschäftigung mit mindestens der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit in vollem Umfang. Ist dem Beamten während der Probezeit Teilzeitbeschäftigung mit weniger als der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit bewilligt worden, ist die Teilzeitbeschäftigung entsprechend ihrem Verhältnis zur hälftigen Beschäftigung zu berücksichtigen; die Probezeit ist jedoch nur dann entsprechend zu verlängern, wenn die Auswirkung mehr als drei Monate beträgt.

(6) Kann die Bewährung bis zum Ablauf der Probezeit noch nicht festgestellt werden, so kann die Probezeit um höchstens zwei Jahre verlängert werden. Sie darf jedoch insgesamt fünf Jahre nicht überschreiten. Vor Ablauf der Probezeit ist eine abschließende Beurteilung  über die Bewährung oder Nichtbewährung anzufertigen. Beamte, die sich nicht bewähren, sind zu entlassen; sie können mit ihrer Zustimmung in die nächstniedrigere Laufbahn derselben Fachrichtung übernommen werden, wenn sie hierfür geeignet sind und ein dienstliches Interesse vorliegt."

Es sind also während der Probezeit mindestens zwei Beurteilungen anzufertigen, von denen die erste Beurteilung spätestens 12 Monate nach der Einstellung erfolgen soll. Darin kann unter Umständen noch nicht der volle Umfang der Bewährung festgestellt werden, weil die Probezeit schließlich noch nicht zu Ende ist und sich der Laufbahnbewerber durchaus noch verbessern kann. Am Ende der Probezeit ist allerdings eine abschließende Beurteilung erforderlich, in der die Bewährung oder Nichtbewährung endgültig festgestellt wird. Wenn in dem Gesamturteil ausgedrückt wurde, dass sich der Beamte wegen besonderer Leistungen ausgezeichnet hat, kann anschließend sofort eine Beförderung erfolgen, ohne dass die notwendige Mindestwartezeit von einem Jahr abgewartet werden muss.

Aus diesem Grunde sind die Beurteilungsrichtlinien durch Erlass vom 3.6.2011 angepasst worden, die folgende Vorgaben enthalten:

1. Es werden im Normalfall während der Probezeit zwei dienstliche Beurteilungen erstellt.
2. Die erste dienstliche Beurteilung ist nach Ablauf eines Drittels der Probezeit, spätestens jedoch 12 Monate nach der Einstellung anzufertigen.
3. Die zweite dienstliche Beurteilung ist rechtzeitig vor Ablauf der Probezeit zu erstellen.
4. Für die zwei dienstlichen Beurteilungen während der Probezeit sind folgende Formulierungen zu verwenden:

 

  Fiktive analoge Noten
  (sehr gut) (gut) (befriedigend) (ausreichend) (mangelhaft)
1. Beurteilung (gibt es praktisch nicht) ...hat sich bewährt oder  ...eingeschränkt bewährt ...hat sich nicht bewährt
2. Beurteilung
... hat sich wegen besonderer Leistungen ausgezeichnet
... hat sich in vollem Umfang bewährt. Die Bewährung kann noch nicht abschließend festgestellt werden.
... hat sich nicht bewährt.

Ein bisschen komisch ist das schon, dass man sich auf solche Formulierungen geeinigt hat. Denn wenn man schon die Bestnote im ersten Abschnitt der Probezeit nicht vergibt, weil ja die Probezeit noch nicht abgeschlossen ist und sich noch alles ändern kann, darf man eigentlich auch die schlechteste Note nicht vergeben, denn es kann sich ja auch dabei noch alles ändern. Wenn bei der ersten oder zweiten Beurteilung keine uneingeschränkte Bewährung festgestellt werden kann, müssen die Bereiche angegeben werden, in denen Defizite bestehen. Den Änderungserlass finden Sie in der BASS.

Wenn die Beurteilung zum Ablauf der Probezeit sehr schlecht ist und die Schulleitung "nicht bewährt" darunter schreibt, sollte man Rechtsmittel einlegen und die Verlängerung der Probezeit beantragen. Es kann nämlich durchaus sein, dass sich ein Probebeamter unter anderen Verhältnissen noch bewähren kann. Außerdem sollte man den Personalrat ansprechen und um Unterstützung bitten.
Das sollte man im Übrigen auch machen, wenn die Schulleitung bereits bei der ersten Beurteilung innerhalb der Probezeit eine Nichtbewährung ausgesprochen hat. Der Dienstherr hat nämlich durchaus die Möglichkeit, den Beamten oder die Beamtin dann zu entlassen. Sorgen Sie deshalb unbedingt dafür, dass Sie bei der ersten Beurteilung eine bessere Beurteilung bekommen!

Bei den Beurteilungen für Schulleitungen, die ja gem. Beurteilungsrichtlinien auch nach einer Probezeit bzw. Amtszeit beurteilt werden müssen, ist der Spielraum noch größer. Hier wird nur noch zwischen bewährt oder nicht bewährt unterschieden:
(sehr gut) (gut) (befriedigend) (ausreichend) (mangelhaft)
... hat sich bewährt hat sich nicht bewährt

Neu bei den Beurteilungen für die Schulleitungen ist auch eine schriftliche Stellungnahme des Schulträgers, zu der dieser von der Schulaufsicht aufgefordert wird. Sie soll eine Stellungnahme über die Zusammenarbeit der Schulleitung mit dem Schulträger enthalten. Die Beurteilung wird zu den Akten genommen, aber kommt nicht in die Personalakte.
Durch das neue Schulgesetz wurde die dienstliche Beurteilung von Lehrkräften für das erste Beförderungsamt auf den Schulleiter bzw. die Schulleiterin übertragen (§ 59 Abs. 4 Nr. 2 SchulG). Das Gesetz enthält allerdings keine konkreten Regelungen für dieses Verfahren. Diese Lücke versuchen  die Bezirksregierungen (z.B. in Detmold und Münster) mit z. T. ausführlichen Hinweisen für die Schulleitungen zu füllen. Es gibt außerdem einen Erlass des Ministeriums vom 19. Mai 2007 dazu.
Sowohl die genannten Hinweise der Bezirksregierungen als auch der Erlass greifen nach Auffassung des Hauptpersonalrats für Gesamtschulen  in die ,,Richtlinien für die dienstliche Beurteilung der Lehrkräfte“ ein, insbesondere deshalb, weil sie eine Reihe neuer verfahrensrechtlicher Regelungen enthalten. Die Aufstellung solcher Richtlinien sowie ihre Änderung und Ergänzung unterliegen nach § 72, Abs.4, Satz 16 des Landespersonalvertretungsgesetzes der Mitbestimmung durch den Personalrat. Das Ministerium lehnt dies ab.
Der Hauptpersonalrat für Gesamtschulen rät:
Es gelten die „Richtlinien für die dienstliche Beurteilung der Lehrkräfte“ (BASS 21-02 Nr.2). Wenn Kolleginnen und Kollegen mit Verfahren konfrontiert werden, die über diese Richtlinien hinausgehen, sollen sie sich unbedingt an den zuständigen Personalrat wenden.

Die Beurteilung muss sich auf einen längeren Zeitraum stützen und soll das gesamte Tätigkeitsspektrum der Lehrkraft berücksichtigen. Die Grundlagen, auf denen sie beruht, müssen angegeben werden. Nach einhelliger Meinung der Juristen ist es z.B. nicht ausreichend, wenn die Schulleitung nur einen einzigen Unterrichtsbesuch gemacht hat, um sich vom Leistungsstand der Lehrkraft zu überzeugen. Das ist anfechtbar und führt im Falle des Widerspruchs (entfällt ab 1.11.2007 - siehe weiter unten!)  zu einer Wiederholung des Verfahrens.

Die Lehrerin oder der Lehrer können jetzt nur noch bei der Schulaufsicht verlangen, dass diese Beurteilung vor der Aufnahme in die Personalakte geprüft wird. Der Antrag ist im Erlass in Form einer "Bitte" aufgeführt und hat natürlich kaum Wirkungen. Da sind schon bei einem Nichteinverständnis andere Maßnahmen notwendig. Diese habe ich auf meiner Webseite  Rechtsmittel gegen Beurteilungen aufgeführt und erläutert.
Achtung! Seit dem 1.11. 2007 kein Widerspruch mehr gegen dienstliche Beurteilungen!

Am 1. November ist das Zweite Gesetz zum Bürokratieabbau in NRW (Bürokratieabbaugesetz II) in Kraft getreten. Damit werden zwei wesentliche Änderungen wirksam, die mit der gesetzlichen Neuregelung verbunden sind:
1. Bis auf wenige Ausnahmen entfällt das Widerspruchsverfahren für Verwaltungsakte als notwendiges Vorverfahren einer Klage vor dem Verwaltungsgericht.
2. Soweit ein Widerspruchsverfahren noch erforderlich ist, entscheidet in der Regel die Behörde über den Widerspruch, die den Bescheid erlassen hat. Dies gilt auch in Angelegenheiten, die der Behörde zur Erfüllung nach Weisung übertragen sind. Für diese war bisher die Aufsichtsbehörde (zumeist die Bezirksregierung) zuständig.
Das bedeutet, dass sich Lehrerinnen und Lehrer in Zukunft einen besseren Rechtsschutz zulegen müssen, der ihnen im Fall von dienstrechtlichen Streitigkeiten bei einer Klage hilft. Den Widerspruch konnte man noch selbst formulieren, bei der Klage wird es schwieriger.

Da inzwischen viele angestellte Lehrerinnen und Lehrer im Dienst sind, die eine Probezeit von 6 Monaten haben, müssen diese recht früh von der Schulleitung im Unterricht besucht und beraten werden, wenn Zweifel an einer Bewährung bestehen. Derartige Beratungsunterlagen müssen in schriftlicher Form an die betreffenden Lehrerinnen und Lehrer weitergegeben werden, weil diese sonst im Konfliktfall behaupten können, dass sie nicht früh genug beraten wurden und deshalb keine Gelegenheit hatten, ihre Fehler auszumerzen.
Im Downloadbereich habe ich neben Leerformularen für die dienstliche Beurteilung und den Leistungsbericht auch Musterbeurteilungen zusammengestellt, die einen realistischen Eindruck von derzeit gebräuchlichen Beurteilungsverfahren vermitteln. Es handelt sich um einen Leistungsbericht und um eine dienstliche Beurteilung. Sie sind unter dem Titel musterdb.zip und musterlb.zip im Downloadbereich zu finden.

Beurteilungen sind erforderlich während der Probezeit, der Beendigung der Probezeit, bei Versetzungen oder Beförderungen. Die Probezeit dauert 3 Jahre. Eignung, Befähigung und fachliche Leistung sind unter Anlegung eines strengen Maßstabs wiederholt zu beurteilen.

Die Probezeit konnte bis zum 1.4.2009 bei besonderer Bewährung verkürzt werden. Dabei hatte die Schulaufsicht folgenden Spielraum:

Ergebnis der 2. Staatsprüfung Ergebnis der dienstlichen Beurteilung Verkürzungsspielraum
    gehobener Dienst höherer Dienst
1 besonders bewährt 10 -15 Monate 12 -18 Monate
2 besonders bewährt 6 -10 Monate 8 - 12 Monate
Die Verkürzung gibt es seit 1. April 2009 nicht mehr, da das Landesbeamtengesetz NRW an das neue Beamtenstatusgesetz angepasst wurde, das bereits seit 2006 in Kraft ist.
Die Kriterien für die Note im Leistungsbericht oder in der dienstlichen Beurteilung richten sich nach den Leistungen, die in den einzelnen Feldern, in denen Handlungskompetenz von Lehrern gefordert wird, erbracht worden sind:
 
50% 50%  
Unterrichten Beurteilen heute inzwischen vielfach dazu genommen:
  Beraten Organisieren und Verwalten
Erziehen Innovieren Diagnostizieren und Fördern
 
Während bei der Beendigung der Probezeit nur rückblickende Momente eine Rolle spielen, sind bei einer Beförderungsstelle prognostische Beurteilungen gebräuchlich. Deshalb sollte man sich als Bewerber darauf einstellen, Fragestellungen vorgesetzt zu bekommen, die das professionelle Handeln im angestrebten Amt nachweisen. Formulierungsvorschläge, die für derartige Zwecke verwendet werden, befinden sich im Downloadbereich unter dem Namen qualidb.zip im WORD - Format. Dort sind deutlich die Grundqualifikationen und Zusatzqualifikationen  genannt, die bei Beförderungsstellen nachgewiesen werden müssen. Für die Bewerbung auf Fachleiterstellen gibt es besondere Kriterien, die ich dort auch unter dem Namen fachldb.zip abgelegt habe.
Es ist natürlich auch klar, dass die Bewerbung um verschiedene Beförderungsstellen auch unterschiedliche Gewichtungen der oben genannten Handlungskompetenzen bewirkt. Von jemandem, der sich um eine Schulleitungsstelle bewirbt, wird grundsätzlich erwartet, dass er guten Unterricht erteilt, Schülerinnen und Schüler richtig erziehen kann und auch in der Lage ist, sie entsprechend zu fördern und zu beurteilen. Bei einer Revision werden also bei einem solchen Bewerber vorrangig die Aspekte der Beurteilung einer Unterrichtsstunde, die Durchführung einer Konferenz und das Kolloquium im Vordergrund stehen. Außerdem wird er daran gemessen, inwiefern er das Anforderungsprofil erfüllt, das von der Schulaufsicht für Schulleitungen definiert wird. Ähnlich verhält es sich natürlich auch bei Beurteilungen für Seminarleitungen.

Beurteilungen für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sowie für Lehrer in Ausbildung

Lehrerinnen und Lehrer, die sich im Vorbereitungsdienst oder in der Ausbildung nach OBAS befinden, bekommen keine dienstliche Beurteilung, sondern werden nach anderen Kriterien beurteilt und es werden auch andere Noten vergeben.

Allerdings haben sich seit 2004 die Beurteilungen sehr an die Form der dienstlichen Beurteilungen für Lehrerinnen und Lehrer angeglichen, zumal es eine Handreichung der Bezirksregierung Düsseldorf für die Schulleiterinnen und Schulleiter gibt, wie dienstliche Beurteilungen für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter auszusehen haben. Die Handreichung hat den Stand von 2006 und bezieht sich auf die OVP von 2003. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Beurteilung mit Zustimmung der Schulaufsicht auch an eine andere Person in der Schule abgegeben werden kann. Davon wird vielfach Gebrauch gemacht, sodass sehr oft die stellvertretenden Schulleiterinnen und Schulleiter oder sogar AKOs die Beurteilung schreiben.
Die Beurteilungskriterien sind eindeutig und orientieren sich an den Lehrerfunktionen  Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und Fördern, Beraten, Leistung messen und Beurteilen, Organisieren und Verwalten, Evaluieren, Innovieren und Kooperieren. Dazu wird dann das dienstliche Verhalten beurteilt. Die 17-seitige Handreichung mit dem Beurteilungsformular finden Sie im Downloadbereich unter LAA-Beurteilung.pdf.

Für Referendare und Lehramtsanwärter ist die Beurteilung des Schulleiters entscheidend, die im Endeffekt 50% der Langzeitbeurteilung und 25% ihrer Endnote ausmacht. Sie sollte normalerweise zustande gekommen sein durch eigene Beobachtungen und Unterrichtsbesuche sowie durch  die Beurteilungen der Ausbildungslehrer(inn)en und die Gespräche mit den Ausbildungskoordinator(inn)en. Eine ältere Musterbeurteilung ist unter dem Titel musdblaa.zip im Downloadbereich ebenfalls vorhanden. Sie ist mit dem Gesamturteil "gut" versehen. Damit die Unterschiede zwischen einer guten und einer ausreichenden Beurteilung deutlich werden, habe ich eine weitere Beurteilung mit einer ausreichenden Note unter dem Titel musdb2laa.zip dort abgelegt. Sie eignet sich gut zum Vergleich der Formulierungen.

Achtung: Für alle Lehreramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sowie die Lehrerinnen und Lehrer in Ausbildung, die ihren Vorbereitungsdienst nach dem 1.8.2011 angetreten haben, gilt die neue Ordnung des Vorbereitungsdienstes  vom 10. April 2011. Gegenüber der alten OVP von 2003 haben sich enorme Veränderungen ergeben:

1. Diese Änderungen sind vor allem inhaltlicher Art, denn die Kriterien, die für die Beurteilungen angelegt werden, orientieren sich jetzt an den grundlegenden Kompetenzen  für Unterricht und Erziehung, Beurteilung, Diagnostik, Kooperation und Schulentwicklung sowie an den wissenschaftlichen und künstlerischen Anforderungen der Fächer. Dabei ist die Befähigung zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern und Umgang mit Heterogenität unter Beachtung der Erfordernisse  der Inklusion besonders zu berücksichtigen.
2. Auch formal sind Änderungen eingetreten: Da sich die Endnote aus den Langzeitbeurteilungen der Schule und des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung einerseits und andererseits aus der 2. Staatsprüfung zusammensetzen, entfällt auf die Schulleitung 25% des Gesamtergebnisses. Allerdings muss der Schulleiter nunmehr auch in den beiden Unterrichtsfächern Einzelnoten erteilen. Diese Noten müssen in ganzen Noten erteilt werden. Ist eine der Fachnoten mangelhaft oder ungenügend, ist auch die Endnote der Langzeitbeurteilung ungenügend.
3. Die Endnote ist als ganze Note zu erteilen, darf aber jeweils eine Zwischenstufe enthalten (1,5; 2,5; 3,5).
4. Der Schulleiter darf sich nicht mehr für Abfassung der Langzeitbeurteilung vertreten lassen. Er muss sich auf eigene Beobachtungen berufen und die Beurteilungsbeiträge der Ausbildungslehrerinnen oder Ausbildungslehrer, die nicht mit einer Note abschließen dürfen, hinzuziehen.
5. Es liegt völlig im Ermessen der Schulleitung, ob sie Unterrichtsbesuche macht, wie viele es sind, wie sie die durchführt und in welchen schulischen Handlungsfeldern die Beobachtung erfolgt.
6. Die Schulleitung soll die oder den Ausbildungsbeauftragte(n) um eine Stellungsnahme bitten.
7. Die Langzeitbeurteilung muss 4 Wochen vor dem Prüfungstermin vorliegen.

Für die Lehrer in Ausbildung (so heißen die Lehrerinnen und Lehrer, die nach OBAS die Ausbildung machen) gibt es eine Eingangsphase und eine Beurteilungsphase. Da deren Vorbereitungsdienst 24 Monate dauert, haben sie eine 6-monatige Eingangsphase und anschließend den gleichen Ausbildungsgang mit den Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern. Während der Eingangsphase werden sie nicht beurteilt, danach ziehen sie völlig gleich mit deren Ausbildung und werden nach den gleichen Kriterien beurteilt.

Vom Landesprüfungsamt in Dortmund gibt es eine hervorragende Handreichung für die Langzeitbeurteilung an Schulen.

Was macht man, wenn man mit einer Beurteilung nicht einverstanden ist?

Dazu habe ich eine eigene Webseite mit dem Titel Rechtsmittel gegen Beurteilungen verfasst . Dort finden Sie eine Zusammenfassung der Möglichkeiten, die Ihnen offen stehen.
 

Streit um Beurteilungen

Der Polizeipräsident von Bochum hat seinen Beamten zu gute Zeugnisse ausgestellt - und dafür eine Rüge vom NRW-Innenministerium erhalten.
DÜSSELDORF Die Nachricht kam per Mail. Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP) teilte dem Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner mit, er habe seine Beamten zu gut beurteilt. „Ich möchte Sie bitten, eine Korrektur vorzunehmen", heißt es in dem Schreiben. Wenner war außer sich. Dies sei eine „Kampfansage an die Führungsverantwortung eines Behördenleiters, grollte der Sozialdemokrat.
Alle drei Jahre werden die Polizeibeamten in NRW von ihren Vorgesetzten beurteilt. Gute Noten sind Voraussetzung für eine Beförderung. Die Richtlinien sehen vor, dass nur maximal 30 Prozent der Beamten in einer Besoldungsgruppe eine „Prädikatsbeurteilung" bekommen dürfen. Zehn Prozent dürfen die Bestnote (fünf Punkte) bekommen, 20 Prozent die zweitbeste Note (vier Punkte).
In Bochum ist die Quote in den Besoldungsgruppen A 9 (Kommissar), A 11 und A 12 (Hauptkommissar) überschritten worden. Die Aufsichtsbehörde schlug dem Behördenleiter vor, die Noten nachträglich zu ändern. Eine Aufforderung, die der Polizeipräsident für „offenkundig rechtswidrig" hält. Mit solchen „Regelungen" lande man "treffsicher auf den Tagesordnungen von Parlamentsausschüssen", ließ es das LAFK keck wissen. Jetzt schaltete sich das NRW-Innenministerium ein.
In einem Rundbrief an alle Polizeibehörden in NRW stellte Innenminister Ingo Wolf (FDP) die uneingeschränkte Autorität der Aufsichtsbehörde klar. Bochum müsse ein Einzelfall blieben, hieß es. Die Einhaltung der Quotenrichtsätze sei unabdingbar. „Ich muss nicht betonen, dass es sich bei dieser Vorgabe um eine verbindliche Weisung handelt", schreibt das Ministerium unmissverständlich.

Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die Brisanz des Themas Beurteilungen bei der NRW-Polizei. Weil gute Zeugnisse von zentraler Bedeutung für das berufliche Weiterkommen sind, gibt es nach jeder Beurteilungsrunde eine Klagewelle. Die Quotierung verzerre das tatsächliche Leistungsniveau, beklagen Personalvertreter. Mit der Benotung verfolgten die Vorgesetzten in den Dienststellen oft „strategische Ziele" in der Personalpolitik.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) spricht sich daher für die Abschaffung des Beurteilungswesens aus. Das Verfahren sei überdies viel zu aufwändig, kritisiert Rainer Wendt, der Vorsitzende des DPolG. „Wir binden die Jahresarbeitskraft von 500 Polizisten", sagt der Gewerkschafter „Die benötigen wir anderswo dringender."
90 Prozent aller Polizisten, so Wendt, würden in. ihrem Berufsleben nicht mehr als zweimal befördert, so Wendt. Dafür müssten sie zehn bis 15 Beurteilungsrunden über sich ergehen lassen. „Das steht in keinem Verhältnis", erklärt der DPoIG-Vorsitzende. Wendt spricht sich für eine automatische Beförderung nach einem gewissen Zeitraum aus.
Monika Düker, Innen-Expertin der Grünen, hält nichts von diesem Vorschlag. „Man braucht ein Leistungsbemessungssystem, sonst kommt es zu ungerechten Beförderungen", sagte die Landtagsabgeordnete. Ein Sprecher des Innenministeriums unterstrich, eine Regelbeförderung verstoße gegen das Grundgesetz.
Vor der Landtagswahl im Jahr 2005 hatte Ingo. Wulf der Polizei eine Reform das Beurteilungswesens versprochen. Daran halte man weiter fest, hieß es gestern. Derzeit werde ein externes Gutachten ausgewertet.
(Quelle: Text von Gerhard Voogt in der Rheinischen Post vom 6.12.2008)

 

Damit Sie neben der ernsten Angelegenheit Ihrer eigenen dienstlichen Beurteilung auch noch etwas zu lachen haben, gebe ich Ihnen im Folgenden die Formulierungshilfen bekannt, die von Karin Kohl in ihrem Buch "Überlebenstraining für Lehrer" angegeben werden. Es ist im Verlag Rüdiger Kohl (ISBN 3-89361-013-8) erschienen und sehr amüsant.

Formulierungshilfen zur Abfassung dienstlicher Beurteilungen
 
 Merkmal Prädikat
 

 

überragend tritt hervor befriedigend entspricht im Wesentlichen den Anforderungen
 
entspricht nicht den Anforderungen
Arbeitsleistung reißt Bäume aus reißt sich ein Bein aus reißt sich zusammen reißt Kalenderblätter ab
 
reißt vor der Arbeit aus
Schnelligkeit erreicht Lichtgeschwindigkeit schnell wie ein Kugelblitz schneller als eine Kegelkugel
 
schneller als Rumkugeln schiebt eine ruhige Kugel
Durchsetzungs-vermögen durchbricht Stahlbeton durchbricht Mauerwerk durchbricht die Arbeit
 
bricht Bleistifte ab bricht leicht zusammen
Belastbarkeit erledigt alles gleichzeitig erledigt jeden Widersacher
 
erledigt seine Arbeit sofort ist sofort erledigt erledigt sein Geschäft
Kommunikations-fähigkeit spricht mit Gott und Ebenbürtigen spricht mit sich selbst und Vorgesetzten
 
verspricht viel verspricht sich oft spricht guten Getränken zu
Geistige Fähigkeit löst auf der Stelle jedes Problem muss nachdenken  um Probleme zu lösen
 
hat mit Lösungen Probleme löst Kreuzworträtsel löst sich nur selten vom Fleck
Allgemeines und dienstl. Wissen weiß alles am besten weiß über alles Bescheid
 
weiß, was er falsch macht weiß, wann Feierabend ist weiß, wo gerade gefeiert wird
Führungs-
qualitäten
ist in allem führend führt ein strenges Regiment
 
verführt zum Feiern führt ein angenehmes Leben braucht häufig Abführmittel
Verhalten gegenüber Vorgesetzten macht Vorgesetzte überflüssig öffnet Vorgesetzten die Tür grüßt Vorgesetzte stets fröhlich fragt Vorgesetzte nach der Uhrzeit
 
parkt auf reserv. Chef-Parkplatz
Verhalten gegenüber Kollegen hat keine Kollegen lässt Kollegen ins Messer laufen grüßt Kollegen korrekt mit "Mahlzeit"
 
unterhält sich mit Kollegen im Dienst hält Kollegen von der Arbeit ab

Viel Spaß!

Weitere Hinweise:

Thema/Titel Internet-Adresse
Formulare zur dienstlichen Beurteilung und zum Leistungsbericht http://www.bezreg-duesseldorf.nrw.de

Letzte Aktualisierung am 23.01.14

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